Zum Todestag von Maximilian I.: Kaiser der Zeitenwende

Nächstes Jahr jährt sich der Tod von Kaiser Maximilian I. zum 500. Mal. Eine neue, mehrsprachige Publikation widmet sich dem Leben und Wirken des „letzten Ritters“.

  • Artikel
  • Diskussion
Christoph Haidacher, Direktor des Tiroler Landesarchivs (links), und der Historiker Michael Forcher.
© Thomas Boehm / TT

Innsbruck – „Tiroler im Herzen – Europäer im Geiste“. Unter diesem Slogan begeht das Land Tirol das Gedenken an Kaiser Maximilian I., dessen Tod sich 2019 zum 500. Mal jährt. Begleitet wird das Gedenkjahr auch von neuen Maximilian-Publikationen. Eine davon erscheint bereits jetzt im Haymon Verlag. Die TT hat die beiden Herausgeber und Maximilian-Kenner Christoph Haidacher und Michael Forcher zu einem Gespräch getroffen.

Was erwartet die Leser bei der Lektüre dieses neu konzipierten Bandes über Kaiser Maximilian I.?

Christoph Haidacher: Die Erinnerung an und das Urteil über Maximilian waren über die Jahrhunderte hinweg ambivalent. Die Person Maximilian­s erfuhr erst durch die moderne Geschichtsschreibung eine fundierte und objektive Würdigung, die seiner historischen Bedeutung gerecht wird. Deshalb war es uns ein Anliegen, in dieser Publikation ein ausgewogenes Bild von Maximilian zu vermitteln. In vier Beiträgen werden seine Persönlichkeit, seine Beziehung zu Tirol sowie sein Wirken in den Erblanden, im Römisch-Deutschen Reich und auf der europäischen Bühne dargestellt.

Wie lässt sich das zwiespältige Verhältnis der Geschichtsschreibung zu Maximilian erklären?

10x Wanderausrüstung zu gewinnen

TT-ePaper gratis ausprobieren, der Gratiszeitraum endet nach 4 Wochen automatisch.

Haidacher: Maximilian hat seine Länder in Schulden gestürzt, aber er hat auch Großes geschaffen, nämlich die Fundamente zweier Weltreiche. Er war ein Herrscher mit Visionen, versuchte diese jedoch mit sehr vielen Kriegen und mit zu wenig Diplomatie umzusetzen. Die Tragik seines Lebens war, dass ihm – im Unterschied zu Staaten wie Venedig oder Burgund – nie jene finanziellen Mittel zur Verfügung standen, die er für die Realisierung seiner Projekte gebraucht hätte.

Gibt es neue wissenschaftliche Erkenntnisse über Maximilian?

Michael Forcher: Die historischen Fakten sind bekannt, aber als Historiker muss man die Quellen immer wieder erneut hinterfragen. Dadurch wird das Bild einer historischen Persönlichkeit aufs Neue geschärft.

Worin bestand Maximilians Herrschaftsverständnis?

Forcher: Er wollte ein übernationales Kaisertum verwirklichen. So gesehen, verfolgte er eine europäische Idee. Außerdem hat er die habsburgischen Erblande zueinandergeführt und damit die Grundlage für das heutige Österreich geschaffen. Maximilian war ein Reform­kaiser, und seine Bühne war die Weltpolitik.

Haidacher: Man darf Maximilian nicht auf die Rolle des Eroberers reduzieren, der einzig und allein ein Weltreich schaffen wollte. Er war ein hochgebildeter Humanist, ein Förderer der Wissenschaften und der Künste. Auf Grund seines Herrschaftsverständnisses fühlte er sich dazu berufen, die christliche Staatenfamilie Europas anzuführen.

Anscheinend war Maximilian unbeliebt?

Haidacher: Die Quellen schildern Maximilian als einen volksverbundenen und leutseligen Herrscher. Gleichzeitig konnte er grob und aufbrausend sein. Als Maximilian im Jahre 1519 starb, waren seine Territorien finanziell vollkommen ausgeblutet. Dieser Umstand blieb nicht ohne Folgen. Die darauf folgenden Bauernkriege wurden wohl auch durch diese prekäre Situation begünstigt.

Ein Ausspruch Maximilian­s lautete: „Tirol ist ein grober Bauernkittel, aber er wärmet gut.“ Worauf begründete sich Maximilians Begeisterung für Tirol?

Forcher: Tirol, für Maximilian strategisch ideal gelegen, war der erste Ort, an dem er souverän geherrscht hat. Daraus entwickelte sich für ihn eine starke emotionale Bindung. Gleichzeitig stieg die Region zu einem kulturellen Zentrum auf. Er ließ u. a. das heute weltberühmte Goldene Dachl erbauen. Der Reichtum des Landes bedingt durch die vielen Bergwerke kam Maximilian zugute. Er sagte, Tirol sei ein Geldbeutel, in den man nie vergebens hineingreift.

Warum wird Maximilian oft als der „letzte Ritter“ bezeichnet?

Haidacher: Die Bezeichnung geht auf seine Begeisterung für die höfische Kultur zurück, die er in Burgund kennen gelernt hat. Maximilian war in erster, glücklicher Ehe mit Maria von Burgund verheiratet, die leider sehr früh starb. Die zweite Ehe mit Bianc­a Maria Sforza entsprang politischen Erwägungen.

Das Gespräch führte Gerlinde Tamerl

Buchpräsentation

Kaiser Maximilian I.

Tirol. Österreich. Europa. 1459-1519

Donnerstag, 13. September, 18:30 Uhr

Tiroler Landesarchiv, Lesesaal, Michael-Gaismair-Str. 1, Innsbruck


Kommentieren


Schlagworte