Frankfurter Börse
Frankfurt am Main (APA/dpa-AFX) - Der deutsche Aktienmarkt hat zum Wochenauftakt einen neuen Erholungsversuch gestartet und ist deutlich ges...
Frankfurt am Main (APA/dpa-AFX) - Der deutsche Aktienmarkt hat zum Wochenauftakt einen neuen Erholungsversuch gestartet und ist deutlich gestiegen. Auslöser dafür war die Ankündigung von Bundeskanzlerin Angela Merkel, nach herben Verlusten ihrer Partei bei der Landtagswahl in Hessen den Parteivorsitz abzugeben und sich zum Ende der Wahlperiode 2021 aus der Politik zurückzuziehen.
Der DAX schloss am Montag mit einem Plus von 1,20 Prozent bei 11.335,48 Punkten, nachdem er in Reaktion auf die Merkel-Nachricht zwischenzeitlich um bis zu 2,2 Prozent angezogen hatte. In der vergangenen Woche war der deutsche Leitindex mit minus drei Prozent auf das tiefste Niveau seit Ende 2016 abgesackt. Für den MDAX, in dem die Aktien der mittelgroßen heimischen Unternehmen enthalten sind, ging es am Montag letztlich um 1,00 Prozent auf 23.713,40 Zähler nach oben.
„Die Aussicht auf ein Ende der Ära Merkel und eine wirtschaftsfreundliche Führung in der Union dürfte den DAX durchaus beflügeln“, sagte Marktexperte Daniel Saurenz vom Feingold Research. Zudem sollten die Anleger aus dem In- und Ausland die Kandidatur des marktliberalen Friedrich Merz für den Parteivorsitz begrüßen. „Der geordnete Übergang ist zudem ebenfalls positiv zu werten, da Europa angesichts der Probleme speziell in Italien Chaos nicht brauchen kann“, so Saurenz.
Jens Klatt, Vermögensverwalter bei JK Trading, bezeichnete das nahende Ende der Ära Merkel als befreiend für den Aktienmarkt und die Wirtschaft, verwies aber auf die alte Börsenweisheit, wonach politische Börsen kurze Beine haben. Dies bedeute, „dass die aktuellen Kursgewinne auch zügig wieder hergegeben werden können, allein schon deshalb, weil die instabile politische Lage in Deutschland das Gegenteil von dem ist, was der Aktienmarkt im Angesicht des Haushaltsstreits zwischen Brüssel und Rom, zähen Brexit-Verhandlungen und Handelskriegssorgen mit den USA gerade braucht“, so Klatt.
Aus Branchensicht war der Autosektor am Montag besonders stark gefragt. Die Aussicht auf Steuerentlastungen im wichtigen Absatzmarkt China gab den jüngst von Gewinnwarnungen in der Branche gebeutelten Autowerten Auftrieb. Volkswagen, Daimler und BMW legten um bis zu 4 Prozent zu. Die Papiere des Zulieferers Continental und des Halbleiterherstellers Infineon, dessen Geschäfte stark von der Autoindustrie abhängen, belegten mit Kursgewinnen von 5,5 beziehungsweise 6 Prozent gar die beiden vordersten Plätze im DAX.
Die ersten Geschäftsresultate deutscher Unternehmen zu Wochenbeginn stießen auf ein überwiegend positives Echo. Beim IT-Dienstleister Cancom konnten sich die Anteilseigner dank des Rekordumsatzes im dritten Quartal und des deutlichen operativen Gewinnanstiegs (Ebitda) über ein Kursplus von mehr als 7 Prozent freuen.
Gea-Papiere gewannen im MDAX um 1,8 Prozent. Der Maschinenbauer kämpft weiter mit der schwachen Entwicklung im Milchgeschäft und stellt sich deshalb auf ein herausforderndes Schlussquartal ein. Allerdings war der Aktienkurs schon zuletzt auf das niedrigste Niveau seit dem Frühjahr 2013 gesunken. Zudem sahen Analysten die endgültigen Quartalsergebnisse nach der jüngsten Senkung der Unternehmensziele etwas über den schon vorab veröffentlichten Eckdaten.
~ ISIN DE0008469008 ~ APA438 2018-10-29/18:21
Kommentare