Europas Banken bekommen Stresstest-Ergebnisse

Frankfurt (APA/Reuters/dpa/sda) - Zeugnistag für Europas Banken: Die Kreditinstitute erfahren heute, Freitag abends, wie sie beim jüngsten S...

Frankfurt (APA/Reuters/dpa/sda) - Zeugnistag für Europas Banken: Die Kreditinstitute erfahren heute, Freitag abends, wie sie beim jüngsten Stresstest der Aufseher abgeschnitten haben. Im Blickpunkt stehen einmal mehr die italienischen Häuser, die auch zehn Jahre nach Ausbruch der Finanzkrise immer noch auf einem riesigen Berg fauler Kredite sitzen.

Die Ergebnisse wollen die europäische Bankenaufsicht EBA und die Europäische Zentralbank (EZB) um 18.00 Uhr veröffentlichen.

Insgesamt wurden in den vergangenen Monaten 48 Banken aus 15 EU-Ländern und Norwegen unter die Lupe genommen. Sie mussten bei dem Fitnesscheck beweisen, dass sie auch bei einer schweren Rezession nicht umfallen und über ausreichende Kapitalpuffer verfügen. Aus Österreich wurden Erste Group und RBI geprüft.

Besonderes Augenmerk gilt den italienischen Banken. Sie haben nicht nur einen Berg an Problemkrediten in ihren Büchern, bei denen Kunden Schwierigkeiten mit der Rückzahlung haben. Zur Belastung könnten für die Institute angesichts des Schuldenkurses der italienischen Regierung auch ihre großen Bestände an Anleihen ihres Heimatlandes werden. Für Österreich interessant wird das Ergebnis der Bank-Austria-Muttergesellschaft UniCredit sein.

Aus Deutschland wurden acht Institute auf Herz und Nieren geprüft, darunter Deutsche Bank und Commerzbank. Von großem Interesse ist dieses Mal das Ergebnis der NordLB. Ihr Kapitalpuffer hat nach Informationen von Reuters bei der Belastungsprobe deutlich nachgegeben. Die Landesbank aus Hannover war mit der dünnsten Kapitaldecke von allen deutschen Banken in den Stresstest gegangen. Seit Monaten suchen die Träger - die Länder Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und diverse Sparkassen - nach Wegen, die Kapitalpolster der Bank zu stärken, auch mit Hilfe externer Investoren.

Formale Durchfaller wird es bei den Tests nicht geben. Denn wie beim europaweiten Stresstest 2016 haben die Aufseher keine standardisierten Kapitalquoten vorgegeben, die Banken erfüllen müssen. Es geht den Aufsehern mehr um einen Gesamteindruck von der Solidität der Geschäftsmodelle.

Schneiden Banken schlecht ab, können die Aufseher sie aber durchaus verpflichten, Kapitalpuffer zu verstärken. Denn die Ergebnisse fließen in die Bewertung der Institute durch die Aufseher ein: In dem Prozess legen die Behörden institutsspezifische Kapitalzuschläge fest und bestimmen unter anderem darüber, wie viel Geld Banken als Dividende an ihre Anteilseigner ausschütten dürfen.

Unumstritten sind die Tests nicht: Welche Risiken in den Szenarien wie stark gewichtet werden, liegt letztlich in der Hand der Aufseher.

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