„Mission Wahrheit“: Doku zur Arbeit der „New York Times“ unter Trump
Washington (APA/dpa) - Ein Jahr lang durfte Filmregisseurin Liz Garbus die „New York Times“ begleiten. Die Redaktion hat sich von einem Kame...
Washington (APA/dpa) - Ein Jahr lang durfte Filmregisseurin Liz Garbus die „New York Times“ begleiten. Die Redaktion hat sich von einem Kamerateam ein ganzes Jahr lang bei der Arbeit über die Schulter schauen lassen. Das Ergebnis, die Dokumentation „Mission Wahrheit - Die New York Times und Donald Trump“, wird am Dienstag (20.15 Uhr) beim Kulturkanal Arte zu sehen sein.
Es war kein gewöhnliches Jahr, das da mit der Kamera festgehalten wurde. Ganz und gar nicht. Für Korrespondenten in Washington war es das Jahr schlechthin ihres Berufslebens. Die erste Einstellung zeigt den Amtseid von US-Präsident Donald Trump. Dann gibt es kein Halten mehr.
Der Film zeigt etwa, wie Korrespondentin Maggie Haberman, einst Boulevardreporterin in New York und deshalb langjährige Trump-Kennerin, ins Innerste der fragilen Machtzentrale Weißes Haus vorzudringen vermag, wie sie vom Präsidenten selbst auf dem Handy angerufen wird. Wie sie aber auch mit Tränen in den Augen am Telefon hockt, ihr Kind tröstend, das zu Hause in New York auch an diesem Tag vergebens auf Mama wartet.
Der erzwungene Rücktritt von Sicherheitsberater Michael Flynn, der Rauswurf von FBI-Chef James Comey, der Start von Russland-Sonderermittler Robert Mueller - der Film der Oscar-nominierten Liz Garbus ruft eine ganze Kette von Großereignissen des ersten Amtsjahres von Donald Trump in Erinnerung. Die Reporter der „New York Times“ saßen immer in der ersten Reihe - oft mit tiefen Ringen unter den Augen.
Oft auch als Zielscheibe des Hasses, den Trump mit seiner Fake-News-Kamapagne gegen Reporter schürt. Der Film zeigt aber auch: Der Feldzug gegen die Medien ist nicht echt. Maggie Haberman beschreibt, wie eng die Beziehung Trumps zu seiner „Heimatzeitung“ „New York Times“ ist. Steve Bannon schreit Fake News, nur wenige Minuten, nachdem er nach einem Interview mit einem „Times“-Reporter gemeinsam aus dem Auto stieg.
Die dreieinhalb Stunden nehmen den Zuschauer mit in die Welt einer modernen Redaktion. „Times“-Büroleiterin Elisabeth Bumiller und ihre Leute warten nicht mehr auf das Anlaufen einer Rotationsmaschine. Sie laden sie fast in Echtzeit hoch, in Sekundenschnelle springen Fernsehsender und Social Media auf das Thema. Der Film ist manchmal ermüdend - nicht nur wegen der schwierigen Synchronisation in der deutschen Fassung (Originaltitel: „The Fourth Estate“ - „Die Vierte Gewalt“)“. Sie zeigen die Kleinarbeit, die die Reporter jeden Tag leisten, die Wände, gegen die sie laufen. Und auch die Pannen, die hin und wieder passieren.
Das Team um Bumiller gibt vom ersten Tag an Vollgas im Kampf um die Wahrheit. Schon in den ersten Stunden der Präsidentschaft Trumps sei klar geworden: „Wir haben hier einen Präsidenten, der kein Problem damit hat, nicht die Wahrheit zu sagen“, sagt „New-York-Times“-Chefredakteur Dean Baquet, der von der Zentrale in New York aus das Geschehen per täglicher Telefonkonferenz begleitet. Die „Times“-Konkurrenz „Washington Post“ führt eine Liste der Trump‘schen Unwahrheiten: Mehr als 6400 sind inzwischen zusammengekommen.
„Es gibt jetzt mehr Menschen, die die Wahrheit einfach nicht mehr glauben“, lautet das Fazit eines der Journalisten. Dennoch kämpfen sie darum, Tag für Tag. „Sind wir schon in der siebenten oder achten Runde? Oder sind wir erst in der dritten? Wir haben keine Ahnung, wie es ausgehen wird“, sagt Michael Schmidt (35), einer der Reporter des Blattes, der sich vor allem mit der Affäre um das Verhältnis zwischen Donald Trump und dem später gefeuerten FBI-Chef James Comey einen Namen gemacht hatte.
„Ich weiß, ich habe großes Glück“, sagt Schmidt über den Zufall, gerade während der Präsidentschaft Donald Trumps in Washington zu arbeiten. Die Nachrichtenredaktion der „New York Times“ gewinnt im ersten Amtsjahr Trumps drei Pulitzerpreise. „Hin und wieder brauchen wir einen Tag, an dem man den Kollegen und Kolleginnen sagt: Ihr habt Großes geleistet“, sagt Chefredakteur Baquet am Ende des Jahres. Er macht den Eindruck, als wisse er, wovon er spricht.
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