Frankfurter Börse
Frankfurt am Main (APA/dpa-AFX) - Die Angst vor steigenden Zinsen und einer schwächeren Konjunktur hat den deutschen Aktienmarkt auch am Don...
Frankfurt am Main (APA/dpa-AFX) - Die Angst vor steigenden Zinsen und einer schwächeren Konjunktur hat den deutschen Aktienmarkt auch am Donnerstag in Atem gehalten und schwer belastet. Hinzu kamen erneut schwache US-Börsen. Am Tag nach dem größten Kursrutsch seit mehreren Monaten büßte der DAX weitere 1,48 Prozent auf 11.539,35 Punkte ein. Damit konnte der Leitindex seine Verluste nur leicht eingrenzen. Im Tagestief hatte er 1,7 Prozent eingebüßt und war auf den tiefsten Stand seit Anfang Februar 2017 gesackt.
Martin Utschneider vom Bankhaus Donner & Reuschel sieht den DAX inzwischen im „Crash-Modus“. Der vor neun Jahren begonnene Aufwärtstrend sei gebrochen. Als Grund für die Talfahrt verweisen die Postbank-Experten auf den „Mix aus Handelsstreit, Sorgen um den Brexit, Italien und die Weltkonjunktur sowie die zunehmend stärker steigenden Zinsen. Technisch orientierte Analysten wie Utschneider taxieren nun das weitere Abwärtsrisiko im DAX mittelfristig auf 1.700 bis 1.800 Punkte. Damit würde die psychologisch wichtige Marke von 10.000 Zählern wieder in den Blick rücken.
Der Index der mittelgroßen Werte MDAX rutschte am Donnerstag um 1,43 Prozent auf 23.787,23 Punkte ab und auch in ganz Europa zeigten sich die Börsen im tiefroten Terrain: Der Euro-Stoxx-50 als Leitindex der Eurozone verlor 1,77 Prozent auf 3.209,19 Punkte. In Paris und London ging es um jeweils fast 2 Prozent abwärts. Unter Druck standen vor allem konjunkturabhängige Werte sowie die Banken- und Finanzbranche. In den USA gab der Wall-Street-Index Dow Jones Industrial zur selben Zeit um 0,6 Prozent nach. Die technologielastigen Nasdaq-Indizes sanken um 0,1 Prozent.
Unter den einzelnen Aktien am deutschen Markt ragten trotz der Gesamtmarktschwäche die Bayer-Aktien positiv heraus. Sie legten um etwas mehr als 3 Prozent zu. Eine Richterin in den USA sorgte für Hoffnung unter den Anlegern, dass der Agrarchemiekonzern im Glyphosat-Prozess möglicherweise geringer als bislang befürchtete Entschädigungen zählen könnte. Zudem wurde in Medien spekuliert, dass Bayer sein Geschäft mit Tiernahrung verkaufen könnte, was zum Schuldenabbau beitrüge.
Raketenartig schossen zudem die Papiere von Dialog Semiconductor im SDAX hoch, nachdem sich der Chiphersteller über seine künftige Geschäftsausrichtung geäußert und weitreichende Vereinbarungen mit Großkunde Apple bekannt gegeben hatte. Zeitweise betrug der Kursgewinn 34 Prozent, am Tagesende belief er sich immerhin noch auf satte 26,7 Prozent.
Spekulationen über einen Wechsel im Management von Ceconomy machten den Anlegern des Elektronikhändlers wieder etwas Mut. Die nach der jüngsten Gewinnwarnung um mehr als 20 Prozent auf ein Rekordtief gesackte Aktie legte um 6,6 Prozent zu. Großaktionär Freenet fordert inzwischen offen Konsequenzen. Am Freitag soll nach Informationen der Nachrichtenagentur Bloomberg der Aufsichtsrat vorzeitig zusammenkommen und Veränderungen im Management thematisiert werden. Als angezählt gilt vor allem Finanzvorstand Mark Frese. Ceconomy wollte dies nicht kommentieren.
~ ISIN DE0008469008 ~ APA480 2018-10-11/18:49