Ungewöhnliche Musikpremiere in Linz: „Zwei Opern zum Preis von einer“

Linz (APA) - Mit der neuen Inszenierung der Oper „La Clemenza di Tito“ (Die Gnade des Titus) präsentiert das Landestheater Linz ein ungewöhn...

Linz (APA) - Mit der neuen Inszenierung der Oper „La Clemenza di Tito“ (Die Gnade des Titus) präsentiert das Landestheater Linz ein ungewöhnliches Projekt: Als Komponist wird neben Wolfgang Amadeus Mozart gleichrangig der deutsche Komponist Manfred Trojahn (Jahrgang 1949) angeführt. Die Premiere am Allerseelentag im Musiktheater wurde vom Publikum positiv aufgenommen, es gab mehr als freundlichen Beifall.

Trojahn hat die zahlreichen Rezitative des Werks über den römischen Kaiser neu komponiert, was das Linzer Musiktheater gar zum Werbegag geführt hat, man bekomme damit „zwei Opern zum Preis von einer“. Seine Fassung des „Titus“ entstand bereits 2002, wurde jedoch in Österreich bisher noch nicht aufgeführt. Während in den ursprünglichen - auch nicht von Mozart stammenden - Rezitativen nur das Cembalo die Solisten begleitet, setzt Trojahn das gesamte Mozart-Instrumentarium ein. Dazu charakterisiert er einzelne Personen der Handlung durch die Zuordnung von Instrumenten, vornehmlich aus dem Bläser-Bereich.

Für das Orchester, aber auch für die Gesangssolisten sind die raschen Wechsel vom Mozart-Stil zu heutigen Klängen durchaus herausfordernd. Unter der musikalischen Leitung von Martin Braun zeigte das Bruckner Orchester Linz seine sowohl für Mozart als auch für Trojahn perfekte Zuständigkeit, wobei etwa namentlich die Klarinettistin Kathrin Moser hervorzuheben ist. Für das Publikum sind die neuen Klangfarben durchaus hörenswert und erhöhen die Aufmerksamkeit.

Die Inszenierung von Francois De Carpentries fügt in Zusammenarbeit mit der Bühnen- und Kostümbildnerin Karine Van Hercke den Zeitschichten der Antike - die Handlung spielt im Jahr 79 n. Chr. - jene des Barocks und der Klassik bis in die digitale Welt des 21. Jahrhunderts hinzu. Da reicht dann die Bandbreite der Regie-Ideen von der tänzerischen Welt der Commedia del arte schließlich bis zur etwas übertrieben eingesetzten und knapp am Lächerlichen vorbeischrammenden digitalen Brandbekämpfung im kaiserlichen Palast. Optisch eindrucksvoll dominieren mächtige antike Säulen die Bühne und verändern sich bei Bedarf zu intimen Räumen. Augenfällig sind dabei in Bildern die Bezüge zur Antike, genauso wie zum Barock und auch in Videos zu heutigen Lebenswelten.

Die sechs Solisten überzeugen ohne Einschränkungen darstellerisch und auch stimmlich. Wobei trotz des Titels der Oper die Damen den Ton angeben: Jessica Eccleston als Sesto, Brigitte Geller als Vitellia und Florence Losseau als Annio gestalten die ihnen von Mozart zugedachten großen Arien mit Bravour. Hans Schöpflin als römischer Kaiser Tito Vespasiano gibt mit heldisch gefärbtem Tenor den „gütigen“ und verzeihenden Titelhelden, wobei seine raumgreifenden Aktivitäten bis hin zu Trump-Gehabe dann doch etwas überzogen erscheinen. Schlussendlich finden die Paare - zu denen auch die agile Theresa Grabner als Servilia gehört - zusammen und Tito verzichtet auf privates Glück, um sich ganz seinem Volk zu widmen. In den Stimmen des Chores des Landestheaters Linz (Einstudierung Elena Pierini) runden die Damen und Herren den positiven Gesamteindruck ab.

(S E R V I C E - „La Clemenza di Tito“, Oper von Wolfgang Amadeus Mozart, Regie: Francois De Carpentries, Musikalische Leitung: Martin Braun. Mit u.a. Hans Schöpflin (Tito), Brigitte Geller (Vitellia), Theresa Grabner (Servilia). Musiktheater Linz, Großer Saal, 19.30 Uhr, weitere Aufführungen: 7., 9., 17. und 23. November; 1., 15. und 17. Dezember 2018. www.landestheater-linz.at)