Innsbrucker „Teestube“ als sozialer Brennpunkt

Anrainer rund um die Einrichtung in der Innsbrucker Kapuzinergasse klagen weiter über massive Probleme mit oft alkoholisierten Klienten. Ein an diesem Standort geplanter „Wohnturm“ kommt laut BM Willi nicht.

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Im Umfeld der „Teestube“ in der Kapuzinergasse (großes Bild) kommt es immer wieder zu Konflikten, zuletzt hat die Polizei ihre Streifentätigkeit erhöht.
© Domanig

Von Michael Domanig

Innsbruck –Scharfe Kritik an weiterer Verdichtung, Verärgerung und Ängste rund um die „Teestube“ in der Kapuzinergasse: Bei einer Bürgerversammlung in der Messe Innsbruck wiesen rund 200 Bewohner aus Dreiheiligen/Saggen die Stadtführung auf drängende Probleme hin.

„Die Dichte im Bereich Kapuzinergasse und Bienerstraße ist bereits jetzt zu hoch“, mahnte Anrainer Jochen Fischer, viele ähnliche Wortmeldungen folgten. Drei große Wohnblöcke der Innsbrucker Immobiliengesellschaft (IIG) und WE (Wohnungseigentum) mit insgesamt 126 Wohnungen in der Bienerstraße wurden soeben übergeben. Und die Errichtung von rund 100 weiteren Wohnungen in nächster Nähe, nördlich des Zeughauses, durch die ARE (Austrian Real Estate) ist bereits fix. Südlich des Zeughauses entsteht dafür ein öffentlich zugänglicher Park.

Zu einem weiteren Vorhaben – der geplanten Aufstockung jenes Gebäudes, in dem sich die „Teestube“ des Vereins für Obdachlose befindet – konnte BM Georg Willi (Grüne) Neues vermelden: Die Stadt stehe in Gesprächen mit der Androschin-Stiftung, die hier günstige Starterwohnungen (u. a. auch für obdachlose Menschen) schaffen wolle. Ein ursprünglich angedachter Wohnturm mit Erdgeschoß plus sechs Stockwerken (als Überbauung des Bestandes) „ist gestorben, das kann ich garantieren“, versprach Willi. Man versuche nun, das Projekt „so zu entwickeln, dass es verträglich ist“. Laut Stadtplaner Wolfgang Andexlinger wären etwa zwei neu errichtete Baukörper (E+3) denkbar, „die weiter zur Straße vorrücken würden, so dass der Abstand zu den bestehenden Gebäuden größer wäre“. Hier sei man aber erst in der Konzeptphase, noch sei nichts fix.

Was viele Bewohner außerdem stört, ist die hohe Baudichte im Stadtteil – wobei noch weitere Projekte anstehen.
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Zweites großes Thema war die Sicherheit auf der Straße im Umkreis der „Teestube“: Mehrere Anrainer berichteten, dass ihre Kinder auf dem Schulweg von stark alkoholisierten Personen angesprochen oder verfolgt worden seien. Ihren Angaben zufolge habe es sich meist um Menschen mit Migrationshintergrund gehandelt. Zudem würden Klienten der „Teestube“ wiederholt ihre Notdurft in Gärten oder Kellern verrichten, schilderten empörte Bewohner.

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Stadtpolizeikommandant Martin Kirchler verwies auf den zuletzt „deutlich erhöhten Kontrolldruck“ rund um die „Teestube“ – ähnlich wie bei der „Mentlvilla“ in Wilten. Zugleich rief er besorgte Eltern eindringlich dazu auf, bei Vorkommnissen oder auch nur einem „unguten Gefühl“ verstärkt die Polizei anzurufen.

Vize-BM Franz X. Gruber (VP), zuständig für Sicherheit und Soziales, verwies darauf, dass die Parkbänke gegenüber der „Teestube“, wie von Anrainern schon im Sommer gefordert, nun entfernt wurden. Die Bänke, die stattdessen direkt vor der Einrichtung aufgestellt wurden, sollen nun als betreuter Aufenthaltsbereich („Sonnenplatzl“) eingefriedet werden, um Konflikte mit den Nachbarn zu entschärfen. Entlastung erhoffe man sich zudem von der Erweiterung der Caritas-Katharinastube am Rennweg und einem Projekt mit dem Stift Wilten. Generell wolle man für Obdachlose und Suchtkranke mehr Angebote über die Stadt verteilt schaffen, so Gruber. In den Tiefgaragen der neuen Wohnblöcke in der Bienerstraße wiederum werde ein privater Sicherheitsdienst installiert, da Obdachlose dorthin ausweichen könnten, berichtete er. Eine Lösung sei nur durch die Kombination von sicherheits- und sozialpolitischen Maßnahmen möglich.

Auch die Stadtteilkoordinatorin und Leiterin des neuen Stadtteilzentrums, Martina Konzett, solle vor Ort zu einem guten Klima beitragen, hofft BM Willi. Zur Frage der Sicherheit am Schulweg möchte Willi eine eigene Besprechung mit der Polizei. Vorstellbar sei etwa ein „Pedibus“-Modell, bei dem Erwachsene die Kinder auf dem Schulweg begleiten. Ein Alkoholverbot, wie von Anrainern gefordert, könne man prinzipiell diskutieren, so Willi und Gruber, es sei aber fraglich, ob das Problem dadurch nicht nur verlagert werde. Michael Hennermann vom Verein für Obdachlose verwies darauf, dass Alkoholkonsum bei vielen der Klienten zum Krankheitsbild gehöre. Für die engagierte Arbeit des Vereins gab es, abseits der Sicherheitsfrage, auch viel Lob.


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