Weihnachten mal anders: August Burns Red in der „Winter Wilderness“

Wien (APA) - Für viele gehören sie zum Pflichtprogramm im Advent: Wie jedes Jahr trällern auch heuer wieder unzählige Weihnachtslieder aus d...

  • Artikel
  • Diskussion

Wien (APA) - Für viele gehören sie zum Pflichtprogramm im Advent: Wie jedes Jahr trällern auch heuer wieder unzählige Weihnachtslieder aus den Lautsprechern in Geschäften, bevölkern das Radioprogramm oder erschallen am Christkindlmarkt. Dass es dabei nicht immer lieblich zugehen muss, beweist die US-Metalband August Burns Red seit mittlerweile zehn Jahren. Sie serviert harte Klänge für die stille Zeit.

Begonnen hat es mit einem Cover von „Carol of the Bells“. „Der Song ist ganz nebenbei entstanden, als wir an unserem Album ‚Messengers‘ gearbeitet haben“, erinnerte sich Gitarrist Brent Rambler im APA-Interview. „Wir wollten das Stück zunächst gar nicht aufnehmen, sondern haben es bei einer Weihnachtsshow einfach als kleines Extra gespielt. Aber eins führte zum anderen, und letztlich ging der Song durch die Decke. Es ist immer noch jenes unserer Lieder, das am häufigsten heruntergeladen wurde. Also dachten wir uns: Okay, machen wir das öfter.“

Seitdem ist eine kleine Tradition daraus geworden, erwarten die Fans des Quintetts doch jedes Jahr sehnsüchtig die neueste Bearbeitung von Klassikern wie „Jingle Bells“, „Winter Wonderland“ oder „We Wish You A Merry Christmas“. 2012 veröffentlichte die Band gar ein ganzes Album mit ihren Interpretationen, zudem fanden sich auf „Sleddin‘ Hill“ eigene Kompositionen. „Für uns ist das einfach eine Möglichkeit, aus unserer Komfortzone auszubrechen und Metalsongs neu zu denken. Normalerweise würden wir ja nicht unbedingt mit Glockenläuten arbeiten“, lacht Rambler.

Zweistimmige Gitarrenleads, Blast-Beats und mächtige Breakdowns bevölkern nun auch die neue EP „Winter Wilderness“, die August Burns Red kürzlich vorgelegt haben. Darauf haben sich die US-Musiker sogar an „Last Christmas“ von Wham gewagt oder verpassen dem Traditional „Greensleeves“ ein waschechtes Black-Metal-Intro. „Es muss uns einfach Spaß machen“, umriss Rambler die Voraussetzungen für einen „guten“ Metal-Weihnachtssong. „Natürlich braucht es auch ein kreatives Element, damit es für uns spannend bleibt. Und die Leute sollen es im Idealfall das ganze Jahr hören können.“

Allerdings sei nicht jedes Lied für die August-Burns-Red-Behandlung geeignet. „Klarerweise musst du aufpassen, diese Songs können ja auch sehr schnell ziemlich schmalzig werden. Das war auch ein Grund, warum wir begonnen haben, eigene Stücke zu schreiben, die in diesen Kontext passen. Viele Weihnachtslieder sind zudem ziemlich kurz und lassen sich nicht einfach beliebig verlängern. Wir sind in dieser Hinsicht also ein wenig limitiert. Aber keine Sorge“, versicherte er den Fans, „es gibt schon noch genügend Dinge, an die wir uns heranwagen können.“

Ein anderes Lied, das aktuell in aller Munde ist, wird man hingegen wohl nicht so schnell mit verzerrten Gitarren hören: „Stille Nacht, Heilige Nacht“ feiert heuer sein 200-Jahr-Jubiläum. „Das haben wir bisher nicht gemacht“, nickte Rambler. „Es ist ja ziemlich langsam, weshalb es schon schwierig wäre. Andererseits haben wir uns auch ‚Little Drummer Boy‘ vorgeknöpft, das fast wie ein Drone klingt. Trotzdem müssten wir bei ‚Stille Nacht‘ das Tempo wohl extrem anziehen - keine Ahnung, ob das gut klingen würde“, schmunzelte Rambler.

Und was darf bei dem aus Pennsylvania stammenden Gitarristen selbst zur Weihnachtszeit keinesfalls fehlen? „Meine Familie hat eine ganz eigene Version einer Fleischpastete. Die wird mit Nudeln zubereitet, letztlich ist das fast wie eine extrem dickflüssige Brühe. Aber das gehört einfach dazu: Jeder Jahr machen wir gemeinsam den Teig, schneiden die Nudeln und geben alle Zutaten in einen Topf. Das ist total schlicht, aber unglaublich gut. Meine Frau war da anfangs auch sehr skeptisch, aber mittlerweile ist sie davon überzeugt.“ Und stattet ihren Gatten mit dem Gericht aus, sollte er zu dieser Jahreszeit gerade auf Tour sein.

Immerhin kann man sich aber auch bei den Reisen um die Welt in die entsprechende Stimmung bringen. So hat Rambler beim Konzert von August Burns Red in Wien Ende November auch den Christkindlmarkt am Rathausplatz besucht. „Verrückt, wie groß der ist“, zeigte sich der US-Amerikaner beeindruckt. „Ich frage mich da ja immer, wie die Stände ihr Geld machen können, wenn es doch so viele Weihnachtsmärkte in der Stadt gibt. Und alle verkaufen dasselbe!“ Aber mit Weihnachten lässt sich eben ein gutes Geschäft machen - egal, ob es nun Punsch ist oder „Oh Holy Night“ im Metalgewand.

(Das Gespräch führte Christoph Griessner/APA)

(S E R V I C E - www.augustburnsred.com)


Kommentieren