Notenbankpräsident: Schweiz wäre von Handelskrieg besonders betroffen

Zürich/Bern (APA/Reuters/sda) - Der Präsident der Schweizerischen Nationalbank (SNB) warnt vor den Folgen eines internationalen Handelskrieg...

Zürich/Bern (APA/Reuters/sda) - Der Präsident der Schweizerischen Nationalbank (SNB) warnt vor den Folgen eines internationalen Handelskriegs für die Schweiz und den Wechselkurs des Frankens. „Die Schweiz als kleine offene Volkswirtschaft wäre von einem Handelskrieg ganz besonders betroffen“, sagte Thomas Jordan am Mittwochabend auf einer Veranstaltung laut Redetext.

Bisher habe sich die höhere Unsicherheit in Zusammenhang mit den Handelsstreitigkeiten nicht nachhaltig auf den Franken ausgewirkt. „Bei einem Handelskrieg könnte dies aber anders aussehen“, sagte er.

Wie sich der Franken in einem solchen Szenario entwickle, sei nur schwer absehbar, erklärte Jordan. „Würde der Franken in einem Handelskrieg als sicherer Hafen gesucht? Oder geriete er sogar unter Abwertungsdruck, weil unser Land als kleine offene Volkswirtschaft gegenüber einer heftigen Kontraktion des Welthandels besonders stark exponiert wäre?“ Eine Antwort darauf ließ er offen.

Die SNB ist an einem möglichst schwachen Franken interessiert, um die exportorientierte Wirtschaft des Landes zu stützen. In den vergangenen Jahren hat die Notenbank daher Hunderte Milliarden in Devisenmarktinterventionen investiert, um den Franken zu schwächen.

In seiner Rede vor der Volkswirtschaftlichen Gesellschaft des Kantons Bern brach der SNB-Präsident zudem eine Lanze für die zurzeit heftig attackierte WTO. „Das Rückgrat des internationalen Handels sollte nach wie vor das regelbasierte multilaterale System im Schoße der Welthandelsorganisation WTO bilden“, sagte er. Insbesondere die Schweiz als kleine offene Volkswirtschaft habe jedoch ein vitales Interesse daran, dass das multilaterale regelbasierte System der WTO funktioniert.

Sollten sich die Handelsstreitigkeiten zu einem „echten Handelskrieg“ ausweiten, würde das der SNB die Erfüllung ihres Mandats erschweren, sagte Jordan. Die in den letzten Monaten bereits eingeführten Zölle würden die Welt aber noch nicht in eine Rezession stürzen: „Solche Befürchtungen sind übertrieben.“ Auch der Internationale Währungsfonds gehe von einem soliden Wachstum des globalen BIP und des Welthandels aus. „Sollte die protektionistische Spirale aber weiterdrehen, so könnte die globale Expansionsphase abgewürgt und die Inflation angeheizt werden“, warnte Jordan.

Das stelle Notenbanken vor Herausforderungen. „Soll die Zentralbank in einer solchen Situation die Zinsen erhöhen, um die Inflation zu bekämpfen, oder soll sie die Zinsen senken, um die wirtschaftliche Aktivität anzukurbeln?“, fragte der Notenbankchef. Längerfristig könnte es für Zentralbanken schwieriger werden, mit dem zunehmenden Protektionismus ihre Geldpolitik zu steuern, weil sich bekannte makroökonomische Muster ändern könnten - etwa die Entwicklung der Preise oder die Kanäle für die Steuerung der Geldpolitik.

~ WEB http://www.snb.ch/de/ ~ APA468 2018-10-31/18:47