Die Gute Geschichte: An der Menschlichkeit bauen

Kinder und Jugendliche der NMS Umhausen greifen sprichwörtlich zu Schaufel und Schubkarre, um gemeinsam an einer Welt mit mehr Gerechtigkeit zu arbeiten.

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Die Schülerinnen und Schüler der NMS Umhausen mit den beiden Religionspädagoginnen Kathrin Klotz und Angelika Praxmarer mitten in ihrer „Baustelle Mit-Menschlichkeit“.
© NMS Umhausen

Umhausen –Montagmorgen, kurz vor 7.30 Uhr. Dicke weiße Flocken fallen vom Himmel. Es ist noch dunkel in Umhausen im Ötztal, doch vor dem Schulzentrum herrscht bereits rege Betriebsamkeit. Kindergarten und Schulgebäude sind hell beleuchtet. Jugendliche werfen sich auf dem Weg zur Schule Schneebälle zu, ein Kindergartenkind entwischt seiner Mutter und läuft voller Freude auf einen Schneehaufen zu.

Beim Betreten der Neuen Mittelschule (NMS) sind sanfte Gitarrenklänge zur Melodie von „Leise rieselt der Schnee“ zu hören. Am Adventkranz leuchten zwei Kerzen. Aus allen Richtungen kommen die Schülerinnen und Schüler mit ihren Sesseln und versammeln sich im Atrium. Die Schulwochen im Advent wollen sie besinnlich beginnen, mit gemeinsamem Singen und guten Gedanken, mit Ruhe statt Hektik und mit einem Gefühl des Miteinanders, das über die Mauern des Schulhauses hinausreicht.

„Baustelle Menschlich­keit“ – unter diesem Motto haben die Religionspädagoginnen Kathrin Klotz und Angelika Praxmarer gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern aus zwei dreieckigen Straßenschildern einen sechseckigen „Stern der Menschlichkeit“ gebildet. Wie ein auffallendes Zeichen steht er nun neben Schubkarren und Schaufel beim Adventkranz, dahinter klebt eine Ziegelmauer aus Papier. Auf jedem Ziegel dürfen die Schüler ein für sie wichtiges Vorhaben für die vorweihnachtliche Zeit notieren. „Hilfsbereitschaft“ steht da zum Beispiel oder „ein Lächeln schenken“. Auch „Armen helfen“ ist, sogar in verschiedenen Handschriften geschrieben, zu lesen.

An diesem Montagmorgen sehen die knapp über hundert Schülerinnen und Schüler der NMS Umhausen vor dem Stern aus Baustellenschildern ein paar Steine und Holzstücke auf dem Boden liegen. Was dies wohl bedeuten mag? Eine Vertreterin der diözesanen Spendenorganisation „Bruder und Schwester in Not“ ist zu Gast, um über die „Baustelle Menschlichkeit“ in anderen Teilen der Welt zu sprechen. Neugierig schauen die Jugendlichen zu den drei Steinen auf dem Boden und es wird still im Schulhaus. So still, dass man beinahe das Fallen der Schneeflocken draußen hört. „Kochen auf drei Steinen und offenem Feuer ist für drei Milliarden Menschen weltweit Realität“, erfahren die Schülerinnen und Schüler anschaulich. Kochhütten und einfache Lehmöfen könnten Erleichterung schaffen, den Menschen helfen. Genau deshalb fördert die Aktion „Bruder und Schwester in Not“ mit den Spenden aus der Adventsammlung die Anschaffung dieser Dinge.

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„Das schaffen wir“, verwendet ein Schüler auf die Frage der Lehrerin, ob es möglich sei, einen Lehmofen pro Schulklasse zu spendieren, spontan ein seit der Flüchtlingskrise von 2015 bekanntes geflügeltes Wort. An diesem Morgen im Advent wird im winterlichen Ötztal für viele Familien im ostafrikanischen Tansania eine kleine Baustelle der Menschlichkeit zur Wirklichkeit. (TT)


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