Norwegischer Widerstandskämpfer Joachim Ronneberg beigesetzt

Alesund (APA/dpa) - Der norwegische Widerstandskämpfer Joachim Ronneberg ist am Dienstag mit einem Ehrenbegräbnis beigesetzt worden. Ronnebe...

Alesund (APA/dpa) - Der norwegische Widerstandskämpfer Joachim Ronneberg ist am Dienstag mit einem Ehrenbegräbnis beigesetzt worden. Ronneberg hatte während des Zweiten Weltkriegs dabei geholfen, die Atomforschung der Nationalsozialisten zu sabotieren. Sein bekanntester Einsatz war die Operation „Gunnerside“, die Zerstörung der Schwerwasserproduktion für das deutsche Atomprogramm im Februar 1943.

Zum letzten Geleit für den 99-jährig Verstorbenen kamen am Dienstag Norwegens Kronprinz Haakon, Vize-Regierungschefin Siv Jensen und Würdenträger aus Militär, Politik und Gesellschaft in die Hafenstadt Alesund. „Er mochte es nicht, Held genannt zu werden, doch genau das war er“, sagte Jensen während der Beisetzung.

Der 1919 in eine wohlhabende Kaufmannsfamilie geborene Joachim Holmboe Ronneberg floh nach der Besetzung Norwegens durch Nazi-Deutschland im Jahr 1941 nach Großbritannien. Hier schloss er sich der Kompanie Linge genannten Einheit norwegischer Freiwilliger in den britischen Special Forces an und wurde militärisch ausgebildet.

Im Februar 1943 führte er eine sechsköpfige Gruppe von Saboteuren an, die eine Anlage zu Herstellung von schwerem Wasser im südnorwegischen Vemork zerstörte. Anschließend setzte sich die Gruppe auf Skiern über mehrere hundert Kilometer und bei Temperaturen von bis zu minus 20 Grad ins neutrale Schweden ab.

Der Angriff auf Vemork störte die Atomforschung und möglicherweise auch das Atomwaffen-Programm des NS-Regimes enorm. Was er da zerstört hatte und welche Bedeutung Operation „Gunnerside“ hatte, sei ihm erst nach Kriegsende richtig klar geworden, erklärte Ronneberg später. Die legendäre Sabotageaktion wurde 1965 unter dem Namen „The Heroes of Telemark“ (dt. „Kennwort „Schweres Wasser““) mit Kirk Douglas und Richard Harris verfilmt.

Ronneberg machte sich nach Ende des Krieges als Radiojournalist für den staatlichen Rundfunk NRK einen Namen. Über seine Zeit im Widerstand wollte er lange nicht öffentlich sprechen. In den 1970er-Jahren änderte er seine Meinung und hielt seitdem Vorträge im In- und Ausland. „Es ist wichtig, dass wir alle wissen, was damals passierte“, sagte er 2015 in einer NRK-Dokumentation. „Wer heutzutage aufwächst, muss verstehen, dass wir jederzeit bereit sein müssen, für Frieden und Freiheit zu kämpfen.“