DJane Therese Terror: Auch Abfeiern ist politisch

DJane Therese Terror fordert dazu auf, Clubkultur neu zu denken.

Therese Terror gründete die Künstlerinnen-Plattform Femdex.
© Rußmann

Von Marianna Kastlunger

Innsbruck — Zugegeben: Ein Tanzclub mit Technomusik ist nicht der typischste Ort für sozialpolitische Bewusstseinsbildung. Doch näher betrachtet ist dieser genussfreudige Partykontext ebenso ein Teil der Gesellschaft, der unterschiedliche Probleme widerspiegelt, wie Diskriminierung, Belästigung, aber auch strukturelle Mängel: „Unter allen gebuchten Techno-Acts zwischen 2014 und 2016 waren nur 9,3 Prozent weiblich. Das ist echt wenig", sagt Therese Terror über die Wiener Clubszene.

Darum gründete die Musikerin und Kuratorin mit anderen Mitstreiterinnen die Plattform Femdex, wo bislang über 500 weibliche Acts gelistet sind. Und somit beweisen, dass Frauen sehr wohl im Technofeld agieren. Dieses und noch weitere Themen wurden am vergangenen Freitag bei „Re­claim your Club" in der p.m.k. diskutiert. Initiiert wurde die Veranstaltung vom Verein contrapunkt, der im Rahmen der Innsbrucker stadt_potenziale gefördert wird. Für 2019 sind noch drei weitere Veranstaltungen geplant.

Nach dem theoretischen Input fand in der p.m.k. auch gleich die praktische Umsetzung eines anders gedachten Club- und Kulturraums statt, und zwar mit einem Set von Therese Terror und der dänischen Künstlerin SØS Gunve­r Ryberg. Anders gedacht ist der Reclaim-Kulturraum auch deshalb, weil die Regeln von vornherein klar kommuniziert werden: Hier sind alle Menschen willkommen, egal wie sie aussehen, aber alle müssen die Grenzen anderer respektieren oder man fliegt raus.

Die Veranstaltung ist zudem nicht profitorientiert, es gibt keine Gästelisten, aber weibliches Security-Personal und Safer-Clubbing-Konzepte. „An solchen Orten ist die Stimmung anders, positiv, frei", weiß Therese Terror aus Erfahrung als Mitveranstalterin von „Utopia 3000" oder als Kuratorin des „Electric Spring Festival", die oben genannte Prinzipien mittragen.

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Auch dass sie mit ihren Themen stark polarisiert, weiß die Wienerin genau. Ihre Arbeit wird entweder äußerst positiv oder äußerst negativ aufgenommen: „Dabei möchte ich so inklusiv wie möglich sein. Aber dafür braucht es noch mehr, vor allem eine neue Art, miteinander zu reden."


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