„Mütter“ und Muskelspiel: Eröffnungspremiere im Wiener Kosmos Theater

Wien (APA) - Alles beginnt mit der Mutter. Also lässt Angelika Steinböck, die neue Leiterin des Wiener Kosmos Theaters, ihre Direktion mit e...

Wien (APA) - Alles beginnt mit der Mutter. Also lässt Angelika Steinböck, die neue Leiterin des Wiener Kosmos Theaters, ihre Direktion mit einer Untersuchung des Mütterbegriffs beginnen und hat ihre Tochter Milena Michalek mit einer Stückentwicklung beauftragt. Der eineinhalbstündige Muttertag erwies sich bei der gestrigen Premiere als mitunter recht banale Themensammlung zwischen Lecture und Workshop.

„Mütter“ war als „eine ekstatisch-matriarchale Kosmologie“ angekündigt. Das ließ manches Esoterische befürchten und einiges an Augenzwinkern erhoffen. Beides löst sich im Verlauf des Abends ein. Drei Schauspielerinnen in Gymnastikanzügen (Claudia Kainberger, Anna Kramer und Alice Peterhans) haben sich anfangs in einem großen Loch im Bühnenbretterboden mit Bettzeug und „Deckmänteln“ gemütlich gemacht und beginnen mit einer ritualen Muttermythen-Beschwörung und Themenfindung: „Meine Mutter ist...“ Das ist manchmal sehr privat, manchmal ziemlich erwartbar und manchmal recht originell: „Meine Mutter macht alleine eine Paartherapie.“

Während sich das Thema dieser ersten Eigenproduktion der neuen Leitung bald von den eigenen Müttern zur realen, befürchteten oder erhofften Mutterrolle dreht („Ok, dann geht‘s halt mal ein paar Jahre nicht um mich...“), wird sehr viel geredet und manches theoretisch abgehandelt. Etwa: Können nur Frauen Mütter werden? Man einigt sich auf: „Alles hängt mit der Mutter zusammen.“

Ironischer Weise sorgen erst Männer für ein paar Überraschungsmomente im sonst ziemlich zähen Abend: Der Auftritt von Bodybuilder Daniel Jocic bringt Chippendale-Flair in die matriarchale Therapiestunde, die Brüder Karim, Marwan und Tarek Taelab bieten, in Saunahandtücher gewickelt, ebenfalls einige Schauwerte, sind jedoch bloß weitgehend stumme Spielfiguren, zu denen der Regisseurin erstaunlich wenig einfällt. Während die Referenzliste der Inspirationen aus Literatur, Film und Musik lang ist, sind die kreativen Funken, die daraus geschlagen werden, überschaubar.

In zwei Szenen wird es direkt, ehrlich und greifbar: Wenn eine erwachsene Tochter (Claudia Kainberger) an ihre alte Mutter (Alice Peterhans) appelliert, mehr auf sich zu schauen und sich nicht so gehen zu lassen, oder wenn eine Tochter (Kainberger) an der Seite ihrer schlafenden Mutter (Jocic) liebevoll über diese spricht, dann erzählt das in klassischen Theatersituationen mehr als in vielen, bemühten Assoziationsketten, die den Abend prägen. Was Nancy und Ronald Reagan etwa mit dem Thema zu tun haben, wissen die Götter wohl mehr als die Mütter.

Viel Applaus für eine Eröffnungspremiere, die angesichts unserer genderpolitisch nicht eben unbrisanten Gegenwart erstaunlich aus der Zeit gefallen wirkt.

(S E R V I C E - „Mütter. Eine ekstatisch-matriarchale Kosmologie“, Uraufführung, Regie: Milena Michalek, Text: Milena Michalek und Ensemble, Künstlerische Mitarbeit: Paula Thielecke, Bühne und Kostüm: Selina Traun und Mima Schwahn. Mit: Claudia Kainberger, Anna Kramer, Alice Peterhans sowie Daniel Jocic, Karim Taelab, Marwan Taelab, Tarek Taelab. Kosmos Theater, Wien 7, Siebensterngasse 42, Weitere Aufführungen: 31.10., 6.-10., 13.-16.11., Karten: 01 / 523 12 26, www.kosmostheater.at)

(B I L D A V I S O – Pressebilder stehen unter www.kosmostheater.at/presse zum Download bereit.)