Festnahme auf der Nordkette: Im früheren Revier gewildert

Die Festnahme von Wilderern auf der Nordkette hat einen kuriosen Hintergrund: Ein Beschuldigter ist der frühere Jagdberechtigte, der mit der Stadt lange im Clinch lag.

Zwei Gämsen fielen den Wilderern Anfang Oktober im Karwendel zum Opfer. (Symbolfoto)
© Böhm

Von Thomas Hörmann

Innsbruck –Eigentlich war es ein normales Training. Ein Training, das den Nachwuchs-Fußballern der Innsbrucker Union aber noch länger in Erinnerung bleiben wird. Weil das Spielfeld am Fennerareal plötzlich zum Landeplatz für den Polizeihubschrauber wurde. Vor den Augen der Jungkicker stiegen schwer bewaffnete Cobra-Beamte mit zwei Männern in Handschellen aus dem Helikopter. Dann verschwand die Gruppe in Richtung Stadtpolizeikommando auf der anderen Straßenseite. Das vorläufige Ende eines Wilderer-Dramas, das am Abend des 5. Oktobers nicht nur am Fennerareal für Aufsehen sorgte. Und das eine ebenso lange wie kuriose Vorgeschichte hat. Denn bei einem Beschuldigten handelt es sich um den ehemaligen Jagdberechtigten, der im Streit mit der Stadt Innsbruck sein Revier aufgegeben hat.

Das bestätigt auch der zuständige Vizebürgermeister Franz Gruber: „Dieses Revier im Karwendel gehört der Stadt. Ungewöhnlich ist, dass es nicht verpachtet wird.“ Vielmehr vergibt die Stadtverwaltung Abschusspakete. Eines von damals zwei Paketen habe sich der jetzt als Wilderer beschuldigte Unternehmer aus Innsbruck über einen längeren Zeitraum gesichert, sagt Gruber. Doch die Partnerschaft zwischen dem Jagdkunden und dem Magistrat verlief nicht immer friktionslos. „Es gab zunehmend Auffassungsunterschiede und gegenseitige Vorhaltungen“, erinnert sich Gruber. Das sei auch im langen Schriftverkehr zwischen Jagdberechtigtem und dem Amt dokumentiert. „Ich habe versucht, die beiden Parteien zusammenzuführen, aber letztendlich ohne Erfolg“, so der stellvertretende Bürgermeister. Die Differenzen waren schließlich mit ein Grund, dass der Unternehmer sein Jagdrecht im Revier auf der Nordkette verlor. „Wir haben sein Abschusspaket nicht automatisch verlängert, sondern neu ausgeschrieben“, schildert Gruber: „Der bisherige Paketinhaber hätte sich wieder bewerben können.“ Das tat er aber nicht. Also erhielt ein anderer Interessent vor etwa einem Jahr den Zuschlag. Damit schien der Streit beendet.

Bis am 5. Oktober gegen 17 Uhr ein Anruf bei der Innsbrucker Polizei einging. Am anderen Ende der Mobilfunkverbindung der zweite Abschusspaket-Besitzer, der sich das Revier bis 2017 mit dem Innsbrucker Unternehmer geteilt hat. Der Jagdberechtigte meldete den Beamten zwei Wilderer in seinem Revier, die soeben zwei Gämsen erlegt haben. Der Auftakt für den spektakulären Polizeieinsatz, an dem neben dem Hubschrauber auch die Anti­terroreinheit Cobra beteiligt war. „Immerhin galt die Aktion zwei mit Gewehren bewaffneten Verdächtigen“, erklärt ein Polizist den Aufwand.

Die Fahndung aus der Luft endete mit einem schnellen Erfolg etwas östlich des Ha­felekars. Die Beamten konnten den ehemaligen Jagdberechtigten und einen Geschäftspartner aus Südtirol vorläufig festnehmen. Für die Verdächtigen war Leugnen zwecklos. Die Beamten fanden in den Rucksäcken der Männer nicht nur zwei Gamsköpfe und das Wildbret, sondern auch zwei zerlegte Langwaffen. Bei den Einvernehmen gab der Innsbrucker unumwunden zu, „einen Blödsinn“ gemacht zu haben. Von einem Racheakt gegenüber der Stadtverwaltung war angeblich nicht die Rede.

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Bei der Hausdurchsuchung fanden die Beamten weitere Schusswaffen, für deren Besitz der Unternehmer allerdings die Berechtigung hat. Ob das so bleibt, ist unklar – laut Strafamt der Polizei ist ein Waffenverbot keineswegs ausgeschlossen. Noch schwieriger ist die Situation für den Südtiroler. Der Mann wilderte mit einer in Jägerkreisen verpönten halb­automatischen Waffe. Das Problem: Um Gewehre dieses Typs außerhalb der eigenen vier Wände führen zu können, ist ein Waffenpass nötig. Und den soll der Beschuldigte nicht besitzen.

Vizebürgermeister Gruber geht davon aus, dass die beiden Geschäftspartner zum ersten Mal im Revier gewildert haben. „Es fällt im Normalfall auf, wenn plötzlich Tiere fehlen. Das war in dem Bereich seit Langem nicht der Fall.“ Nichtsdestotrotz kündigt der Vizestadtchef an, dass die Stadt gegenüber den Beschuldigten Schadenersatzansprüche für die erlegten Gämsen geltend machen wird.

Der Innsbrucker Unternehmer wollte auf Anfrage der TT keine Stellungnahme abgeben. Für die beiden Verdächtigen gilt die Unschuldsvermutung.


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