Die gute Geschichte: Eine Weihnachtskrippe voller Erinnerungen

Mit der Weihnachtskrippe im Hospiz verbindet Seelsorger Christian Sint Jahr für Jahr eine ganz besondere Geschichte.

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Die Krippe der Verstorbenen wird jedes Jahr auf der Hospiz-Palliativstation aufgestellt.
© Sint

Innsbruck –Es war vor vielen Jahren, an einem 8. Dezember, am Feiertag Mariä Empfängnis, als Christian Sint, Seelsorger an der Hospiz- und Palliativstation, in ein Zimmer gerufen wurde. Eine Frau, über 50 Jahre alt, lag im Sterben. Tiefe Traurigkeit lag im Raum, Tränen, Fassungslosigkeit. „Es fehlten mir – wie oft in solchen Situationen – jegliche Worte“, erinnert sich Sint.

Nach einer Weile fragte er die Angehörigen der sterbenden Frau: „Was war ihr im Leben wichtig? Was war ihr heilig?“ Wenige Worte kamen. Eine der Angehörigen sagte schließlich: „Sie war von Krippen angetan. Mit großer Leidenschaft hat sie Krippen gebaut.“ Der Seelsorger fragte den Bruder der Patientin: „Wäre es nicht möglich, eine ihrer Krippen hierher zu bringen?“ Und dieser antwortete: „Wir hätten ihre Lieblingskrippe unten im Auto. Wir haben uns nicht getraut, sie hier im Zimmer aufzustellen.“

Christian Sint bot den Angehörigen seine Hilfe an, und gemeinsam holten sie die Krippe. Sie stellten sie im Zimmer der sterbenden Frau auf und platzierten die Holzfiguren: Hirten und Schafe, Ochs und Esel, Maria und Josef und auch die Engel. Das Christkind legte Christian Sint behutsam zur sterbenden Patientin. Er sagte: „Das Christkind kommt schon heute zu Ihnen. Wir feiern Weihnachten heute.“ Dann holte er Tannenzweige, sie zündeten Kerzen an und sangen „Stille Nacht“ und dann, wie sich später herausstellte, das Lieblingslied der Frau: „Still, still, weil’s Kindlein schlafen will.“ „Als wir die Zeilen sangen ‚Tue uns das Himmelreich aufschließen, wenn wir einmal sterben müssen‘, lief es mir kalt über den Rücken“, erinnert sich der Seelsorger. Am frühen Nachmittag ist die Frau gestorben. „Wir haben ihren Körper gesegnet und uns würdig von ihr verabschiedet.“ Die Angehörigen haben dem Hospiz tags darauf die Krippe geschenkt.

Christian Sint: „Jedes Jahr, wenn ich diese Weihnachtskrippe auf der Hospiz-Palliativstation aufstelle, muss ich an diese Frau denken und dass wir damals schon am 8. Dezember Weihnachten gefeiert haben. Und ich nehme behutsam das Christuskind aus der Krippe und bitte es, dass es auch uns helfen möge, wenn wir einmal sterben müssen.“ (TT)

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