Österreichs Export brummt, Stimmung in Europa gut

Eine Umfrage bei den Außenhandelsdelegierten der Wirtschaftskammer zeigt: Die Stimmung in der europäischen Wirtschaft ist nach wie vor gut.

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Innsbruck –Trotz dunkler Wolken am Konjunkturhimmel brummt die europäische und damit auch die österreichische Wirtschaft. So gab es im ersten Halbjahr sowohl bei den Importen als auch bei den Exporten einen Zuwachs von fünf Prozent gegenüber 2017. Der Wert der eingeführten Waren stieg nominell um 5,1 Prozent auf 77,27 Mrd. Euro, die Ausfuhren legten um 5,8 Prozent auf 75,08 Mrd. Euro zu. Und die Stimmung bei Österreichs Wirtschaftspartnern ist – trotz einer gewissen Skepsis – immer noch sehr, sehr gut. Das zeigt eine Blitzumfrage bei den Sprechtagen der Wirtschaftsbeauftragten der Wirtschaftskammer (WK) gestern in Innsbruck.

So meinte Andreas Haidenthaler, WK-Delegierter in München: „Viel von dem, was in Deutschland passiert, wird momentan sicher durch das von der bevorstehenden Wahl in Bayern getriebene politische Getöse zugedeckt.“ Die größeren Fragezeichen seien kurz- und mittelfristig, ob Donald Trump wirklich einen Handelskrieg vom Zaun bricht, und die Auswirkungen eines Brexits ohne Abkommen. „Langfristig bin ich aber optimistisch“, so Haidenthaler. Für Österreichs Wirtschaft sei unter anderem die Frage der Investitionen, die Deutschland in seine Infrastruktur tätigen muss und wird, ein Thema, das auf Jahre und Jahrzehnte Chancen für heimische Unternehmen biete. „Dazu kommt, dass Deutschland auch einen breiten und innovativen Mittelstand hat und auch eine sehr lebendige Start-up-Szene“, betont Haidenthaler.

Auch Italien, nach Deutschland der wichtigste Handelspartner Österreichs, verzeichnete ein Wirtschaftswachstum – wenn auch mit 1,1 Prozent nicht so hoch wie im übrigen Europa. „Besonders erfreulich für uns ist, dass die Exporte nach Italien 2017 um zehn Prozent gestiegen sind. Auf das Jahr hochgerechnet ist das ein Exportplus von rund 700 Mio. Euro“, erklärt Gregor Postl, WK-Wirtschaftsdelegierter in Italien. Unsicherheiten gebe es allerdings im Bereich der Staatsausgaben. Wegen teurer Wahlversprechen der neuen Regierung aus populistischer Fünf-Sterne-Bewegung und rechter Lega wird an den Finanzmärkten ein deutlicher Anstieg der Schulden befürchtet. „Finanzminister Giovanni Tria ist aber ein kühler Rechner und ein – bei allem Druck – Garant dafür, dass nicht alle Begehrlichkeiten umgesetzt werden“, meint Postl.

Und auch ein weiteres europäisches Sorgenkind hat wieder Fahrt aufgenommen. „In Portugal herrscht Aufbruchstimmung“, meint Barbara Lehninger, Wirtschaftsdelegierte in Lissabon. Nach den Jahren der Krise seien die Firmen dabei, den Rückstand aufzuholen. Das zeige sich auch daran, dass die Exporte nach Portugal 2017 um 24Prozent und die Importe um elf Prozent zunahmen. (hu)


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