Ars Electronica - Himatsubushi: Zeitvertreib am Dach

Linz (APA) - Beim Ars Electronica Festival „Error - the Art of Imperfection“ gibt es neben all den Diskussionen, Führungen, Konferenzen und ...

Linz (APA) - Beim Ars Electronica Festival „Error - the Art of Imperfection“ gibt es neben all den Diskussionen, Führungen, Konferenzen und Installationen auch bewusst Raum zum Nichtstun bzw. Zeitvertreib. Der Weg dazu führt auf das Dach des Postverteilzentrums am Bahnhof und ist beschränkt - weil dort wirklich ein Ort der Ruhe sein soll. Aus Sicherheitsgründen dürfen nur 100 Menschen gleichzeitig hinauf.

Zumindest am Samstag hieß es deshalb öfter mal: Warten an der Stiege zum Himatsubushi Trail. Himatsubushi ist japanisch und heißt soviel wie „die Kunst, Zeit totzuschlagen“. Das kann man vortrefflich am Sundeck, mit Getränken und Snacks aus der Bar und einem Blick, der weit schweifen kann. Der Future Innovator Summit hat hier oben einen guten Platz für Workshops gefunden. Auch Erwin Wurms „One Minute Sculptures“ und „Apple Kendama“ von Yasuhiro Suzuki, beides Einladungen selbst aktiv zu werden, sind im Freien zu finden, die „Flower of Time“ von Kyoko Kunoh und Hideaki Ogawa im Gebäudeinneren will die Sache mit dem Zeitvertreib ergründen. Besucher sind eingeladen, zu überlegen, was sie mit einer Minute, einer Stunde, einer Woche, einem Jahr Freizeit anfangen würden, dies auf einem Blütenblatt zu notieren und zur passenden Blume zu kleben.

Wenn man nach der Ruhe am Dach rasch wieder ins Getümmel des Festivals will, bietet sich der schnelle Weg über eine Postrutsche an - allerdings empfiehlt es sich, gleich wieder nach oben zu gehen, denn das Himatsubushi Lab wartet noch mit seinen Installationen und Kunstwerken. Schon auf dem Weg findet man entlang eines Förderbands aufgereiht Projekte wie „Nature‘s Time Metronome“ von Yasuhiro Suzuki (JP), dessen Intervall man auf eine Sekunde, eine Minute, aber auch 1.000 Jahre einstellen kann. Und in Übereinstimmung mit dem Metronom ändert sich unsere Betrachtungsweise von Menschen und Natur. „Telekniting“ von Dmitry Morozov und vtol interpretiert Fernsehen einmal ganz anders: Das Fernsehsignal wird in einen mehrfarbigen Faden verwandelt, der sich um ein auf einem Drehtisch installiertes Objekt wickelt.

In der „Comfort Zone“ von Mind X geht man schließlich der Frage auf den Grund, ob man Zufriedenheit durch die Bestätigung anderer will oder lieber die eigene Entspannung wählt, indem man Anerkennung verweigert - ganz allein in einem abgetrennten Raum. „Break Time Experience“ verspricht einen herrlichen Moment des Zeittotschlagens, indem das Projekt einige grundlegende menschliche Werte in Alltagsgegenstände einbettet. In einer Tasse sind etwa Gedanken und Gespräche gespeichert, die andere hinterlassen haben. Das internationale Projektteam hofft, dass diese Installation zum Nachdenken darüber anregt, was eine Pause bedeutet und wie wir diese Erfahrung in Zukunft gestalten können. Himatsubushi ist der perfekte Ort dafür, damit anzufangen.

(S E R V I C E - http://ars.electronica.art)