Kloster in Reutte steht erstmals auch zum Kauf

Gemeinderatssitzung spannte Bogen von Klostergarten über Bordell Urisee bis Großbaustelle Untermarkt.

Bürgermeister Alois Oberer.
© ZOOM.TIROL

Von Helmut Mittermayr

Reutte, Breitenwang –Seit vier Jahren schlummert das Franziskanerkloster in Reutte vor sich hin. Allfällige Verwertungsmöglichkeiten scheiterten schon allein am Nichtreagieren der Eigentümer, ließ Bürgermeister Alois Oberer die Mandatare in der vergangenen Gemeinderatssitzung wissen. Fügte aber umgehend hinzu, dass spürbar ein neuer Wind wehe, seit Bischof Hermann Glettler alles zur Chefsache erklärt habe. Und das Wichtigste: „Das Kloster kann nun gekauft werden. Das hat der Bischof gesagt und Franziskaner-Provinzial Oliver Ruggenthaler mir bestätigt.“ Die Gemeinde bleibe erster Ansprechpartner der Kirche. Dem Bischof ist eine „sakrale, soziale, kommunale und nachhaltige“ Weiternutzung wichtig, eine gastronomische, wie von der Bevölkerung favorisiert, schließt er aus. Die Gemeinde ist in erster Linie an Klostergarten und Paulusheim interessiert, sagt Oberer. Der nächste Gesprächstermin mit dem Tiroler Kirchenhirten ist mit dem 29. Oktober schon fixiert.

Im Auftrag der Gemeinde Reutte unterzog die Innsbrucker Architektin Ursula Faix Ober- wie Untermarkt einem Begegnungszonencheck. Das Ergebnis ist laut Oberer eindeutig. Während der Obermarkt nur bedingt tauglich sei (Schwerverkehr, hohes Verkehrsaufkommen, geringer Querungsbedarf u. v. m.), erfülle der Untermarkt geradezu idealtypisch alle Voraussetzungen für die Einführung einer Begegnungszone (in der alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt sind, Anm.). Mit dem Bau könnte 2019 begonnen werden, ließ Oberer wissen. Er kündigte eine „behutsame Umsetzung“ an, handle es sich doch um eine Großbaustelle. Diskussionen wie in der Lindenstraße oder in Ehrwald sollten vermieden werden. Der Marktchef hat sich „das ehrgeizige Fertigstellungsziel 2020 gesetzt“. Die Kosten schätzte er auf vier bis fünf Millionen Euro, „kein Honigschlecken für Reutte“. Der Gemeinderat schickte das Projekt, inklusive des Lobes von Kaufmannschaftsobmann Christian Senn, in einem Grundsatzbeschluss einstimmig auf die Reise.

Eine Begegnungszone der anderen Art hat ebenfalls die letzte Hürde genommen. Die Bauverhandlung zum Bordell Urisee ist ohne Beanstandung über die Bühne gegangen. Das Etablissement könnte nun jederzeit eröffnen. Einzig eine bessere Abschottung wurde von der Gemeinde Reutte reklamiert.

Die Frage, wo die Frauen, die im Hotel Urisee ihrem Gewerbe nachgehen werden, nächtigen können, beschäftigt die künftigen Bordellbetreiber schon länger. Im Gegensatz zu Deutschland ist es in Österreich verboten, im gleichen Gebäude zu übernachten, in dem der Prostitution nachgegangen wird. Nachdem den deutschen Bordellbetreibern ein altes Hotel im Vilser Zentrum von der Stadt im letzten Abdruck weggeschnappt worden war, ging die Suche weiter. Gerüchteweise war auch das ehemalige Bürogebäude der „Wildbach“ in Lechaschau ein Thema. Nun gibt es Kontakte mit dem Besitzer der Liegenschaft „Kreckelmoos“ in Breitenwang, die bis vor Kurzem noch als Flüchtlingsunterkunft gedient hatte. Der Eigentümer bestätigt Gespräche, fix sei aber noch gar nichts. Heinz Zeller: „Putzfrau, Barfrau – viele, die im Bordell arbeiten werden, benötigen eine Unterbringung.“ Zeller erzählt, dass der Kontakt über Pferde entstanden sei, ein Faible, das beide Seiten verbinde.

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