Hurch-Hommage - Gaston Solnicki: „Für mich war Hans unsterblich „ 1
Wien (APA) - Der argentinische Regisseur Gaston Solnicki legt mit „Introduzione all‘oscuro“ eine zutiefst persönliche Trauerarbeit vor, die ...
Wien (APA) - Der argentinische Regisseur Gaston Solnicki legt mit „Introduzione all‘oscuro“ eine zutiefst persönliche Trauerarbeit vor, die im Film liebevoll als „manischer Kummer“ für den „extravagantesten Freund“ beschrieben wird. Dieser Freund war Hans Hurch, Langzeitdirektor der Viennale, der im Vorjahr überraschend verstarb.
Viele Menschen, Solnickis Mutter miteingeschlossen, dachten, dass er und Hurch ein Liebespaar gewesen seien, aber da schmunzelt Solnicki während einer Fragerunde im Rahmen des New York Filmfestivals, wo der Regisseur sein Werk vor der morgigen Präsentation auf der Viennale präsentierte. Sie waren keines betont er, aber in seinem Tribut steckt viel Liebe. Der Film wurde von dem großen Soundmixer Bernhard Maisch („Toni Erdmann“) im Gartenbaukino gemischt. Mit der APA unterhielt sich der 40-jährige Argentinier über Hurchs „Gangster-Idee vom Kino“, den schmerzhaften Verlust seines Freundes, den hohen Stellenwert der Viennale und einen Uber-Fahrer in Südamerika namens Hans.
APA: Können Sie sich noch an Ihre erste Begegnung mit Hans Hurch erinnern?
Solnicki: Ich traf Hans zum ersten Mal in Wien bei der Viennale. Ich war dort mit meinem ersten Film „Süden“. Ich weiß, dass selbst berühmte Rockstars ihn sehr liebten, Künstler wie Patti Smith, Harry Belafonte und Jarvis Cocker bis hin zu Tilda Swinton und dem berühmten US-Komiker Will Ferrell. Hans lud Leute ein, die man auf bestimmten Festivals nicht erwarten würde, und sie wurden alle von seinem sehr schlauen Sinn für Humor verführt. Aber diese Leute hätten ihn nicht anerkannt, wenn sie nicht zur Viennale eingeladen worden wären. Im Gegensatz dazu war für Filmemacher wie mich, in der Arthauskinowelt, Hans eine sagenumwobene Figur mit seinem anarchischen Festival, das er sehr persönlich und sehr frei leitete, was sehr inspirierend war. Ein Festival ohne roten Teppich und ohne Wettbewerbe, von dem jeder Filmemacher in meinem Kosmos wirklich begeistert ist.
APA: Die Viennale ist kein Festival mit Wettbewerb wie Venedig und keines für die Filmindustrie wie Toronto. Was macht denn die Viennale zu einem der wichtigsten Festivals für Sie?
Solnicki: Es ist das wichtigste Festival. Nicht nur für mich.
APA: Und warum?
Solnicki: Wien ist vielleicht nicht das Zentrum der neuen Welt oder gar der alten Welt, aber doch im Bezug auf Kino, auf Arthausfilme, die auf der ganzen Welt gemacht werden, von jungen und etablierten Filmemachern, die das teilen, was Hans „Familienbande“ nannte, diese Art Gangster-Idee vom Kino. Für all diese Menschen hat Hans das Festival auf eine so schöne Weise geleitet. Sie kämpfen nicht um alberne Premieren, sondern sie kämpfen darum, bestimmte Filme zu unterstützen. Für mich und viele Leute, die ich kenne, ist nach Wien eingeladen zu werden, die größte Ehre. Hans wählte Filme auf eine sehr großzügige und persönliche Art und Weise aus. Premieren waren ihm egal. Wen interessiert es, wenn der Film in anderen Ländern gezeigt wurde? Das hat nichts mit Kino zu tun. Ich hoffe, dass die großartige Eva Sangiorgi diese Flamme am Leben erhalten und diese schöne Idee des Kinos verteidigen wird.
APA: Wo waren Sie denn, als Sie von Hans Hurchs erfuhren?
Solnicki: Ich war in Buenos Aires und erhielt einen Anruf von unserem gemeinsamen Freund Paolo Calamita. Es war ein Schock. Für mich war Hans unsterblich. Wir hatten etwa zehn Tage davor telefoniert. Das ist verrückt, weil wir nicht viel telefoniert haben. Er hat mir immer Postkarten geschickt, auf die ich nie geantwortet habe. Ich dachte immer, dass ich eines Tages einen Film machen würde als Antwort auf diese Postkarten. Nicht lange nach seinem Tod wurde ich eingeladen, an einem Tribut bei der Viennale teilzunehmen, und da kam mir die Idee, diesen Film zu machen. Ich hatte auch Träume mit ihm, die sehr stark waren. Und mir hat jemand gesagt, dass diese Träume von den Toten manchmal weniger Träume als vielmehr eine Verbindung sind. Diese Träume waren schön, emotional und lebendig, und ich begann zu fühlen, dass sein Tod etwas Natürliches war. Dass es nicht wirklich ein Unfall war, sondern dass es etwas war, das er wählte. Er ist gestorben wie er gelebt hat. Und irgendwie wurde die Idee, dass er nicht mehr lebte, zu etwas, das ich zu akzeptieren begann.
APA: Sie haben gesagt, dass Hans Hurch nicht auf tragische Weise in Erinnerung bleiben wollte.
Solnicki: Absolut. Das hat er zu mir gesagt, als ich ihn das letzte Mal gesehen habe in Argentinien. Es war der Jahrestag des Todes eines Bekannten. Hans war sehr gerührt, dass dieses Barbecue nicht furchtbar tragisch war. Er sagte, er verstand nicht, was gesagt wurde - er sprach kein Spanisch - aber er verstand die Dinge. Das war für mich ein klares Zeichen. Es war das letzte Mal, dass ich ihn sah und er sagte: „Denk nicht an mich auf tragische Weise, denk an mich auf eine Art und Weise, die lebendig ist“. Ich denke irgendwie hat der Film mir geholfen, auf diese Weise an ihn zu denken.
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