2018 wird Österreichs wärmstes Jahr der Messgeschichte

Das Jahr 2018 war laut ZAMG wärmer als der bisherige Spitzenreiter 2014. Es liegt um 1,8 Grad über dem Mittel. Mitunter die höchsten Abweichungen gab es in Teilen Tirols.

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(Symbolfoto)
© Thomas Böhm

Wien – 2018 geht als außergewöhnliches Jahr in die Klimageschichte ein: Laut Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) ist es das wärmste Jahr in Österreich in der 252-jährigen Messgeschichte. In der vorläufigen Klimabilanz liegt es um 1,8 Grad über dem vieljährigen Durchschnitt. Der bisherige Spitzenreiter war 2014, das 1,7 Grad über dem Mittel lag.

2018 bestätigt laut ZAMG den Trend zu einem immer wärmeren Klima. Von den 20 wärmsten Jahren der Wetteraufzeichnung in Österreich liegen 14 in den 2000er-Jahre. Die Top fünf der wärmsten Jahre sind: 2018 (plus 1,8 Grad), 2014 (plus 1,7 Grad), 2015 (plus 1,4 Grad), 1994 (plus 1,2 Grad) sowie 2016, 2002 und 2000 (jeweils plus ein Grad über dem Mittel).

„Ganz markant waren heuer die vielen überdurchschnittlich warmen Wetterlagen. Sechs Monate waren unter den Top Ten der jeweiligen Messreihe“, sagte Meteorologe Alexander Orlik von der ZAMG. So waren etwa der Jänner der drittwärmste Jänner und der April 2018 sogar der zweitwärmste April in der gesamten Messgeschichte.

Rekord-Abweichungen in Tirol

Die Regionen, die die höchsten Abweichungen zum klimatologischen Mittel zeigen, sind Teile Nordtirols, Vorarlberg, das nördliche Salzburg, Oberösterreich, weite Teile Niederösterreichs und Wien. Hier war es in den Niederungen und im Tiefland um 1,8 bis 2,3 Grad wärmer als im vieljährigen Mittel. Südlich des Alpenhauptkammes lagen die Jahrestemperaturen im Tiefland weitgehend 1,3 bis 1,8 Grad über dem Mittel.

Die seit April fast durchwegs überdurchschnittlichen Temperaturen haben heuer auch extrem viele Sommertage gebracht – der Höchstwert lag bei mindestens 25 Grad. Ihre Zahl war größtenteils doppelt so hoch wie in einem durchschnittlichen Jahr, in den meisten Regionen gab es neue Rekorde. An der Spitze aller ZAMG-Messstationen lag Andau im Seewinkel (Burgenland) mit heuer 127 Sommertagen. Der alte Rekord betrug 120 Sommertage im Jahr 2003 in Leibnitz (Steiermark).

Trockenheit und viele Sonnenstunden

Die Zahl der Sonnenstunden lag 2018 in der österreichweiten Auswertung um elf Prozent über einem durchschnittlichen Jahr. Somit gehört 2018 zu den acht sonnigsten Jahren seit Beginn der Sonnenscheinmessungen im Jahr 1925.

Außergewöhnlich war auch die Trockenheit in vielen Regionen Österreichs, vor allem in Vorarlberg, in den nördlichen Regionen Salzburgs, in Oberösterreich und im Großteil von Niederösterreich. Hier gab es 2018 um 20 bis 40 Prozent weniger Niederschlag als in einem durchschnittlichen Jahr. „In einigen Regionen sind sogar neue Trockenheitsrekorde zu erwarten, in Linz zum Beispiel zeichnet sich mit einer Niederschlagsmenge von etwa 520 Millimeter das trockenste Jahr seit Aufzeichnungsbeginn im Jahr 1852 ab. Das bedeutet hier rund 40 Prozent weniger Niederschlag als in einem durchschnittlichen Jahr“, sagte Orlik.

Viel Regen in kurzer Zeit in Osttirol und Kärnten

2018 brachte in einigen Regionen auch sehr viel Regen in sehr kurzer Zeit, zum Teil mit Überschwemmungen und Muren. In Osttirol und Oberkärnten brachte ein Mittelmeertief Ende Oktober zum Beispiel Regenmengen, wie sie statistisch gesehen dort nur alle 75 bis 150 Jahre vorkommen. Im Gailtal kamen in nur drei Tagen 550 Millimetern Regen zusammen. Das ist in nur drei Tagen gut ein Drittel eines normalen Jahresniederschlags. Insgesamt summierten sich in diesen Gebieten bis zu 27 Prozent mehr Niederschlag als im klimatologischen Mittel.

Auch in Graz gab es am 16. April ein Gewitter, das selbst an einem Sommertag als extrem einzustufen wäre. An der ZAMG-Wetterstation in Graz-Straßgang regnete es an diesem Tag 93,4 Millimeter. Davon kamen 78 Millimeter in nur drei Stunden zusammen. In der Innenstadt von Graz wurden stellenweise bis zu 162 Millimeter gemessen. Zum Vergleich: In einem durchschnittlichen April regnet es im gesamten Monat in Graz rund 50 Millimeter.

Vegetation: Schwacher Start und dann Aufholjagd

Der sehr milde Jänner begünstigte einen frühen Blühbeginn von Hasel, Schneeglöckchen und Winterling. Die relativ kalten Monate Februar und März verzögerten dann aber die Entwicklung der Vegetation. In den sehr warmen Monaten April und Mai folgte eine beeindruckende Aufholjagd. Die Marillenblüte begann Anfang April ziemlich genau zu ihrem durchschnittlichen Zeitpunkt. Der Flieder war mit seinem Blühbeginn im Vergleich zum Durchschnitt (um den 28. April) schon eine Woche früher dran. Die hohen Temperaturen im Sommer verursachten dann extrem kurze Zeitperioden zwischen Blüte und Fruchtreife. So benötigte der Schwarze Holunder für die Fruchtreife nur 76 Tage – drei Wochen weniger als im langjährigen Schnitt. Durch die sommerliche Trockenheit kam es in einigen Regionen Österreichs zu einem vorzeitigen Vergilben der Blätter mit nachfolgendem Neuaustrieb. (TT.com/APA)


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