Tiroler in London: „Brexit-Befürworter zeigen Reue, Verunsicherung groß“

Seit 1994 leben Doris und Peter Huber in London. Das Tiroler Paar berichtet von reumütigen Nachbarn, die der “Brexit-Gehirnwäsche“ zum Opfer fielen. Einen Nachteil orten sie mit einem Ausstieg aus der EU aber nicht.

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Ist es das wert? Das Brexit-Chaos nimmt auch kurz vor dem geplanten Austrittsdatum kein Ende.
© AFP

London –„Die Verunsicherung hier in London ist groß. Niemand weiß, wie es nach dem Brexit Ende März weitergehen soll“, schildert Doris Huber. Die 53-jährige Tirolerin lebt seit 1994 mit ihrem Ehemann Peter im Süden von London. An jeder Ecke, in jedem Lokal würde der Brexit thematisiert. „Jeder ist betroffen, aber in welchem Ausmaß, ist für die meisten unklar“, sagt Huber.

„In der City gibt es viele Demonstrationen für ein zweites Referendum.“ Vor allem junge Leute seien es, die jetzt auf die Straße gingen. Beim Brexit-Votum hatten vor allem junge Wahlberechtigte durch Abwesenheit bei der Abstimmung geglänzt. Einige, die damals für den Brexit gestimmt hätten, würden nun Reue zeigen, erzählt Peter Huber. „Wir haben Nachbarn aus Rumänien. Ein Paar mit zwei Kindern, eines davon ist in London geboren. Die Ausrede der Rumänen ist, dass sie einer Gehirnwäsche in den Medien ausgeliefert gewesen seien und deshalb für den Brexit gestimmt hätten.“

Vor allem unter Osteuropäern sei eine EU-kritische Stimmung sehr verankert, erzählen die Hubers. Die Brexit-Befürworter hätten auch damit Angst geschürt, dass Arbeiter aus Osteuropa nach Großbritannien kämen und gekommen seien, die nichts ins Sozialsystem einzahlen würden und es dann leidlich ausnützen würden. „Unsere rumänischen Nachbarn sprechen gutes Englisch. Sie hätten aber im Frühstücksfernsehen sehr oft den ehemaligen Londoner Bürgermeister und Außenminister Boris Johnson gesehen und der hätte sie überzeugt, gegen Europa zu stimmen, erzählen die Rumänen.“

Doris und Peter Huber fürchten als Österreicher keine Nachteile, auch wenn Großbritannien nicht mehr EU-Mitglied sei. Viele Unternehmen hätten Zweigstellen am Festland, also in der EU, eingerichtet, erzählt Peter Huber.

Im Zentrum Londons herrsche rege Bautätigkeit. „Man hat den Eindruck, die Firmen wollen die Baustellen möglichst rasch fertig stellen, weil niemand weiß, was nach dem Brexit passiert.“ Auswirkungen seien auch am Wohnungsmarkt spürbar. „Im Umkreis von London sind die Preise in den Keller gefallen.“ Die Hubers werden auf jeden Fall in London bleiben. (aheu)


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