Trump und die Steuern: Bericht wirft US-Präsident Betrug vor

Donald Trump betonte immer wieder, mit einem vergleichsweise kleinen Darlehen seines Vaters gestartet und daraus ein Vermögen erschaffen zu haben. Zweifel an dieser Darstellung gibt es schon lange – nun erhalten diese durch eine Recherche der New York Times neue Nahrung. Demnach verdankt Trump sein Vermögen vor allem der Steuervermeidung – und Betrug.

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US-Präsident Donald Trump wird beschuldigt, über teils illegale Geschäfte an sein Vermögen gekommen zu sein.
© MANDEL NGAN / AFP

Von Matthias Sauermann

Washington/New York – Spätestens seit seiner Kandidatur für das Präsidentenamt sind auch die Finanzen von US-Präsident Donald Trump ins Visier der Öffentlichkeit geraten – und seiner politischen Gegner. Auch, weil Trump sich selbst als genialer Unternehmer porträtierte, der sein Geschick auch für die USA einsetzen könne. Für viele war die vermeintliche Erfolgsstory von Trump wohl ein Mitgrund, dem Republikaner ihre Stimme zu geben.

Bereits während des Wahlkampfes brach Trump jedoch mit den Traditionen seiner Vorgänger. Während es unter Anwärtern für die US-Präsidentschaft üblich war, die Steuerunterlagen offen zu legen, weigerte sich Trump beharrlich, das zu tun. Kritiker fühlten sich darin bestätigt, dass der Präsident wohl etwas zu verbergen habe. Spekuliert wurde auch, ob die Geschäftsbeziehungen Trumps mit Russland enger seien als bislang bekannt.

Nun bringt eine ausführliche Recherche der New York Times etwas Licht in das Dunkel rund um das Vermögen von US-Präsident Donald Trump. Die Reporter hatten offenbar die Möglichkeit, eine Masse an vertraulichen Steuererklärungen und Finanzunterlagen Trumps zu untersuchen. Außerdem wurden zahlreiche Interviews mit ehemaligen Mitarbeitern geführt. Das Bild, das sich dabei laut der New York Times ergab, zeigt sich ganz anders als es Trump selbst bislang beschrieb.

Trump soll Vermögen durch Betrug vergrößert haben

Bislang beschrieb Trump seinen finanziellen Aufstieg kurz zusammengefasst immer so: Er habe eine Million Dollar als Darlehen von seinem Vater erhalten. Aus diesem Geld habe er durch unternehmerisches Geschick ein Imperium aufgebaut – mit Hotels, Casinos bis hin zu Fluglinien auf der ganzen Welt. Das Darlehen habe er seinem Vater gar zurückzahlen müssen – inklusive Zinsen.

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Die New York Times berichtet nun: Trump habe im Laufe seines Lebens nach heutigem Wert insgesamt 413 Millionen Dollar von seinem Vater erhalten. Im Alter von drei Jahren habe Trump jährlich 200.000 Dollar aus dem Vermögen seines Vaters erhalten. Mit acht Jahren war er bereits Millionär. Mit 17 habe er ein Appartmentgebäude mit 52 Einheiten teilweise in Besitz genommen. Nach dem Abschluss des Colleges habe er schließlich eine Million Dollar pro Jahr erhalten. Diese Summe habe sich jährlich gesteigert – bis hin zu fünf Millionen Dollar jährlich in seinen 40ern und 50ern.

Präsident Trump wirkte in den 1990ern an dubiosen Steuerschemata mit, einschließlich Fällen von glattem Betrug“
The New York Times

Dieses Geld sei auch deshalb in die Kassa gespült worden, weil Trump seinen Eltern dabei geholfen haben soll, Steuerzahlungen zu vermeiden. Dabei soll sich Trump „dubioser Steuerkonstrukte“ bedient haben. Teilweise soll „glatter Betrug“ im Spiel gewesen sein.

Trump soll demnach Scheingesellschaften gegründet haben, um Millionenzahlungen seiner Eltern zu verschleiern. Er habe seinem Vater geholfen, unrechtmäßig Steuern in Millionenhöhe zu entgehen. Außerdem habe er einen Weg gefunden, die Immobilien seiner Eltern dramatisch unterzubewerten (die Times schreibt von Hunderten Millionen Dollar), um weniger Steuern zu zahlen, als die Immobilien auf ihn und seine Geschwister überschrieben wurden.

Teilweise seien keine oder nur extrem geringe Schenkungssteuern bei der Übergabe von Gebäuden an die Kinder von Fred Trump geflossen. Teilweise fehle überhaupt ein Nachweis darüber, dass die Gebäude offiziell den Besitzer wechselten bzw. gekauft wurden – vielmehr sei das einfach an irgendeinem Punkt passiert.

52 statt 550 Millionen Dollar Steuern

Die Zeitung nennt auch konkrete Zahlen, in welcher Größenordnung sich die Steuervermeidung Trumps abgespielt haben soll. Ingesamt sei Trump von seinen Eltern eine Milliarde Dollar überschrieben worden. Nach dem Steuersatz von 55 Prozent würde das Steuern von 550 Millionen Dollar ergeben. Durch die Steuertricks hätten die Trumps jedoch nur 52,2 Millionen Dollar gezahlt – also magere fünf Prozent.

Dabei, so schreibt die Times explizit, habe es sich um viel mehr als das Ausnützen von rechtlichen Schlupflöchern gehandelt. Es zeige sich vielmehr „ein Muster von Täuschung und Verschleierung“.

Die renommierte US-Zeitung versuchte eigenen Angaben nach über Wochen vor der Veröffentlichung, Trump selbst zu den Vorwürfen zu befragen. Auf mehrmalige Nachfrage weigerte sich der US-Präsident offenbar, Angaben zu machen.

Trump-Anwalt: Vorwürfe zu „100 Prozent falsch“

Einen Tag, nachdem die Times eine detaillierte Aufschlüsselung der Untersuchungsergebnisse übermittelte, antwortete schließlich ein Anwalt Trumps. „Die Anschuldigungen der New York Times über Betrug und Steuervermeidung sind zu 100 Prozent falsch und hoch verleumderisch“, so Charles Harder. „Es gab weder Betrug noch Steuervermeidung von irgendwem. Die Fakten, auf welche die Times ihre falschen Anschuldigungen basiert, sind extrem inakkurat.“

Trump habe, so die Darstellung seines Anwaltes, nichts mit den Steuerpraktiken seiner Familie zu tun gehabt. Er habe diese Aufgaben delegiert. Die Angehörigen, die sich damit beschäftigt hätten, wären selbst in diesem Gebiet keine Experten und hätten auf Profis vertraut.

Behörden prüfen Vorwürfe

Dass Trump wegen der Vorwürfe vor Gericht muss, ist laut Experten unwahrscheinlich. Die Vorfälle lägen für ein strafrechtliches Verfahren zu lange zurück, schreibt die Times. Hingegen gäbe es keine zeitliche Beschränkung für Zivilklagen wegen Steuerbetrugs. Die Behörden kündigten bereits an, die Vorwürfe zu prüfen.


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