Naturschutz zieht gegen Moutainbikes den Kürzeren
Der Landesumweltanwalt hat Beschwerde gegen die naturschutzrechtliche Bewilligung eines Zillertaler Mountainbike-Wegs eingereicht. Er kreuzt ein Moor und ermöglicht Gülle-Düngung in unberührter Landschaft.
Von Angela Dähling
Fügenberg, Mayrhofen –Für Touristiker und Mountainbiker wäre es ein Traum. Für den Landesumweltanwalt Johannes Kostenzer wäre es ein Albtraum. Die Rede ist von einem geplanten Mountainbike-Weg, der von Hochfügen über das Sidanjoch in Schwendberg bis zur Rastkogelhütte reichen soll – durch unberührte alpine Landschaft, vorbei an Mooren, Weihern und Seen. Dafür soll der bestehende Wanderweg von der Rastkogelhütte zum Sidanjoch ausgebaut werden. „Das ist bereits ein genehmigter Singletrail, der auf maximal 1,5 m ausgebaut werden soll“, erklärt der Mayrhofner TVB-GF Andreas Lackner. Auf der Hochfügener Seite ist ein neuer Weg extra für die Radfahrer zum bestehenden Wanderweg der Plan. Die nötigen Verfahren dazu laufen bereits. Jetzt aber kommt ein Gerichtsverfahren dazu. Der Grund: Landesumweltanwalt Johannes Kostenzer hat Beschwerde gegen die von der Bezirkshauptmannschaft Schwaz erteilte naturschutzrechtliche Bewilligung eingebracht.
Kostenzer ortet ein mangelhaftes erstinstanzliches Verfahren, weil die Trassierung ein kleines Niedermoor mit geschützten Pflanzenarten mittig durchkreuzt. Zudem gehe aus dem Antrag und dem landwirtschaftlichen Gutachten hervor, dass der neue Weg auf Hochfügener Seite künftig zu Düngezwecken mit Gülle-Hochdruckfässern befahren wird und die technische Ausführung des Weges auf genau diese Nutzung abzielt. Flächendeckend würden durch die Düngung Lebensräume für geschützte Pflanzen- und Vogelarten zerstört, kritisiert Kostenzer. Allein deshalb wäre die Bewilligung zu versagen gewesen, meint er. Der geplante Wirtschaftsweg habe keine existenzsichernde Funktion für die betroffenen Bauern, die Almbewirtschaftung, die er grundsätzlich hier für vernünftig hält, sei auch ohne den Weg möglich, führt Kostenzer in seiner Beschwerde an. „Mir geht es hauptsächlich um das einmalig schöne Landschaftsbild, das durch den Weg ein völlig anderes wäre“, sagt Kostenzer.
Laut ihm ist das Landschaftsbild zwischen Sidanjoch und Pfundsalm durch eine drei Meter breite, traktorbefahrbare MTB-Route erheblich beeinträchtigt, zumal der bestehende Wanderweg dafür von der Jagdhütte Pfundsalm bis zum Sidanjoch planiert und geschottert werden soll.
Ausgestellt wurde die naturschutzrechtliche Bewilligung von Benjamin Hotter von der BH Schwaz. „Es stimmt, dass ein kleines Moor durchkreuzt wird. Der Weg sollte hier eigentlich über eine extrem steile Hangflanke verlaufen, was das Landschaftsbild erheblich beeinflusst hätte“, erklärt er. Durch die Verlegung durchs Moor trete der Weg nicht so in Erscheinung. „Große Moore, Weiher und Seen werden aber ausgespart“, betont Hotter. Was die Gülle anbelangt, sagt er: „Das ist eine indirekte Beeinträchtigung. Ich habe hier nur den Weg zu prüfen. Wie er genutzt werden kann, habe ich nicht zu beurteilen.“ Das sei allerdings anders, wenn sich der Weg im Natura-2000-Schutzgebiet befände. Da gelten strengere Regeln. „Es war auch eine Forderung der Grundbesitzer (Anm.: eine Agrargemeinschaft), dass der Weg mit Traktoren befahrbar ist, sonst hätten sie Nein zur MTB-Route gesagt“, erklärt Hotter weiter. Es sei sogar ein breiterer Weg zum Gipfel gefordert worden. „Das letzte Drittel haben wir aber nur auf 1,5 m genehmigt.“ Bei dem MTB-Weg, den die Tourismusverbände Mayrhofen-Hippach und der TVB Erste Ferienregion im Zillertal eingereicht haben, handele es sich um eine Mountainbike-Strecke mit überregionaler Bedeutung von insgesamt rund 74 km Länge. „Denn hier wird das Inntal ab Weerberg/Schwaz mit dem Zillertal verbunden und eine zwei Kilometer lange Lücke bei der Trans Alp geschlossen“, sagt Hotter. Die Trasse verbindet Hochfügen mit der Zillertaler Höhenstraße. Bis Tux kann dann durchgehend am Berg gefahren werden, statt wie bisher in Hochfügen ins Tal zu müssen. „Die Unterstützung für das Projekt reicht von sämtlichen TVB im Tal über den Planungsverband bis zur Tirol Werbung“, argumentiert Hotter. „Es war eine Werteentscheidung auf Basis sämtlicher Gutachten, wobei das öffentliche Interesse den Naturschutz überwog“, erklärt er. Nachsatz: „Hätte ich für die Natur entschieden, wäre vom Antragsteller eine Beschwerde gekommen.“
Johannes Kostenzer sagt, man habe sich das Gelände vor Ort genau angeschaut. „Denn wir machen nicht leichtfertig eine Beschwerde.“ Er sei nicht gegen MTB-Wege. Sie sollten aber in bereits erschlossenen Gebieten wie Skigebieten entstehen. „Bei dem Wegnetz, das im Zillertal verfügbar ist, ist es undenkbar, dass es keine alternative, naturschonendere Trassenführung gibt“, meint der Landesumweltanwalt. Der TVB-Obmann und der TVB-Geschäftsführer aus Fügen waren gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar.
Kommentare