56. Viennale - „Wie eine Dimension, die dazu kommt“: Der Eventmanager

Wien (APA) - Nicht nur Kinosäle vibrieren während der Viennale: Das Wiener Filmfestival wartet neben cineastischen Höhepunkten mit etlichen ...

Wien (APA) - Nicht nur Kinosäle vibrieren während der Viennale: Das Wiener Filmfestival wartet neben cineastischen Höhepunkten mit etlichen Partys, Konzerten und Events auf. Seit rund acht Jahren federführend dafür verantwortlich ist Holger Hörtnagl. „Das Interessante ist die Ausnahmesituation“, erzählt er. „Zwei Wochen wird die ganze Stadt in den Kinos bespielt, und am Abend versuchen wir das fortzuführen.“

Er selbst sei in das Engagement gewissermaßen „hineingerutscht“, wie Hörtnagl der APA erzählt. Als DJ war er schon vorher tätig, seitdem ist die Facette des Eventmanagers hinzugekommen - wohl gemerkt nicht nur für das Filmtreiben Ende Oktober und Anfang November. Musikalische Schmankerl, ein zwangloses Zusammenkommen, der Austausch von Filmfans: Als das bietet das Festivalzentrum in der Kunsthalle auch heuer. „Für mich ist es wie eine Dimension, die dazu kommt und das verlängert“, sieht Hörtnagl eine Erweiterung des filmischen Angebots.

„Vielleicht erreichen wir da auch Leute, die nicht unbedingt ins Kino gehen oder ein jüngeres Publikum. Von der Programmierung her gibt es mir die Möglichkeit, total facettenreich zu sein - genau wie das Filmprogramm. Man kann an 14 Tagen hintereinander ja nicht immer dasselbe machen“, betont der Eventmanager. „Gerade heuer war die erste Woche so unterschiedlich von der Musikrichtung her, aber auch von den Leuten, die da waren. Das finde ich bemerkenswert.“ Indie trifft Electro trifft Rock trifft orientalische Klänge - ein No-Go scheint es im Festivalzentrum ohnehin nicht zu geben.

Neu ist für Hörtnagl jedenfalls die Zusammenarbeit mit Viennale-Leiterin Eva Sangiorgi. „Das ist natürlich ein ganz anderes Arbeiten“, gibt er zu verstehen und fügt lachend hinzu: „Eva ist ja jünger als ich. Sie ist auf Facebook, ist mitten in meiner Szene drin und hat auch Sachen vorgeschlagen, immerhin hat sie Kontakte. Dass mehr Austausch stattfindet, ist neu, macht es aber auch super interessant. Es ist ja immer der Wunsch da, so nah wie möglich ans Filmprogramm ranzukommen. Das ist aber unfassbar schwierig.“

So könne man zwar meinen, dass einige Dinge „aufgelegt“ sind, aber in der Praxis stelle sich das dann anders da. „Heuer gibt es eine M.I.A.-Doku im Programm, aber natürlich bekomme ich die nicht nach Wien - so viel Budget habe ich nicht“, erzählt Hörtnagl. Was aber nicht bedeute, dass man sich nicht um große Namen bemüht. „Der Wunsch und der Versuch sind da, manchmal gelingt es, manchmal nicht.“ Ohnehin gebe es reichlich Filmgäste, die zwischen Interviewmarathon, Filmvorführung und Abendessen im Festivalzentrum vorbei schauen. „Manche sind sogar jeden Tag da“, so Hörtnagl.

Was man als Besucher des Festivalzentrums jedenfalls nicht sieht, ist die viele Arbeit, die in Organisation, Aufbau und Betreuung gesteckt wird. „Das sollen die Leute aber auch nicht mitbekommen“, betont Hörtnagl. Er selbst kann sich in den zwei Wochen der Viennale - und auch davor - jedenfalls nicht über mangelnde Beschäftigung beklagen. Locations müssen hergerichtet, Gäste umsorgt, Bookings durchgeführt werden. Erstmals ist das Team zudem selbst für die Gastronomie zuständig - Hörtnagl zufolge ein wichtiger Aspekt, um knappen Budgets im Eventbereich entgegenzuwirken. Das führt aber auch zu oft langen Nächten. „Nur weil hier zu ist, bedeutet das ja nicht, dass unsere Arbeit schon beendet ist.“

Eine knappe Woche können sich Interessierte jedenfalls noch vom Angebot des Festivalzentrums - etwa den unter Sangiorgi neu eingeführten „Aperitivi“ oder der Abschlussparty mit Electric Indigo und Klara am Donnerstag - überzeugen. Und vielleicht erblickt man ja das eine oder andere bekannte Gesicht, das kurz zuvor noch über die Leinwand flimmerte.

(Das Gespräch führte Christoph Griessner/APA)

(S E R V I C E - www.viennale.at)