“Hoffen auf Abschreckung“: Südtirol führt DNA-Datenbank für Hunde ein

39.000 Hunde. Zwölf Tonnen Kot. Täglich. Der Südtiroler Landtag gab grünes Licht für die Einführung einer DNA-Datenbank für Hunde, um Häuferl-Sünder zu überführen.

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Von Judith Sam

Bozen –Der Herbst, was für eine schöne Jahreszeit. Die Südtiroler Spazierwege sind gesäumt von bunten Blättern, Kastanien – und Hundekot. „Damit sind wir schon beim Thema“, sagt der Bozner Landesrat Arnold Schuler. Zwölf Tonnen Exkremente sondern die rund 39.000 Südtiroler Hunde ab. Täglich. Und längst nicht jeder Halter packe „das Gackerl ins Sackerl“.

Weil die „Politik an der langen Leine“ – bestehend aus gutem Zureden und Gratis-Gassi-Sackerln – offenbar versagt hat, schlägt Schuler jetzt rigorose Töne an: „Der Antrag zu einer DNA-Datenbank für Hunde wurde mit 20 Ja- und drei Nein-Stimmen genehmigt.“ Anhand dieser sollen unbelehrbare Hundebesitzer überführt werden: „Die aktuelle Strafe, die je nach Gemeinde variiert, wird dann um 25 Euro angehoben. Mehr nicht. Wir hoffen nämlich auf die Abschreckung.“

Die wünscht sich auch so mancher Tiroler. Einer von ihnen ist Erich Hazibar, Abteilungsleiter des Innsbrucker Hofgartens: „Ich würde eine DNA-Datenbank auch bei uns begrüßen. Zwei Drittel der Hundebesitzer räumen zwar alles weg. Doch der Rest ist unbelehrbar. Leider.“

Mal sause der Hund trotz Leinenpflicht frei herum, setze sich in verdächtiger Pose, aber trotz Kotverdacht spazieren die Besitzer weiter: „Weil sie von vornherein nicht darauf achten oder zu angeregt plaudern.“ Andere würden ihrem Hund quasi in flagranti zusehen, sich umblicken, ob sie jemand ertappt hat, und unverrichteter Dinge weitergehen.

Sie darauf aufmerksam zu machen, sei sinnlos: „Sie leugnen meist, dass das ihr Hund war.“ Es sei auch keine Seltenheit, dass das „Hundegeschäft“ zwar in ein Sackerl gepackt wird, dieses dann aber nicht im Mülleimer, sondern in einer Hecke landet.

Beschwerden erzürnter hunde­loser Parkbesucher gebe es trotzdem nicht: „Die steigen offenbar nicht hinein, weil die Häuferl meist nicht am Weg liegen. Aber wenn ich mit meinen Kollegen den Hofgarten putze, haben wir immer wieder schmutzige Sohlen – wenn Sie wissen, was ich meine.“

Auch bei der zuständigen Landesrätin Patrizia Zoller-Frischauf gehen diesbezüglich keine Beschwerden ein: „Darum erscheint mir eine DNA-Datenbank für Hunde in Tirol weder sinnvoll noch notwendig.“ Wichtiger sei, die Hundebesitzer auf ihre Pflicht aufmerksam zu machen und weiterhin Behälter mit Sackerl­n aufzustellen.

Dem Tiroler Schafzuchtverband reicht das nicht. Bereits Ende 2017 schlug der Verband die Einführung einer DNA-Datenbank vor. Nicht nur der Optik der Spazierwege zulieb­e, sondern auch um zu verhindern, dass Schafe und Kühe Hundekot fressen. Durch diesen können sie Parasiten aufnehmen, die mitunter sogar zu Totgeburten führen.

In Südtirol soll all das spätestens 2019 ein Ende haben. „Kommenden Sonntag wählen die Südtiroler den neuen Landtag. Danach kümmern wir uns um die Details“, sagt Landesrat Schuler. Klar sei schon jetzt, dass das Tierschutzgesetz angepasst werden müsse, um eine Grundlage für die Datenbank zu schaffen. Welpen würde bereits bei der Registrierung eine Speichel- oder Haarprobe abgenommen. Das Registrieren koste derzeit 15 Euro, für die DNA-Probe würden 20 bis 25 Euro hinzukommen. Das klingt im ersten Moment nicht billig, man muss jedoch bedenken, dass in Südtirol keine Hundesteuer eingehoben wird. Besitzer älterer Hunde hätten maximal zwei Jahre Zeit, um beim Tierarzt eine DNA-Probe ihrer Tiere nehmen zu lassen.

Wie es um den Datenschutz steht, wer die liegengelassenen „Bio-Tretminen“ einsammeln und von ihnen einen Abstrich machen soll, müsse noch geklärt werden.

Die alternativen Ideen, all dem Herr zu werden, waren übrigens Hundeführerschein oder Hundesteuer. Doch der Südtiroler Landtag entschied, dass Ersterer für Rentner ein Problem sein könnte. Und in Form der Steuer für den Hund zu zahlen, ermuntere nachlässige Hundehalter nur zusätzlich, die tierischen Hinterlassenschaften liegenzulassen.

„Ich habe zu alldem einen Leitsatz“, erklärt Hofgarten-Abteilungsleiter Hazibar: „Der Hund kann nichts dafür!“


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