„Herdenmanagement ist effektiver Schutz vor Wolf“
Steirische „Dialoggruppe Wolf“ traf sich mit Tösner Schafbauer. Fazit: Bei professioneller Weideführung müsse kein Wolf abgeschossen werden.
Von Helmut Wenzel
Tösens –Drei Schafe hat ein Wolf im August im Bregenzerwald gerissen, der DNA-Beweis liegt vor. Im Juli gab es eine Wolfsichtung bei Fiss. Niederösterreich plant die Abänderung des Jagdgesetzes, damit Wölfe erlegt werden können. Die EU hingegen bleibt beim Abschussverbot. „Es geht um die Wahrung des Naturerbes“, sagte kürzlich EU-Umweltkommissar Vella. Der Wolf kommt also nicht aus den Schlagzeilen.
In Tösens sucht Schafbauer Thomas Schranz nach alternativen Wegen jenseits von Extrempositionen – rigoroser Artenschutz und Freigabe zum Abschuss. Vor diesem Hintergrund traf kürzlich die steirische „Dialoggruppe Wolf“ bei ihm zum Lokalaugenschein ein. „Wir stellen beim Wolfmanagement nur Überlegungen im Rahmen des gültigen EU-Rechts an“, hob die Gruppe hervor.
Schranz erklärte: „Ich lehne Hetzkampagnen gegen den Wolf entschieden ab. Im Übrigen ist unsere Region von so genannten Problemwölfen noch weit entfernt. Bei mir steht die Sicherheit der Schafherden an erster Stelle.“ Im Oberland müsse man allenfalls mit durchziehenden Wölfen rechnen, so Schranz.
Der Tösner plädiert für „gezielte Weideführung“ und „aktives Herdenmanagement“. Womit er bei der Dialoggruppe auf offene Ohren stieß. Diese stimmt überein, dass Bewirtschaftung der Almflächen „die beste Vorbeugung gegen Bodenerosion, Verbuschung und Lawinengefahr“ sei. Professionelles Herdenmanagement bedeute, dass der Hirte in der Lage sein muss, „die Schafe zusammenzuhalten, auch wenn eine Herde 1500 Tiere zählt“. Nur gut ausgebildete Hirten würden diese wichtige Aufgabe bewältigen, ist der Tösner Schafbauer überzeugt. „Bei der traditionellen Weidepflege ist leider viel altes Wissen verlorengegangen.“
Ein „wolfssicherer“ Elek-trozaun bedeute ebenso eine Sicherheitsmaßnahme für die Herde wie der Einsatz eines Lama-Hengstes, „der den Wolf durch seine Größe und auch durch seine rasche Reaktion beeindruckt“. Das Lama und der Zaun würden im Regelfall bewirken, „dass der Wolf wieder abzieht“.
Zudem stellte Schranz seine beiden Herdenschutzhunde „Sum“ und „DJ“ vor, beide kommen ursprünglich aus Anatolien. Im täglichen Training hat er den Hunden beigebracht, dass sie die Herden schützen, aber Menschen gegenüber nicht aggressiv sind.
Mit moderner Technik steht Schranz keinesfalls auf Kriegsfuß. Er plant, seine Leittiere mit GPS auszustatten, um den genauen Aufenthaltsort der Herden am Monitor verfolgen zu können.
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