Ruandas Präsident Kagame kritisiert „Heuchelei der Europäer“

Wien/Kigali (APA) - Ruandas Präsident Paul Kagame bescheinigt Europa, Milliarden Dollar in Afrika falsch investiert und Migranten eingeladen...

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Wien/Kigali (APA) - Ruandas Präsident Paul Kagame bescheinigt Europa, Milliarden Dollar in Afrika falsch investiert und Migranten eingeladen zu haben. „Europa hat Afrika vernachlässigt. Afrika hätte allein aufgrund der gemeinsamen Geschichte seit Langem ein Partner der Wahl sein müssen“, erklärte Kagame in einem Interview mit der „Presse“ (Freitagsausgabe).

Aber die Europäer hätten einfach eine komplett falsche Einstellung. Sie seien so von sich eingenommen. Europa habe geglaubt, dass es alles darstellt, was die Welt zu bieten habe. Und dass all die anderen nur von Europa lernen und um Hilfe bitten müssten. „So haben die Europäer Afrika jahrhundertelang behandelt“, kritisierte der ruandische Präsident und derzeitige Vorsitzende der Afrikanischen Union.

Dass sich Afrikas Bevölkerung bis 2050 verdoppeln werde und allein deshalb in den kommenden Jahren viele nach Europa drängen könnten, kommentierte Kagame mit den Worten: „Es ist nicht nur eine Frage der Bevölkerungsgröße. Es geht darum, in welchem Umfeld die Bevölkerung zunimmt. China hat 1,3 Milliarden Einwohner. Trotzdem sind nicht unzählige Chinesen illegal in andere Länder eingereist. Auch wenn die Bevölkerung in Afrika nicht wüchse, wären die Entbehrungen mancherorts so groß, dass die Menschen nach Alternativen suchten.“

Europa habe zwar Abermilliarden Dollar in Afrika investiert, aber etwas müsse schiefgelaufen sein, sagte Kagame. „Diese Milliarden hatten zum Teil ein Retourticket, sie flossen nach Afrika und wieder zurück nach Europa. Dieses Geld hinterließ nichts auf afrikanischem Boden.“ Das Geld sollte vielmehr in Industrien, in der Infrastruktur, in Bildungseinrichtungen für die Jugend Afrikas landen, deren Zahl nun so schnell wachse.

Zu Chinas Engagement in Afrika sagte Kagame, es sei gut, könne aber verbessert werden. „Und da müssen vor allem auch die Afrikaner an sich arbeiten. In Ruanda wussten wir, welche Kapazität wir haben und welche chinesischen Angebote wir annehmen, damit wir nicht mit Schulden überfrachtet werden. Es gibt jedoch auch Staaten, die keine guten Verhandlungen führten und nun erstickt werden [....] Die Chinesen sind natürlich nicht nur als Philantropen hier, um uns zu helfen“, fügte der ruandische Präsident hinzu.

Zur Kritik an seinem autoritären Regierungsstil meinte Kagame: „Die Heuchelei der Europäer ist überwältigend. Sie predigen, was sie selbst nicht praktizieren. Warum gibt es dieses Versagen in Europa? Wegen Demokratie? Wenn Demokratie Versagen bedeutet, dann muss ich die europäische Demokratie nicht praktizieren.“

Auf die Frage, wie fragil das Gleichgewicht in Ruanda sei, zumal es erst 24 Jahre her sei, dass 800.000 Menschen (Tutsis und gemäßigte Hutus) massakriert wurden, antwortete Kagame: „Wir versuchen die Gesellschaft zu heilen. Manche Angehörige von Opfern können das nicht verstehen. Wir reden mit ihnen. Politik ist kein Spiel. Es geht um das Leben der Menschen.“


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