Forscher graben ein Fenster in Tarrenzer Urgeschichte

In Dollinger-Lager wird nach 80 Jahren eine Grabung zu einem Kultplatz fortgesetzt, der wohl über 2500 Jahre alt ist.

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Daniel Lueger (l.) und Lukas Gundolf legen den „römischen Steinteppich“ frei.
© Paschinger

Von Alexander Paschinger

Tarrenz, Dollinger-Lager –Die vier Archäologen arbeiten in Gummistiefeln. Gut so – denn der Boden ist vom Regen des Vortages noch aufgeweicht und im morastigen Grabungsschnitt gibt es auch noch Pfützen. „Viel haben wir noch nicht gefunden“, bekennt der Wenner Archäologe Lukas Gundolf, der mit Daniel Lueger die Grabung direkt unterhalb der Mieminger Bundesstraße in Dollinger-Lager vor Ort leitet. Dazu kommen die Jungforscher Margarethe Kirchmayr und Valentin Huter. Sie befinden sich auf den Spuren einer Grabung, die schon vor 80 Jahren an dieser Stelle begonnen wurde. Franz Miltner legte damals einen römischen „Steinteppich“ frei und stieß auch auf einiges Fundmaterial. „Darunter zwei römische Schwerter“, so der eigentliche Grabungsleiter von der Uni Innsbruck, Gerald Grabherr.

Die Untersuchung von 1938 wurde damals mit Hilfskräften des Reichsarbeitsdienstes (RAD), wovon Dollinger-Lager noch immer seinen Namen hat, durchgeführt. „Wir mussten die Stelle von 1938 erst wieder lokalisieren“, so Grabherr. Doch Funde im Talboden machten immer wieder auf diese Stelle aufmerksam. Die Via Claudia verlief nämlich auf der anderen Talseite, wo auch ein „Rasthaus“ ausgegraben wurde.

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In einem anderen Grabungsschnitt kamen ein Bronzeknopf, eine Schnalle und Keramik aus vorrömischer Zeit zum Vorschein.
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In Dollinger-Lager dürfte es sich um ein bereits prähistorisches Heiligtum handeln. Dafür spricht etwa eine Spiralfibel aus der späten Hallstatt- bzw. La-Tène-Zeit (500 bis 400 v. Chr.). Dazu kommen Keramik und auch ein Bronzeknopf. „Unsere Funde aus der dieser Zeit deuten auf ein Heiligtum hin“, so Gundolf. Die aktuellen römischen Funde seien jedoch derzeit dünn gesät. „Rechnet man aber die Funde von Miltner dazu, war es auch in römischer Zeit ein Kultplatz“, glaubt Grabherr nicht an eine Siedlung an dieser Stelle.

In den nächsten zwei Wochen wollen die Archäologen die Fundlücke von gut 400 Jahren schließen. „Ich gehe davon aus, dass es durchgängig ein Heiligtum war“, meint Via-Claudia-Experte Grabherr. Die Forscher hoffen jetzt einmal auf gutes Wetter, um das Fenster in die Tarrenzer Geschichte öffnen zu können.

Interessierte haben übrigens am Freitag von 14 bis 15 Uhr Gelegenheit, sich von den Experten vor Ort in Dollinger-Lager die Fundlage kompetent erklären zu lassen.


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