Grundtrauriges aufs Wesentliche reduziert

Oliver Welter und Boris Hauf bringen ihre Fans heute als „Naked Lunch Reduced“ auf den aktuellen musikalischen Stand der Band.

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Bevor die neuen Songs mit der Band weiterentwickelt werden, bringt Welter sie im Duo auf die Bühne.
© Ingo Pertramer

Innsbruck –Reggae-Album wird es keines, meint Oliver Welter. Ansonsten steht aber noch nicht viel fest von „Love & Fuck“ (Arbeitstitel!), dem neuen Album von Naked Lunch, einer der erfolgreichsten Indie-Formationen Österreichs. Erscheinen soll es im Herbst 2019. Insgesamt fünf Songs sind für die Platte auserwählt. Diese bringen Oliver Welter und Boris Hauf als Naked Lunch Reduced heute auf die Bühne nach Innsbruck.

Die aktuelle Tour dient nicht dazu, die Tauglichkeit der Songs zu messen, sondern um zu präsentieren, wo die Band derzeit steht. Schließlich sind Naked Lunch seit ihrer Gründung 1991 auch eine „Band der Verweigerung“, wie Welter sie nennt. Sowohl musikalisch als auch ideologisch ließ sich die Combo nie vereinnahmen.

Eine Einstellung, die Welter heute für alle Bands fordert. Nicht nur als Musiker, sondern vor allem als Mensch habe man eine Verantwortung. 2014 zog die Band etwa ihre Amadeus-Nominierung zurück, weil man mit der Organisation der Verleihung nicht einverstanden war. Entwicklungen wie das Aus des Echos oder die Einführung einer Quote für heimische Künstler begrüßt der Kärntner Musiker somit klar. „In Frankreich gibt es eine derartige Quote bereits länger und wurde zur Selbstverständlichkeit“, führt Welter aus.

Insgesamt sieht der heutige Sänger, der früher „vor allem auch exzessiv die Gitarre spielte“, die österreichische Musikszene gerade in einem Hoch. Eine Entwicklung, von der auch Naked Lunch profitiert. Und trotzdem: Trends interessieren Welter weniger. Etwa der vom Rolling Stone skandierte Tod des Albumformats. „Immer, wenn bei mir sozusagen das Getreidesilo voll ist, muss Neues raus. Dann ist wieder Zeit für Naked Lunch“, erklärt der Songwriter, der neben dem Bandprojekt etwa auch gerade ein Drehbuch schreibt. Dann sei Zeit für ein Album – das letzte erschien 2013. Die Songs für Naked Lunch kommen dabei stets von Welter, ausgearbeitet werden sie gemeinsam.

So weit ist Naked Lunch aber noch nicht. Noch gilt es, sich an das neue Material zu gewöhnen, zuerst in reduzierter Form, im Duo. Obwohl sich Welter treu bleiben will: Traurig seien die Songs, „einfach weil ich ein grundtrauriger Mensch bin“, so der Musiker. Überzeugen kann man sich davon heute im Treibhaus. (bunt)


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