Kämpfer gegen sexuelle Gewalt: Die Nobelpreisträger im Portrait

Die Jury für den Friedensnobelpreis greift ein hochaktuelles Thema auf: Tausende Frauen werden in Kriegsgebieten vergewaltigt und als Sex-Sklaven gehalten. Zwei Menschenrechtler riskieren im Kampf dagegen ihr Leben.

  • Artikel
  • Diskussion
Denis Mukwege gründete er 1999 das Panzi-Krankenhaus in Bukavu.
© AFP

Oslo – Für ihren Kampf gegen sexuelle Gewalt als Waffe im Krieg erhalten der kongolesischen Art Denis Mukwege und die irakische Menschenrechtsaktivistin Nadia Murad den Friedensnobelpreis 2018. Die beiden Menschenrechtler hätten sich in herausragender Weise gegen solche Kriegsverbrechen eingesetzt, erklärte das norwegische Nobelkomitee am Freitag in Oslo. Die Preisträger im Kurzporträt:

Arzt und Kämpfer gegen sexuelle Gewalt

Was Frauen durchmachen und wie sie verletzt werden können, wenn sie von einer Gruppe Männer vergewaltigt werden, ist unvorstellbar. Denis Mukwege hat es zu seiner Lebensaufgabe gemacht, diesen Frauen in seinem Heimatland Kongo zu helfen. Der 63-Jährige gilt als weltweit führender Experte für die Behandlung von Verletzungen durch Gruppenvergewaltigungen – und als Aktivist gegen sexuelle Gewalt. Nun wurde er mit dem Friedensnobelpreis geehrt.

Mukwege gründete 1999 das Panzi-Krankenhaus in Bukavu im Osten des Kongo. Während und nach eines Krieges, der Ende der 1990er und Anfang der 2000er herrschte, kamen immer mehr Opfer von sexueller Gewalt in seine Klinik. „Es war ein Alptraum“, erinnert er sich. Mehr als 50.000 Frauen haben er und sein Team schon behandelt.

Mukwege wurde 1955 als Sohn eines Pastors in Bukavu geboren. Er studierte in Burundi Medizin und lies sich später in Frankreich zum Gynäkologen ausbilden. Heute bemüht er sich zunehmend, nicht nur die physischen, sondern auch die psychischen Wunden der Opfer zu heilen. Als Menschenrechtler setzt er sich zudem auf politischer Ebene dafür ein, Vergewaltigungen als Kriegswaffe ein Ende zu setzten.

150 x Jahres-Vignette 2022 zu gewinnen

TT-ePaper gratis ausprobieren, der Gratiszeitraum endet nach 4 Wochen automatisch.

Das hätte Mukwege wohl fast das Leben gekostet. 2012 überfielen Bewaffnete sein Haus in Bukavu, ein Freund von ihm wurde dabei getötet. „Das war der schwierigste Moment in meinem Leben“, sagt er. Auch heute noch bestehen für ihn und sein Team große Gefahren. Im vergangenen Jahr wurde einKollege von Mukwege getötet. „Aber diesmal hab ich ein anderes Gefühl bekommen“, sagt er. „Ein Gefühl der Revolte. Wir müssen diesen Krieg beenden.“

Die Stimme der Jesidinnen

Sie ist eine zierliche, zerbrechlich wirkende Frau. Doch die junge Jesidin Nadia Murad zeigte sich hart und unnachgiebig im Kampf gegen die Versklavung ihrer Glaubensschwestern durch die Terrormiliz Islamischer Staat. Die 25-Jährige, die eine dreimonatige IS-Gefangenschaft überlebte, macht als Sonderbotschafterin der Vereinten Nationen auf die Qualen der IS-Opfer aufmerksam. An ihrer Seite: die Anwältin Amal Clooney, Ehefrau von Hollywoodstar George Clooney.

Nadia Murad wurde vom IS verschleppt und mit einem Jihadisten verheiratet. Die 25-jährige Yezidin wurde für ihren Einsatz gegen sexuelle Gewalt in Konflikten mit dem Friedensnobelpreis geehrt.
© AFP

Dass sie als Menschenrechtsaktivistin durch die Welt jettet, hätte sich die junge Frau mit den traurigen Augen und den langen dunklen Haaren vor wenigen Jahren nicht vorstellen können. Der Wunsch des Mädchens aus dem ländlichen Dorf Kocho in Nordirak war, nach der Schule einen Kosmetiksalon zu übernehmen. Doch Schergen des IS überfielen im August 2014 ihr Dorf im Sindschar-Gebiet und nahmen sie mit in die Großstadt Mossul. Murads Mutter und sechs Brüder waren bei dem Überfall umgebracht worden. Insgesamt töteten die IS-Terroristen mehr als 40 Mitglieder ihrer Familie.

Nadia Murad selbst wurde in Mossul auf einem Sklavenmarkt an einen Mann verkauft, der sie später an einen anderen weiterverkaufte. Diesem entfloh sie beim Kauf einer Burka. Eine Familie half ihr schließlich, ins kurdische Grenzgebiet zu kommen, wo sie in einem Flüchtlingslager nahe Dohuk Unterschlupf fand. Murad lebt heute in Baden-Württemberg, wo rund 1000 Jesidinnen aus dem Nordirak Schutz gefunden haben, und macht seit Jahren unermüdlich auf das Schicksal ihrer Leidensgenossinen aufmerksam. (dpa)


Kommentieren


Schlagworte