Höchstes Bergwerk Europas für Jahrzehnte gesichert

Die Restaurierungsarbeiten am höchsten Bergwerk Europas, dem Bergwerk Platzertal, gehen für heuer ins Finale. Heuer bekam auch das letzte der vier Berghäuser ein Dach.

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Das Berghaus 4 wurde neu eingedeckt.
© Reichle

Von Matthias Reichle

Pfunds – Rückblick zum Sommer 2012 – Christian Sturm führt die Tiroler Tageszeitung über das Gelände des historischen Bergwerks Platzertal. Die ehemalige Station der Materialseilbahn ist ein Trümmerhaufen, die Berghäuser zum Teil eingestürzt, bei manchen stehen nur noch einzelne Wände. Es sei ein „Traum“, die gesamte Anlage herzurichten, sagte der Obmann des Bergwerkvereins, der sich der Instandsetzung verschrieben hatte, damals.

Zeitsprung ins Heute: Wenn Sturm an diese Worte zurückdenkt, muss er schmunzeln. Er habe das halt so dahergesagt. „Für damals war das ein übertriebener Blödsinn“, gesteht er ein. Darum ist es für ihn kaum zu fassen, dass dieser Traum heute bereits mehr oder weniger Realität ist. Nach sieben Jahren – und einer kurzen Restaurierungspause – ist das höchste Bergwerk Europas wie ein Phönix aus der Asche wiederauferstanden.

Im Inneren von Berghaus 4 befand sich ein Badehaus, von dem noch die Wasserleitungen erhalten sind, wie Projektleiter Christoph Gigele demonstriert.
© Reichle

Die Baustelle auf rund 2500 Metern ist für heuer bereits so gut wie abgeschlossen. Der Winter kann hier heroben, wo die Knappen seit dem frühen 16. Jahrhundert im größeren Stil nach Erzen schürften, jederzeit hereinbrechen. Die Zimmerer hämmern die letzten Bretter auf das Dach von Haus 4. „Das ist Lärche – sägerau“, betont Projektleiter Christoph Gigele, „das hält 50 Jahre.“

Heuer wurde das letzte der vier Berghäuser restauriert. Die Jahre hatten ihm besonders hart zugesetzt, die Wände standen nur noch zum Teil. Von hinten drückte die Bergwand herein, die von Vorarbeiter Bruno Schuchter komplett neu aufgemauert wurde.

Vor allem sind nun alle vier Berghäuser dicht. Heuer wurde eine Dachfläche von 80 Quadratmetern neu eingedeckt. „Damit ist die Substanz des Objekts nun für Jahrzehnte gesichert“, sagt Reinhard Rampold vom Bundesdenkmalamt. Er zollte der Initiative Respekt: „Man hat bei null angefangen. Die Leute zu motivieren, die Gelder aufzutreiben und alle an einen Tisch zu holen, ist nicht so einfach.“

Der Vergleich zeigt: Vor wenigen Jahren waren die Berghäuser noch einsturzgefährdet. Zum Teil standen nur Mauerreste wie beim Haus 4 vor der Sanierung.
© Gigele

Auch das heurige Projekt war eine Herausforderung. Das Haus 4 war eine „Müllhalde“, erinnert sich Gigele. Ausgeräumt erwies es sich als Badehaus der Knappen, mit einem gut erhaltenen über 200 Jahre alten Boden, einem Brett, in das die Knappen ihre Waschschüsseln einlegten – die TT berichtete – sowie Anschlüssen zu einem Wassertank im Nebenraum und einem Kanal ins Freie. „Die kamen auch kohlrabenschwarz von der Arbeit.“ Besonderen Dank schulde man Sonja Mitterer, sowie Emil Zangerle, die mit Gigele den Dachstuhl ausgetüftelt haben.

Eine Strapaze war die Arbeit nicht nur für die Knappen von damals, auch die heutigen Arbeiter müssen bei der hochgelegenen Baustelle anpacken. Heuer war neben der HTP auch die Naturwerkstatt mit einem Trupp von sieben Leuten seit Anfang Juli vor Ort. „Das Klima heroben ist rau“, so deren Geschäftsführer Andreas Gruber. Zudem müssen die Arbeiter jeden Tag eine Stunde zur Baustelle aufsteigen. „Bruno gehört zu den Wenigen, die die Kunst des Steinmauerns noch beherrschen“, streute er seinem Vorarbeiter Bruno Schuchter Rosen.

Bereits 2019 soll die Sanierung weitergehen. Das EU-geförderte Leader-Projekt läuft im kommenden Jahr aus. Sowohl Gigele als auch Sturm träumen von einer Fortsetzung. Denn nicht nur im Inneren der Häuser gäbe es noch viel zu tun – auch eine geschichtliche Aufarbeitung wäre nötig. Sturm sucht noch Mitglieder für den Verein. „Derzeit sind wir 170, 1000 wären optimal“, erklärt er hoffnungsfroh. Umso mehr man sei, umso mehr könne man bewegen.


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