Die Gute Geschichte: Hoffen auf Weihnachtswunder

Vom Analphabeten zum Kochlehrling im 5-Sterne-Hotel – und trotzdem ist Nasrullah noch immer ohne Aufenthaltstitel.

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Nasrullah bezeichnet Angelika Beer liebevoll als seine österreichische „Mama“.
© Fischer

Innsbruck –Heute trifft Margot Fischer von der Caritas nach längerer Zeit wieder Nasrullah in Innsbruck. Sein Kopf raucht, er kommt gerade aus der Berufsschule in Absam, die er bis Ende Dezember zum ersten Mal besucht, da er nun Kochlehrling ist. Nasrullah kam Ende 2015 mit seinem Bruder und dessen Familie nach Österreich und nach einer langen Odyssee durch mehrere Erstauffangheime nach Innsbruck zu Margot Fischer in die Notschlafstelle: „Er war müde und abgekämpft, wie die vielen anderen geflüchteten Menschen auch, aber nichtsdestotrotz wollte er vom ersten Tag an Deutsch lernen. Nächtelang ist er im Aufenthaltsraum gesessen und hat das Alphabet und Schreiben geübt, da er in Afghanistan nie die Möglichkeit hatte, eine Schule zu besuchen.“

Mit Hilfe vieler engagierter Freiwilliger konnte dann für den jungen Mann Geld gesammelt und ein Kurs an der Volkshochschule gebucht werden. Über zwei Jahre ist er täglich in seinen Deutschkurs gegangen und hat letztendlich sogar die B1-Prüfung abgelegt. In der Zeit in der Notschlafstelle hat er auch Angelika Beer, eine Freiwillige aus Innsbruck, kennen gelernt, die sich ihm angenommen hat. Mit unermüdlichem Einsatz begleitet sie Nasrullah und dessen Bruder mit seiner Familie seither durch dick und dünn und Nasrullah sagt liebevoll „Mama“ zu ihr. Er meint, er hätte jetzt zwei Mütter, eine in Afghanistan und eine hier in Österreich.

Nach langem Warten kam Ende 2017 endlich das Interview beim Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl (BFA) und dann der negative Bescheid. Man hatte seinem Bruder und der Familie des Bruders ihre Fluchtgeschichte geglaubt, ihm aber nicht. Aber wieder lässt sich Nasrullah nicht unterkriegen und sucht sich ganz alleine eine Lehrstelle als Koch und wird in Scheffau am Wilden Kaiser fündig, da Lehrlinge im Tourismus in Tirol sehr gesucht sind. Seit April 2018 arbeitet er nun dort, sein Chef ist mehr als zufrieden mit ihm und sein Deutsch ist schon stark vom Tiroler Dialekt gefärbt. Auch in zweiter Instanz erklärt ihm der Richter, dass er ihm seine Fluchtgründe nicht glaubt, er aber vorerst seine Lehre fertig machen kann.

Nasrullah ist wie viele geflüchtete Jugendliche nun in dieser schwierigen Situation, dass er nicht weiß, wie es weitergeht, und trotzdem macht er weiter. Seine Begleiter und seine „österreichische Mama“ machen ihm Mut und hoffen, dass es in der Politik bald ein zu einem Umdenken kommt und dass Menschen, die sich wirklich bemühen und integriert sind und die unsere Wirtschaft so dringend braucht, eine Chance auf eine Zukunft bekommen. (TT)

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