Friedensnobelpreis geht an Denis Mukwege und Nadia Murad

Die Jury für den Friedensnobelpreis ehrt zwei Menschenrechtler und ihren Kampf gegen Gewalt gegen Frauen.

Der kongolesische Arzt Denis Mukwege und die irakische Menschenrechtsaktivistin Nadia Murad.
© AFP (2)

Oslo - Den Friedensnobelpreis 2018 bekommen der kongolesische Arzt Denis Mukwege und die irakische Menschenrechtsaktivistin Nadia Murad. Die Menschenrechtler erhalten die Auszeichnung für ihre Bemühungen, die Anwendung von sexueller Gewalt als Kriegswaffe zu beenden, wie das norwegische Nobelkomitee am Freitag in Oslo erklärte. Beide hätten herausragend gegen diese Kriegsverbrechen gekämpft.

"Jeder von ihnen hat auf seine Weise dazu beigetragen, sexuelle Gewalt im Krieg besser sichtbar zu machen, sodass die Täter zur Rechenschaft gezogen werden können", erklärte das Komitee.

Mukwege habe sein Leben den Kriegsopfern gewidmet, die sexuell missbraucht wurden. Er kritisiere immer wieder die kongolesische Regierung und andere Länder, das nicht genug unternommen werde, um sexuelle Gewalt gegen Frauen als Form der Kriegsführung zu stoppen.

Der 63 Jahre alte Gynäkologe behandelt in seiner von Konflikten zerrissenen Heimat Kongo Tausende Opfer von Gruppenvergewaltigungen. Dafür gründete er 1999 das Panzi-Krankenhaus in Bukavu im instabilen Osten des Landes, wo er den Patienten auch psychologische, juristische und finanzielle Unterstützung anbietet. "Die Bedeutung von Doktor Mukweges engagierten und selbstlosen Bemühungen in diesem Bereich kann nicht genug betont werden", erklärte die Nobelpreis-Jury.

Die Nobelpreisträger im Portrait

Mukwege wurde von der Nachricht völlig überrascht: Die Jury erreichte ihn vor der Bekanntgabe nicht, der Arzt stand im Operationssaal, wie er der norwegischen Zeitung Verdens Gang später berichtete. Plötzlich habe es draußen Lärm gegeben, Leute seien hereingestürmt und hätten ihm die Nachricht überbracht. "Sie können sich vorstellen, wie glücklich ich bin", sagte er am Telefon, bevor die Verbindung abbrach.

Opfer von IS-Terroristen im Irak

Nadia Murad wurde selbst von IS-Kämpfern missbraucht und überlebte eine dreimonatige Gefangenschaft. Nach ihrer Flucht vor dem IS entschied sie sich, offen über das ihr zugefügte Leid zu sprechen. 2016 wurde sie im Alter von 23 Jahren UN-Sonderbotschafterin und macht auf die Qualen der IS-Opfer aufmerksam. Die heute 25-Jährige lebt in Deutschland. von dort aus setzt sie sich für die Strafverfolgung von IS-Verbrechen ein.

Experten hatten sich im Vorfeld schwer getan, einen Nobelpreisträger vorherzusagen. Kurz vor der Bekanntgabe waren die Namen von Mukwege und Murad aber immer höher gehandelt worden - auch als Würdigung für die #metoo-Bewegung gegen sexuelle Belästigung.

Mutiger Kampf gegen Kriegsverbrechen

Die Arbeit von Mukwege und Murad erfülle genau die Kriterien, die Alfred Nobel in seinem Testament für den Friedenspreis festgelegt habe, erklärte das Komitee. "Eine friedlichere Welt kann nur erreicht werden, wenn Frauen, ihre Grundrechte und Sicherheit im Krieg anerkannt und geschützt werden." Mukwege und Murad hätten ihre eigene Sicherheit gefährdet, indem sie mutig Kriegsverbrechen bekämpft und Gerechtigkeit für die Opfer gesucht hätten.

Die Jury hatte sich in diesem Jahr unter 331 Anwärtern entscheiden müssen - 216 Personen und 115 Organisationen waren für den Preis vorgeschlagen. Der mit umgerechnet etwa 860.000 Euro (neun Millionen schwedischen Kronen) dotierte Friedensnobelpreis wird am 10. Dezember, dem Todestag des Preisstifters und Dynamit-Erfinders Alfred Nobel, in Oslo verliehen.

Kurz "beeindruckt" von Persönlichkeit Murads

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) gratuliert Nadia Murad und Denis Mukwege zur Zuerkennung des diesjährigen Friedensnobelpreises. Murad habe der Kanzler "bereits persönlich kennenlernen" dürfen. Er sei "beeindruckt von ihrer Persönlichkeit", teilte der Kanzler am Freitag in einer Stellungnahme mit.

Treffen zwischen Murad und Kurz fanden laut der Mitteilung "unter anderem 2016 im Rahmen der UN-Generalversammlung in New York" statt. Unter österreichischem Vorsitz habe sie auch an der OSZE-Antiterrorismuskonferenz in Wien im Mai 2017 teilgenommen, um über ihre Erfahrungen zu sprechen. "Es ist erschütternd, wenn ich daran denke, welch unvorstellbares Leid sie unter den IS-Barbaren mitmachen musste. Umso wichtiger ist daher ihr unermüdliches Engagement gegen den IS und den Menschenhandel", so der Kanzler. (TT.com, dpa, APA)


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