„Aquaman“: Wassermann als Weltenretter

James Wans Comic-Verfilmung „Aquaman“ bietet souverän inszenierten Hollywood-Hochglanz und mit Jason Momoa einen überzeugenden Hauptdarsteller.

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Kantig: Jason Momoa wurde durch die Serie "Games of Thrones" bekannt.
© Warner/Jasin Boland

Von Marian Wilhelm

Innsbruck –Aquaman – hierzulande eher einer der obskureren Superhelden im DC-Comic-Universum – scheint in Jason Momoa seine perfekte Besetzung gefunden zu haben. Aus Hawaii stammend, wurde er nicht nur Rettungsschwimmer und arbeitete in einem Surf-Laden, er kann sogar einige Semester Meeresbiologie-Studium vorweisen. Die indigene hawaiianische Herkunft väterlicherseits, auf die er mit viel Stolz regelmäßig verweist, gibt dem um Diversität bemühten Hollywood dieser Tage zusätzliche Selbstverständlichkeit. TV-Stapelware wie „Baywatch“ oder „Stargate Atlantis“ in seiner Filmografie ist somit nur noch ein Bonus. Bekannt machten ihn seine Rollen als barbarischer Conan auf den Spuren von Arnold Schwarzenegger sowie als Pferde-Krieger Khal Drogo in der High-End-Serie „Game of Thrones“. Seine Interpretation des lange als Schwächling verschrienen Comic-Superhelden aus dem Wasser ist nun auch dementsprechend cool und überzeugend.

„Aquaman“ ist der neuest­e Teil des recht durchwachsen gestarteten DC Extended Universe, das sich nach dem Vorbild der Konkurrenten von Marvel zum umfangreichen Filmkosmos auswachsen sollte. Man kann den Film auch ohne Kenntnis seiner Vorgänger sehen. Das Zusammensetzen einer aus vielen Filmen bestehenden Superstory hat das produzierende Studio Warner vorerst ausgesetzt. Nach Auftritten in „Batman v Superman: Dawn of Justice“ und „Justice League“ hat der Wassermann hier seinen dritten Auftritt – und bekommt gewisser­maßen seine Origin Stor­y nachgeliefert. Und die hat es in sich. Bombastisch, episch, effektgeladen. „Aquaman“ darf gleich in der Eingangsszene ein U-Boot vor Hightech-Piraten rette­n und sich als Unterwasser-Übermensch beweisen. Der Chefpirat schwört Rache und wird zum Gegenspieler Black Mant­a (Yahya Abdul-Mateen II).

Als Sohn eines Leuchtturmwärters (auffällig eintönig: Temuera Morrison) geht er nach geleisteter Heldentat mit seinem Vater auf ein Bier in die lokale Hafenkneipe. Ein Vorwand, um die Vorgeschichte zu erzählen. In kitschigen Rückblenden erfahren wir, dass Aquaman der Spross einer stürmischen Zusammenkunft von Papa mit einer gestrandeten Nixe war. Keine Geringere als Nicole Kidman spielt diese Atlanna, die geflohene Königstochter von Atlantis. Aquaman ist also erstgeborener Aristokrat mit besonderen Fähigkeiten und heimlich trainiert vom Berater der Königin (ein etwas verlorener dreinschauender Willem Dafoe).

Dieser Atlantis-Mythos wird nicht nur ästhetisch-futuristisch modernisiert. Schon bald wird Arthur widerwillig in submarinen Intrigen seines Halbbruders Orm (Patrick Wilson) verwickelt. Nach einiger Überzeugungsarbeit der rothaarigen Prinzessin Mera (Amber Heard) kommt er mit auf den Meeresgrund.

Der schnelle, vollgepackte – aber recht grob gearbeitete – Plot mündet in eine verwegene Abenteuer-Achterbahnfahrt: Von der Odyssee bis zu Aladdin, von den so genannten Freibeuter-Filmen des klassischen Hollywoods bis hin zu Indiana Jones wird hier alles zusammengewürfelt. Angetrieben wird das Durcheinander durch die Suche nach dem legendären mächtigen Dreizack des Vorzeit-Königs Atlan. Währenddessen versammelt Halbbruder Orm die Völker der Meere für einen Krieg gegen die Menschheit an Land. Das Filmfinale bietet somit eine epische Schlacht, die wie „Herr der Ringe“ unter Wasser inszeniert ist.

Als Film ist „Aquaman“ durchaus kurzweilig – und von Regisseur James Wan kompetent inszeniert. Genießen lässt sich das Spektakel freilich nur, wenn man bereit ist, über wenn nicht lächerliche, so doch eigentümliche Seltsamkeiten, etwa Seepferd-Reiter, hinwegzusehen. „Suspension of disbelief“ sagen die Amerikaner dazu – und meinen damit, dass man für gute Unterhaltung allfällige Ungläubigkeit des Spaßes wegen einfach aussetzen sollte. Wenn das gelingt, ist „Aquaman“ sympathischer Hollywood-Hochglanz.


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