Franz Lackner - Ein Erzbischof, der gerne zuhört

Salzburg/Graz/Klagenfurt (APA) - Franz Lackner hat das Amt des Salzburger Erzbischofs am 12. Jänner 2014 offiziell übernommen. Bereits damal...

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Salzburg/Graz/Klagenfurt (APA) - Franz Lackner hat das Amt des Salzburger Erzbischofs am 12. Jänner 2014 offiziell übernommen. Bereits damals kündigte er an, zuerst einmal „zuhören zu wollen“, um dann „Impulse zu geben“. Wenige Tage danach ließ er im APA-Interview durchblicken, dass er sich brennenden Fragen der Kirche nicht verschließen wolle. Die Frage des Zölibats beispielsweise sei eine, „die diskutiert werden kann und muss“.

Der Erzbischof ist stets auf Ausgleich bedacht, auch was aktuelle Probleme in der Kirche und die unterschiedlichen Lebenswelten der Menschen betrifft. Mitunter verweist er auf Aussagen des Papstes, wenn er um Antworten gebeten wird. Seiner Ansicht würde die Aufhebung des Zölibats keine Win-Win-Situation bringen, sagte Lackner. „Vielleicht macht es Papst Franziskus auch, ich weiß es nicht, aber wir würden über Jahre hindurch mit uns selbst beschäftigt sein. Doch Franziskus sagt, geht zu den Menschen hinaus und hört auf, euch um euch selber zu drehen.“

Einen völlig neuen Kurs schlug Lackner in seiner knapp fünfjährigen Amtszeit gegenüber seinen Vorgängern nicht ein. Er geht einen gemäßigten Weg, ist aber offensichtlich bereit, Akzente zu setzen. Den Ausschluss von wiederverheirateten Geschiedenen von Kommunion und Beichte bezeichnete er als „große Not“, er sieht einen Änderungsbedarf. In dieser Frage versage die Kirche auf allen Ebenen, zeigte sich der Erzbischof kritisch. Auch den Priestermangel möchte er keinesfalls wegreden, hier baut Lackner auf mehr Mitwirkung von „Laienchristen“, denn die würden an die Menschen näher herankommen als Priester.

Dass Frauen zum Priesteramt zugelassen werden könnten, schloss der Erzbischof bisher aus. Es gebe das Prinzip, dass nicht jeder alles tun kann, meinte Lackner. „Den absoluten Gleichstand für alle wird man nicht erreichen.“ Es müsse aber einen Ausgleich geben. Deshalb sei es ihm ein großes Anliegen, dass in der Erzdiözese Salzburg Frauen wichtige Führungspositionen einnehmen.

Auch die Erzdiözese Salzburg blieb von Kirchenaustritten nicht verschont. Derzeit zählt die Erzdiözese in ihren rund 210 Pfarren 450.000 Gläubige. Ein Prozent pro Jahr, rund 4.000 Personen, treten aus der Kirche aus. Damit die Gottesdienstgemeinde nicht weiter schrumpft und „die Kirche in Dorf bleibt“, startete Lackner vor drei Jahren einen neuen Gesprächsprozess. Unter dem Titel „Zukunftsprozess 2018“ haben mehr als 200 Haupt- und Ehrenamtliche in der Erzdiözese über eine Neuorientierung nachgedacht. Das Ergebnis wurde im September präsentiert: Mit sechs Leitprojekten will man an Glaubwürdigkeit gewinnen und den Menschen sozial und geografisch näher sein. Das Motto lautet „auf die Menschen zu gehen und ihnen zuhören“.

Nun gelte es dorthin zu hören, wo die Kirche „jünger, vitaler und glaubwürdiger ist“ und „dorthin zu schauen, wo die Wurzeln unseres Glaubens liegen“, umriss der Erzbischof seine Vision. Blinde Flecken der Kirche, neue Lebensformen, die ökologische Krise, die Flüchtlingsbewegung und der Glaubensschwund, das alles seien Herausforderungen, in die sich die Kirche wagen müsse. „Die Kirche der Zukunft wird eine Bekennerkirche sein müssen. Unsere Glaubwürdigkeit wird darin liegen, wie wir für die Ärmsten, Schwächsten und Kleinsten da sind.“ Um die Not von campierenden Bettlern im Winter in der Stadt Salzburg zu lindern, stellt die Erzdiözese seit Kurzem jede Nacht für Bettler und Obdachlose abwechselnd fünf Räume als Notschlafquartier zur Verfügung.

Allerdings hat sich die Erzdiözese angesichts der sinkenden Kirchenbeiträge und hohen Personalkosten im Dezember einen Sparkurs verordnet, der auch auf Kritik stieß. Bis zum Jahr 2021 wurden Einsparungen in Höhe von 2,5 Millionen Euro beschlossen. Einrichtungen wie das Bildungshaus St. Virgil oder die Katholische Aktion befürchten massive Einsparmaßnahmen und Kündigungen. Erzbischof Franz Lackner stellte klar: Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter „sind unsere wertvollste Ressource“. Man werde alles tun, damit es zu keinen einsparungsbedingten Kündigungen komme, sagte er gegenüber der „Salzburger Nachrichten“.

Franz Lackner wurde am 14. Juli 1956 in Feldbach in der Steiermark geboren. Er absolvierte nach der Schule zunächst eine Lehre als Elektriker, im Alter von 22 Jahren ging er als UNO-Soldat für ein Jahr nach Zypern. Während seines dortigen Einsatzes soll auch die Entscheidung gereift sein, den geistlichen Weg einzuschlagen. Lackner holte die Matura nach, im Jahr 1984 trat er in den Franziskanerorden ein. 1991 wurde er zum Priester geweiht. Es folgten ein Theologie- und Philosophie-Studium, unter anderem an der päpstlichen Universität in Rom.

1999 wurde Lackner Professor für Philosophie an der Philosophisch-Theologischen Hochschule im niederösterreichischen Heiligenkreuz, wo er bis zuletzt lehrte. Im Oktober 2002 wurde Lackner zum Weihbischof der Diözese Graz-Seckau ernannt. Am 10. November 2013 wurde er aus einem Dreiervorschlag vom Salzburger Domkapitel zum neuen Erzbischof von Salzburg gewählt. Am 18. November 2013 hat der Vatikan die Ernennung zum 79. Erzbischof von Salzburg (die älteste Erzdiözese Österreichs, die 798 errichtet wurde) bestätigt. Lackner folgte damit auf Alois Kothgasser, der sich nach elfjähriger Amtszeit in den Ruhestand verabschiedete.

Seit 2015 ist Lackner stellvertretender Vorsitzender der Österreichischen Bischofskonferenz. Privat betreibt er gerne Sport, joggt an der Salzach, spielt Fußball und ist seinem Lieblingsklub Sturm-Graz als Fan treu geblieben.


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