Salzburger Winterfest: Jubel für marokkanische Akrobaten

Salzburg (APA) - Das Salzburger Winterfest setzt heuer einen lauten Kontrapunkt zu den allerorts stattfindenden Stille-Nacht-Jubiläumsaktivi...

Salzburg (APA) - Das Salzburger Winterfest setzt heuer einen lauten Kontrapunkt zu den allerorts stattfindenden Stille-Nacht-Jubiläumsaktivitäten. So laut und rasant ist es im Zirkuszelt im Volksgarten bisher selten gewesen: Am Donnerstagabend feierte das diesjährige Festival mit der Groupe Acrobatique de Tanger eine umjubelte Premiere.

Akrobatik hat in Marokko eine lange Tradition. Waghalsige Menschenpyramiden wurden schon im 15. Jahrhundert eingesetzt, um im Krieg über Mauern zu schauen oder um Karawanen vor Dieben zu schützen. Das Wissen um diese Körperkunst, die scheinbar jenseits aller Gesetze der Schwerkraft zu liegen scheint, wurde in Marokko in Akrobatenfamilien von Generation zu Generation weitergegeben. Sana El Kamouni, die Leiterin der Groupe Acrobatique de Tanger, hat vor 15 Jahren an diese Traditionen angeknüpft und sie in zeitgenössische Zirkuskunst übersetzt.

Das Stück „Halka“ bringt einen Hauch von Orient in das Zirkuszelt nach Salzburg. Es erzählt keine durchgängige Geschichte, vielmehr setzen die Akrobaten im rasanten Wechsel Szenen aneinander. Friedliches Beisammensein wechselt mit explosiver Rivalität, aus Spaß wird im nächsten Moment eine ernste Auseinandersetzung. Die einzelnen Bilder könnten Miniaturen aus einem arabischen Dorf sein. Junge Burschen, die sich gegenseitig aufstacheln und ihre Körperkraft messen. Rivalitäten um schöne Frauen oder um die Wortführerschaft bei Diskussionen.

In unglaublicher Geschwindigkeit schlagen die Akrobaten Räder und Salti, das Auge kann ihren Bewegungen kaum folgen. Große rote Blechwannen, die normalerweise als Waschschüsseln dienen, werden am Kopf balanciert oder dienen kurzerhand als Musikinstrumente, auf denen die Truppe einen rasanten Rhythmus steppt. Am spektakulärsten sind die bis zu vier „Stockwerke“ hohen Menschenpyramiden, die in faszinierender Leichtigkeit entstehen. Die muskulösen Körper scheinen leicht wie Federn zu sein. Dazu gibt es eine Mischung aus traditioneller Berbermusik, Gesang und elektronisch unterstützten Eigenkompositionen, die zum Mitklatschen und Mitstampfen einlädt.

Poetische Szenen, wie sie für den französisch geprägten neuen Zirkus typisch sind, haben in dem Stück Seltenheitswert. Es dominieren perfekte Körpertechnik, Schnelligkeit und laute Rhythmik, die fast an die Schmerzgrenze geht. Das Salzburger Winterfest öffnet wie schon so oft einen Blick in eine überraschend neue Zirkuswelt.

(S E R V I C E - Groupe Acrobatique de Tanger mit „Halka“ beim Salzburger Winterfest, 29. November 2018 bis 6. Jänner 2019, Volksgarten Salzburg; Aufführungen von „Halka“ gibt es am 30. November und am 1., 2., 4., 5., 6., 7., 8., 11., 12., 13., 14. und 15. Dezember; www.winterfest.at)