Wichtiger denn je: Turmbauen zum Sprechenlernen

Viele Menschen leiden unter Sprach- oder Hörstörungen. Die HSS-Klinik behandelt diese seit 50 Jahren.

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Die Feinmotorik ist wichtig für die Sprachentwicklung.
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Von Evelin Stark

Innsbruck –Lego spielen und Baukästen als Therapie: Klingt nach Psychologie? Ist es aber nicht. „Sprachentwicklung und motorische Fähigkeiten sind eng miteinander verknüpft“, sagt Patrick Zorowk­a, Direktor der Innsbrucker Universitätsklinik für Hör-, Stimm- und Sprachstörungen (HSS), die heuer 50-Jahr-Jubiläum feiert.

Kinder würden heutzutage häufig zu viel Zeit vor dem Bildschirm verbringen. „Sprache entwickelt sich aber nur angemessen durch direkte Interaktion und lautsprachliche Kommunikation. Eine allseitige Förderung der Bewegung ist hierbei sehr wichtig“, so Zorowka. Die Feinmotorik sei beim Menschen nämlich sowohl für die Fingerfertigkeit als auch die korrekte Lautbildung zuständig, während die Grobmotorik durch sportliche Aktivitäten für die Allgemein- und Sprachentwicklung wichtig sei.

Deshalb würden von der HSS nicht selten Fördermaßnahmen durch Ergotherapeuten und Logopäden veranlasst – angefangen vom Turmbauen über Basteln mit Kastanien und Scherenschnitten bis hin zum Mikado-Spiel.

1968 wurde der erste euro­päische Lehrstuhl für Phoni­atrie (Stimm- und Sprachheilkunde) – ein Zusatzgebiet zum HNO-Facharzt – und Audiologie (Abklärung von Funktion und Erkrankungen des menschlichen Gehörs) gegründet. „Kommunikationsstörungen hatten zunehmend Bedeutung erlangt, weshalb sich die Medizinische Fakultät damals vorausschauend entschied, einen eigenen Lehrstuhl für das Gebiet der Hör-, Stimm- und Sprachstörungen in Innsbruck einzurichten“, erklärt Zorowka, der seit 1996 den Lehrstuhl innehat. Wenig später wurde eine eigenständige Klinik eingerichtet.

Aus dieser Keimzelle ist ein interdisziplinäres Team mit inzwischen fast 70 Mitarbeitern entstanden – mit Physikern, Ingenieuren, Psychologen, Logopäden, Hörakustikern und Fachärzten. „Neben der eigenen HSS-Ambulanz mit zahlreichen Funktionsbereichen nutzen wir mit der HNO-Klinik einen gemeinsamen stationären Bereich für konservative und operative Behandlungen“, so der Mediziner. „Die HSS-Klinik ist österreichweit einzigartig auf diesem Gebiet und hat sich zu einer Referenzinstitution weit über den deutschsprachigen Raum hinaus entwickelt.“

„Vielen ist das potenzielle Risiko bei übermäßigem und zu lautem Musikkonsum nicht bewusst", so Patrick Zorowka (Direktor HSS).

Das Spektrum reicht dabei von Sprachentwicklungsstörungen bei Kindern, Stimmstörungen verschiedenster Ursachen, die Schluckrehabilitation nach Tumoroperationen bis hin zu den verschiedensten Formen von Hörstörungen. In der Erkennung von frühkindlichen Hörstörungen hat die HSS zum Beispiel erst im letzten Jahr ein aktuelles Früherkennungsprogramm für Österreich erstellt.

„Freizeitlärm bei Jugendlichen gewinnt zunehmend an Bedeutung. Vielen ist das potenzielle Risiko bei übermäßigem und zu lautem Musikkonsum nicht bewusst. Sie suchen dann unsere Klinik mit akutem Tinnitus auf“, erklärt der Experte. Für Betroffene mit chronischem Tinnitus wird von der HSS eine Tinnitus-Sprechstunde angeboten und für spezielle Hörprobleme eine Hör-Sprechstunde, um die Therapiemöglichkeiten abzuklären. Informationen: www.hss-innsbruck.at


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