264 Verletzte, 1700 Festnahmen: „Gelbwesten“-Krise eskalierte

Trotz Zugeständnissen der Regierung demonstrierten wieder Zehntausende in Frankreich, 1700 Menschen wurden festgenommen, viele verletzt. Vertreter der „Gelbwesten“ glauben, dass Präsident Macron den Schlüssel zur Besänftigung in der Hand hält – doch der schweigt bisher.

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Eine Spur der Verwüstung zog sich durch viele Teile von Paris.
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Paris – Nach erneuten „Gelbwesten“-Protesten mit Krawallen in mehreren Städten sucht Frankreich nach einem Ausweg aus der Krise. Mit Spannung wartet das Land auf eine Reaktion von Präsident Emmanuel Macron. Der 40-Jährige hielt sich bisher mit Äußerungen zu den Demonstrationen auffällig zurück. Premierminister Édouard Philippe rief das Land am Samstagabend zu Dialogbereitschaft auf – und kündigte Antworten Macrons an.

Die „Gelbwesten“ hatten im Vorfeld Macron aufgefordert, Lösungen zu präsentieren.
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Der Staatschef steht nach den andauernden Protesten der „Gelbwesten“ massiv unter Druck. Seine Mitte-Regierung legte als Zugeständnis bereits die geplante Steuererhöhung für Benzin und Diesel auf Eis. Die Wut der Protestbewegung hatte sich einst an diesem Vorhaben entzündet – mittlerweile reichen die Forderungen viel weiter: von mehr Steuergerechtigkeit über mehr Kaufkraft bis hin zum Rücktritt Macrons.

Bei den Protesten war es in Frankreich am Samstag erneut zu Ausschreitungen gekommen.
© imago stock&people

Mehr als 1700 Festnahmen bei „Gelbwesten“-Protesten

Am Samstag eskalierten die Demonstrationen in Paris und anderen französischen Städten erneut. Barrikaden und Autos brannten in der Hauptstadt, die Sicherheitskräfte setzten Wasserwerfer und Tränengas ein, um die Protestierenden zurückzudrängen. Es war bereits das vierte Wochenende in Folge, an dem die Bewegung der „Gelben Westen“ in Frankreich massiv auf die Straße ging.

Nach Angaben der Regierung sind mehr als 1.700 Menschen festgenommen worden. Insgesamt habe es landesweit 1.723 vorläufige Festnahmen gegeben, teilte das Innenministerium in Paris am Sonntag mit. Allein in der Hauptstadt setzte die Polizei laut Präfektur 1.082 Protestteilnehmer vorläufig fest.

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Die Polizei setzte Tränengas, Wasserwerfer und Blendgranaten ein.
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Für 1.220 der Betroffenen wurde anschließend eine Ingewahrsamnahme angeordnet. In Frankreich können Betroffene bis zu 48 Stunden auch ohne richterlichen Beschluss in Gewahrsam genommen werden, bei schweren Verbrechen bis zu vier Tage bei Terrorismus bis zu sechs Tage.

264 Verletzte in Frankreich

Zum Auftakt des vierten Protestwochenendes waren nach Angaben des Ministeriums rund 136.000 Menschen auf der Straße, davon 10.000 in Paris. 264 Menschen wurden den Angaben zufolge landesweit verletzt, darunter 39 Sicherheitskräfte.

Auch in Belgien kam es zu Ausschreitungen mit mehreren Hundert Festnahmen.

Das Aufgebot an Polizisten und anderen Ordnungskräften war in Frankreich im Vergleich zur Vorwoche deutlich aufgestockt worden: auf 8000 Männer und Frauen allein in der Hauptstadt. Vergangenen Samstag hatte es in Paris ebenfalls Krawalle gegeben – die Zerstörungen etwa an Geschäften fielen nach Einschätzung von Beobachtern dabei aber gravierender aus.

Macron habe „den Schlüssel für dieses Schloss in der Hand“

Vertreter der „Gelbwesten“ hatten im Vorfeld Macron aufgefordert, Lösungen zu präsentieren. Es sei jetzt an ihm, sich so schnell wie möglich zu äußern – „mit dem Herzen (und) mit Emotion“, sagte Benjamin Cauchy, der am Freitag an einem Treffen mit Premier Philippe teilgenommen hatte. Macron sei es, „der den Schlüssel für dieses Schloss in der Hand hat“, sagte ein anderer Teilnehmer. (dpa)


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