Mutter von IS-Mädchen will die Republik Österreich verklagen

Im Jahr 2014 floh die damals 15-jährige Sabina S. mit ihrer Freundin von Österreich nach Syrien, um sich dort mit Kämpfern des IS (Daesh) zu verheiraten. Sabinas Mutter wirft der Republik Österreich Untätigkeit vor.

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Seit ihrer Ausreise nach Syrien wurden die beiden Wienerinnen von Interpol gesucht.
© APA/Interpol

Wien – Vier Jahre ist es jetzt her, dass Senada S. ihre Tochter Sabina an den IS (Daesh) verlor. Und an diesem Verlust gibt die Wienerin auch der Republik Österreich die Schuld. Laut einem Bericht der Presse wirft Senada S. der Grenzpolizei Untätigkeit vor: Die Ausreise ihrer minderjährigen Tochter hätte nämlich ohne Zustimmung eines Erziehungsberechtigten gar nie stattfinden dürfen, so der Anwalt der Frau. Die Republik sieht das naturgemäß anders, Minderjährigen sei nicht verboten, freiwillig das Land zu verlassen, hieß es. Da die Lage nicht ganz eindeutig ist, wird es wohl am Obersten Gerichtshof liegen, hier ein wegweisendes Urteil zu fällen.

Abschiedsbrief für Familien

Der Fall der beiden Wienerinnen, die sich dem IS anschlossen, bewegte 2014 das ganze Land. Gemeinsam mir ihrer Freundin Samra reiste die damals 15-Jährige Sabina S. in einer Nacht- und Nebelaktion über die Türkei nach Syrien. Im Internet hatte sie einen Kämpfer der Terrororganisation kennen gelernt, für ihn konvertierte sie zum Islam und ließ sich schließlich gemeinsam mit ihrer um ein Jahr älteren Freundin auf die gefährliche Reise ins Kriegsgebiet ein. Den Familien in der Heimat blieb nur ein Abschiedsbrief.

Was seither geschah, ist nicht genau bekannt. Von Zeit zu Zeit meldet sich Sabina bei ihrer Mutter, sporadisch. Erzählt, dass es ihr gut geht und die Mutter sich keine Sorgen machen soll. Von Samra hingegen gibt es keine Lebenszeichen, seit sie im April 2014 von Andana in der Türkei über die türkische Grenze gefahren ist. Immer wieder gab es Hinweise darauf, dass die Wienerin mit bosnischen Wurzeln getötet wurde, Beweise dafür liegen aber bis heute keine vor.

Sabina soll weiterhin in Syrien sein, nähere Informationen dazu hat ihre Mutter nicht. Sie hofft, dass sie ihr Kind eines Tages wieder in die Arme schließen kann. Nach dem spektakulären Fall wurde das Gesetz zur Ausreise von Kindern mittlerweile etwas nachgebessert. Grenzpolizisten können demnach die Ausreise von Minderjährigen verhindern, wenn sie begründete Zweifel daran haben, dass dies im Sinne der Sorgeberechtigten ist oder wenn sie annehmen, dass die Minderjährigen an Kampfhandlungen im Ausland beteiligt sein könnten.

Austro-Terrorist offenbar getötet

Über ein anderes Schicksal bei der Terrororganisation IS gibt es jetzt aber offenbar doch Aufschluss: Der Österreicher Mohamed M., dem die Staatsanwaltschaft Wien neunfachen Mord vorwirft, dürfte laut einem Bericht des Kurier tot sein. Auf Seiten der Jihadisten wurden entsprechende Fotos veröffentlicht. Auch Mohamed M. soll sich im Jahr 2014 nach Syrien begeben haben. Zuletzt saß er offenbar in einem IS-Gefängnis ein.

Mohamed M. war in Österreich bekannt geworden, als er Propaganda-Videos für Al-Kaida drehte und mit einem Anschlag bei der Fußball-EM drohte. Nach seiner Haft zog er nach Deutschland, wo er mit dem Rapper und berüchtigten Terroristen Denis Cuspert alias Deso Dogg gemeinsame Sache machte. In Syrien soll der Austro-Terrorist für die Propaganda beim IS zuständig gewesen sein. Ihm wird aber auch die Ermordung mehrerer Soldaten vorgeworfen. (TT.com)


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