Bruder bei Fest bewusstlos geschlagen: Haft für Tiroler

Eine Familientragödie wurde am Innsbrucker Landesgericht verhandelt: Für einen von zwei Brüdern endete die Verhandlung mit einer Haftstrafe.

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Symbolfoto.
© Thomas Böhm

Im Grunde wurde gestern am Landesgericht unter angeklagter Körperverletzung eine Familientragödie verhandelt. Zwei Brüder saßen dazu vor Richterin Verena Offer nebeneinander auf der Anklagebank. Der Ältere, ein unbescholtener 24-Jähriger, soll seinen Bruder auf einem Feuerwehrfest bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt haben. Der Jüngere soll darauf seinem Bruder derartig wuchtige Faustschläge ins Gesicht versetzt haben, dass dieser gleich mehrere Minuten am Boden lag. Was erst nach ausgearteter Provokation klang, kam dann zu Prozessende ganz anders. So war der Tatvorwurf gegen den 24-Jährigen derart zusammengebrochen, dass die Staatsanwältin die Anklage von sich aus zurückzog. Für den 22-Jährigen kam es aber dick. So war dieser von einem ganz anderen Festbesucher attackiert worden und hatte anschließend wie wild um sich geschlagen – auch auf den eigenen Bruder, der ihm eigentlich helfen wollte. Diesen trafen dabei mehrere Faustschläge im Gesicht. Laut Richterin Offer ein Glück, dass dabei nicht mehr passiert ist. Dass der 22-Jährige vom Bruder nicht belastet wurde, wertete das Gericht aufgrund dessen Bewusstlosigkeit allerdings nicht als mildernd. Vielmehr fiel dem bereits sechsfach Vorbestraften (viermal einschlägig) sein Vorleben auf den Kopf. Richterin Offer: „Jetzt ist es aus mit den Geldstrafen. Es ist zum Wohle aller und zum Selbstschutz nun Zeit, Sie aus dem Verkehr zu ziehen. Immer verletzen Sie Leute unter Alkoholeinfluss schwer am Kopf. Wäre Ihr Bruder bei der Aktion gestorben, hätten Sie Ihren eigenen Neffen zum Waisen gemacht“, so die Richterin. Die Strafzumessung fiel unter Tränen von Familienmitgliedern dementsprechend aus: „Erschwerend, dass Sie erneut betrunken auf einen Angehörigen losgehen. Ihr einziges Glück, dass ich keine absichtliche schwere Körperverletzung annehme!“ Bei einem Strafrahmen von bis zu fünf Jahren Haft ergingen über den Arbeiter folglich nicht rechtskräftig eineinhalb Jahre Gefängnis.

Mit roher Gewalt hatte sich gestern auch ein Schöffensenat zu beschäftigen. Wie im September tirolweit bekannt wurde, war in Imst nach einem frühmorgendlichen Lokalbesuch ein Gast massiv attackiert worden. Fünf angeklagte und großteils inhaftierte Oberländer sind dazu und zum Vorwurf der absichtlichen schweren Körperverletzung teils geständig. Staatsanwalt Clemens Gattringer: „Ein äußerst brutales Vorgehen. Auf das Opfer wurde hier mehr oder weniger grundlos eingetreten – und zwar mit dem Schuh-Außenrist voll gegen den Kopf!“ Etliche Verletzungen, Blut im Urin und ein zweifacher Nasenbruch mit Riss waren das Ergebnis. Zudem prallte das Opfer auf der Flucht durch Imst noch mit voller Wucht gegen eine Auslagenscheibe. Für Zeugen wurde vertagt. (fell)


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