Ein Thriller als „Eintopf“: Julia Roberts erste Serie „Homecoming“
Wien/London (APA) - Hitchcock, De Palma und Konsorten: Spricht Sam Esmail über Einflüsse für die neue Thrillerserie „Homecoming“, fallen die...
Wien/London (APA) - Hitchcock, De Palma und Konsorten: Spricht Sam Esmail über Einflüsse für die neue Thrillerserie „Homecoming“, fallen die großen Namen des Genres. Der „Mr. Robot“-Schöpfer setzt auf Spannung der alten Schule, was ihm auch gelingt. Wesentlichen Anteil daran hat Hollywoodstar Julia Roberts in ihrer ersten Serienrolle. „Es war klar, dass das funktionieren würde“, meinte sie über die Zusammenarbeit.
Wie einen „20 Jahre alten Freund“ habe sie Esmail wahrgenommen, als er auf die Oscarpreisträgerin mit dem Projekt zukam. Das Ergebnis der freundschaftlichen Verbundenheit ist ab 2. November bei Amazon Prime Video zu sehen und gefällt sich bereits in der ersten Episode als fesselnd und eigenwillig: Roberts mimt die Psychologin Heidi Bergman, die in einer US-Regierungseinrichtung Soldaten beim Wiedereintritt ins zivile Leben begleitet. Doch ist hinter diesen Mauern nicht alles so, wie es scheint - angefangen bei den traumatischen Erlebnissen, die Bergman zu Ohren kommen.
„Je mehr wir versuchen, darüber zu sprechen - was nicht einfach ist -, desto mehr erkenne ich, dass die Serie eigentlich wie ein Eintopf ist“, erzählte Roberts in London vor Journalisten anlässlich der Präsentation von „Homecoming“. „Man kann nicht eine Zutat herauspicken und danach fragen, was sie besonders macht. Es geht wirklich um das große Ganze. Erst dann erkennt man, was es so spannend macht: die Geschichte selbst, ihre zwei verschiedenen Charaktere und natürlich Sam.“ Roberts muss als Bergman nämlich doppelte Arbeit verrichten, ist der Erzählung doch eine zweite Ebene eingewoben, in der man die Ärztin vier Jahre nach ihrem Engagement begegnet - als zurückgezogen lebende Kellnerin.
Nicht alles dürfte also glatt laufen unter dem Banner „Homecoming“ - ganz im Unterschied zu den Dreharbeiten selbst. Diese seien zwar intensiv gewesen, aber: „Ich hatte nicht weniger Zeit, um mich vorzubereiten“, stellte Roberts einen Vergleich zu Kinoproduktionen auf. „Aber ich hatte viel weniger Zeit, um bei mir Zuhause zu kochen oder die Wäsche zu waschen“, ergänzte sie schmunzelnd. „Wenn am Abend meine Kinder ihre Hausaufgaben machten, musste ich meine erledigen. Und wenn sie dann fertig waren, war ich mit meinen Hausaufgaben immer noch nicht durch. Es war fast ein 24-Stunden-Job. Jeden Tag gab es neue Seiten, und mein Mann meinte, dass er mich noch nie so hart arbeiten gesehen hat. Aber es war wirklich eine Freude.“
Schon die Vorlage zur Serie, ein gleichnamiger Podcast von Eli Horowitz and Micah Bloomberg, war von Kritikern gefeiert worden. Nun wurde der Tonebene eine visuelle hinzugefügt, wobei Esmail die Rolle von Sound und Musik nicht unterbewerten möchte. „In dieser Hinsicht bin ich ein Nerd, Sound ist unglaublich wichtig - teils sogar wichtiger als die visuelle Seite. Es gibt einfach etwas Unterschwelliges, das du auf diese Weise einführen kannst. Eine Nuance, die direkt unter die Haut geht. Musik ist meiner Meinung nach wie eine Adrenalininjektion ins Herz, wenn es um die richtige Atmosphäre geht.“ Woraufhin Roberts einwarf: „Der richtige Sound ist wie roter Pfeffer für den Eintopf.“
Würze verleiht dem Grundsetting auch die Teilung der Handlung in zwei Zeitebenen - was für Roberts die Möglichkeit bereithielt, zwei verschiedene Variationen ihrer Figur auszuleben. „Ich glaube nicht, dass ich sie wirklich kenne. Es gab einige Dinge, über die ich mit Sam gesprochen habe. Er meinte dann nur: Wirklich? Es ist einfach eine Elastizität, die in den Köpfen beider Versionen ihrer Figur notwendig ist“, so die 50-Jährige. „Es ist ja nicht so, dass sie entweder nur das eine oder das andere macht. Ich musste wirklich flexibel bleiben, um für sie diese Entscheidungen zu treffen. Die Informationen, die sie bekommt, sind ja auch im steten Wandel begriffen. Es war also schon eine Herausforderung, das bis zum Ende der Show durchzuziehen.“
„Es ging uns auch nicht nur im eine Antwort“, sprang ihr Esmail zur Seite. „Das hat sich verändert, es hat sich gewandelt. Insofern war die Reise viel wichtiger als das Endergebnis. Wir mussten nicht an einem bestimmten Punkt ankommen, sondern wollten sie so realistisch wie möglich gestalten.“ Schon in der ersten Folge kann Roberts dabei zeigen, wie stark sich die zwei Heidis unterscheiden. Als Sparringpartner hat sie dafür auch Stephan James, der den jungen Soldaten Walter Cruz mimt, sowie einen hektischen Bobby Cannavale als Heidis Vorgesetzter Colin Belfast.
Und dann gab es noch die Treppen: „Ich musste so viele Stufen steigen für Sam“, lachte Roberts über ein von Esmail gern verwendetes inszenatorisches Mittel. In langen Einstellungen begleitet der Zuseher dabei die Figuren, die Räume und Fluren durchqueren, werden Nebenschauplätze aufgemacht und die Stimmung zusätzlich aufgeheizt. „Ich war sehr glücklich, es war ein tolles Umfeld. Ich glaube auch, dass du in so einer Situation sehr authentisch Spannung aufbauen kannst“, so Roberts. „Die Zusammenarbeit lief einfach so gut, dass du dich fallen lassen konntest und wirklich fokussiert warst.“ Eine höchst spannungsgeladene Thrillerserie mit Wohlfühlfaktor? Ja, nickte Esmail. „Die Serie ist zwar beunruhigend, aber alle waren gern am Set.“ Nun muss der Zuseher entscheiden, ob er in die Welt von „Homecoming“ hineinfindet.
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