Dekowahn und nackte Haut: 24 Fakten und Anekdoten zum Fest

Wo steht der größte Christbaum? Woher kommt der Adventskalender? Und wie weit muss man eine Fichte werfen, um sich Weltmeister im Weihnachtsbaumwerfen nennen zu können? Die Antworten liefert diese Auflistung nicht alltäglichen Wissens.

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Pssscht: Pünktlich zum Fest gibt es eine Reihe erstaunlicher Rekorde, kuriose Anekdoten und jede Menge Schlaumeier-Wissen.
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★ 1. Der größte Christbaum: Der laut Guinness-Buch der Rekorde größte Christbaum der Welt überragte selbst so manches Hochhaus: angeblich 67,36 Meter. Er stand 1950 in Seattle (USA). In Deutschland brüstet sich Dortmund mit dem vermeintlich größten Weihnachtsbaum der Welt. Der 45 Meter große und 90 Tonnen schwere „Baum“ ist jedoch ein Konstrukt aus 1700 einzelnen Rotfichten.

★ 2. Welche Bedeutung haben die Adventssonntage? In der Adventszeit hat jeder Sonntag eine eigene Stellung. Der erste Advent steht bei Protestanten für den Einzug Jesu in Jerusalem. Die weiteren Sonntage sind der Wiederkunft Christi, Johannes dem Täufer und Maria gewidmet — bei Katholiken gibt es Abweichungen.

★ 3. Guten Appetit — Essen in Massen: In der Weihnachtszeit schlagen sich viele hemmungslos die Bäuche voll. Doch selbst für größte Mägen dürften diese Mahlzeiten zu riesig sein: Das Guinness-Buch listet als Rekordnaschereien etwa einen 651 Kilo schweren Pfefferkuchenmann aus Norwegen, einen fünf Meter großen Schoko-Nikolaus aus Italien und einen 3,28 Tonnen schweren englischen Weihnachtspudding auf.

Der größte Lebkuchenmann kommt aus Oslo und wog 651 Kilogramm.
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★ 4. Ein Weihnachtsbaum als Beleg für Korruption?: Ein Plastikweihnachtsbaum für stolze 83.000 Euro hat vergangenes Jahr in der serbischen Hauptstadt Belgrad zu Spott und Kritik geführt. Der 18 Meter hohe Baum sei „nur die Spitze des gewaltigen Eisbergs von Korruption“, schrieb die größte örtliche Zeitung „Blic“. Schon drei Tage vor Ablauf der Ausschreibung sei der Baum aufgestellt worden.

★ 6. Der Weihnachtsmann — die Erfindung eines Getränkeherstellers? Nicht ganz: Zwar ist das typische rot-weiße Gewand stark von einer erfolgreichen Werbekampagne eines Getränkeherstellers geprägt worden, doch ist er keine Erfindung des Konzerns. Das Aussehen variierte noch bis ins 20. Jahrhundert. Sein Mantel war damals etwa auch blau oder braun. Der heilige Nikolaus wurde schon in vergangenen Jahrhunderten in Europa als Geschenkebringer verehrt, allerdings immer als hoch gewachsene, ernste Bischofsfigur. Als holländischer „Sinter Klaas“ ist er Anfang des 19. Jahrhunderts nach Amerika gelangt, die erste Coca-Cola-Anzeige mit dem rot-weißen Weihnachtsmann ist erst 1931 erschienen.

★ 7. Weihnachtsmusik — kein Grund zur Anzeige: Seit Anfang November mit „Last Christmas“ oder „Feliz Navidad“ beschallt zu werden, kann nerven. Gesetzeswidrig ist das aber nicht. Polizisten in Bayern twitterten 2017 ein Foto aus einer Wache: An einer Trennscheibe war ein Aushang „Nervige Weihnachtslieder sind kein Grund, Anzeige zu erstatten. Ihre Polizei“ angebracht.

★ 8. Das große Werfen — höher, besser, weiter: Die Teilnehmer der WM im Weihnachtsbaumwerfen in Rheinland-Pfalz müssen eine Fichte wie einen Speer werfen, wie einen Hammer schleudern und über eine Latte für Hochsprung stoßen. Die Einzelwerte werden addiert. Der Sieg konnte vergangenes Mal mit einer Gesamtweite von 22,47 (Männer) und 14,38 Metern (Frauen) erlangt werden.

★ 9. Weihnachtsbäume im Oktober: Bereits seit Oktober konnten einem Supermarkt in Bangkok (Thailand) Weihnachtsbäume bestellen werden — für umgerechnet 260 Euro. Echte Tannenbäume sind dort schwer zu finden. Viele Ausländer weichen deshalb auf Plastikbäume oder weihnachtlich dekorierte Palmen aus.

★ 10. Geduldsprobe für viele Kinder: Eine üble Geduldsprobe für Kinder, die auf Geschenke warten: Ein Teil der christlich-orthodoxen Kirchen begehen die Geburt Jesu 13 Tage nach Heiligabend, also am 6. Jänner. Etwa in Russland richten sich die Feierlichkeiten nach dem julianischen Kalender. Die Westkirchen haben hingegen den gregorianischen Kalender als Grundlage.

★ 11. Festlicher Stromverbrauch: Keine Zeit im Jahr ist so hell wie die Weihnachtszeit. Bis zu zehn Millionen Euro geben die Österreicher inklusive Stromrechnung zu Weihnachten für Außenbeleuchtung aus. Der Energieverbrauch in Österreich für ein paar Wochen Weihnachtsbeleuchtung entspricht laut oberösterreichischem Energiesparverband dem Jahresverbrauch einer Stadt mit über 10.000 Einwohnern. Ganz Kufstein würde also z.B. mit dieser Strommenge ein Jahr lang auskommen.

★ 12. Sinnlich statt besinnlich: In Deutschlands größter Hansestadt wird zu „Hamburgs geilstem Weihnachtsmarkt“ eingeladen. Auf dem Santa-Pauli-Weihnachtsmarkt an der Reeperbahn sind abends zur vollen Stunde etwa Stripshows geplant. Natürlich in einem Zelt, das nur für Volljährige zugänglich ist.

★ 13. Glück für Gefangene: Dank der in Österreich üblichen Weihnachtsamnestie dürfen Jahr für Jahr Häftlinge etwas früher das Gefängnis verlassen. 2017 hat Bundespräsident Alexander Van der Bellen 13 Personen auf freien Fuß gebracht, 2016 profitierten 12 Personen. Frei kommen können auf diesem Weg nur Personen, deren Strafe fünf Jahre nicht übersteigt. Davon muss mindestens ein Drittel der Strafe bereits abgesessen sein. Für eine Begnadigung infrage kommen lediglich Insassen, die leichtere Delikte begangen haben, etwa einfache Diebstähle, Betrugsdelikte, fahrlässige Körperverletzung oder Verletzung der Unterhaltspflicht.

In Sachen Weihnachtsbeleuchtung gibt es praktisch keine Grenzen.
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★ 14. Grenzen der Beleuchtung: Weihnachtliche Deko, die fremde Schlafzimmer ausleuchtet, sollte spätestens ab 22 Uhr ausgeschaltet werden. Sonst dürfen sich Nachbarn beschweren. Auf Geschmack kommt es allerdings nicht an, erklärt der Verband Haus & Grund. Mit kitschigen oder hässlichen Rentieren oder Eisschlössern müssen Nachbarn leben.

★ 15. Vier Jahre Krieg — ein paar Tage Frieden: Ohne Erlaubnis ihrer Oberkommandos unterbrachen deutsche und britische Soldaten am 24. Dezember 1914 an einigen wenigen Schützengräben im Ersten Weltkrieg das gegenseitige Abschlachten. Vermutlich ging die kurze Versöhnung vom belgischen Ypern aus. Der Frieden hielt nur Tage und blieb ein Unikum im Krieg.

★ 16. Jesu Geburtstag — eine politische Provokation: Ob Jesus wirklich am 25. Dezember geboren wurde, ist unbekannt — das genaue Jahr historisch umstritten. Im 4. Jahrhundert legten die Christen den Geburtstag von Jesus provozierend auf den Feiertag des römischen Sonnengottes Sol Invictus. Dies habe die Opposition gegen die heidnische Religion zum Ausdruck gebracht, sagt der Theologe Rainer Kampling.

Manche erinnert er an eine Klobürste, andere an ein gerupftes Huhn: Roms magerer Weihnachtsbaum erlangte 2017 viel Spott und Hohn.

★ 17. Ochs und Esel — eine Lüge?: Ochse und Esel kommen in den Berichten des Neuen Testaments über die Geburt von Jesus überhaupt nicht vor, sondern nur in der zeitgenössischen Parallel-Literatur zur Bibel — den Apokryphen. Dort wird zudem die orthodoxe Tradition aufgenommen, dass Jesus in einer Höhle geboren worden sei, schreibt Theologe Thomas Söding.

★ 18. Streit im Baltikum – woher kommt der erste Weihnachtsbaum? Das Fest der Liebe ist nicht nur in Familien Auslöser für Zwist: Riga (Lettland) und Tallinn (Estland) beanspruchen den ersten Weihnachtsbaum der Welt für sich. Forscher sind sich uneins. 1510 hätten Kinder in Riga eine Tanne per Zufall geschmückt. Schon 1441 soll jedoch in Tallinn ein Baum verziert worden sein. Ob es aber eine echte Tanne oder ein Holzkonstrukt war, ist unklar.

★ 19. Man ist, was man isst? Eine einheitliche Weihnachtsmahlzeit gibt es in Österreich nicht und gab es nie, wie Kulturwissenschaftler sagen. Es gibt regionale Unterschiede und überhaupt hat das Weihnachtsfest in jeder Familie seine eigene Tradition. Während in Wien, Niederösterreich, Oberösterreich und der Steiermark gerne Karpfen oder andere Fischgerichte aufgetischt werden, essen die Tiroler an Heiligabend häufig eine Nudelsuppe mit Würstel, Blutwurst, Schweinsbraten oder Fondue. Auch kalte Platten sind beliebt.

20. Wer hat den schönsten? In Italien zanken sich Mailand und Rom seit Jahren, wer den schöneren Weihnachtsbaum hat. Der Hauptstadtbaum stand nun zwei Jahre in Folge wegen seines Aussehens in der Kritik. Der gebürtige Mailänder und jetzige Innenminister Matteo Salvini hat 2017 angeboten, Rom dieses Jahr einen zu schenken. Seine Partei propagiert unter anderem die Überlegenheit des Nordens gegenüber dem Süden.

★ 21. Ursprung des Adventskalenders: Seit etwa 1850 gab es „Adventszeitmesser“ als Abrisskalender oder Weihnachtsuhren. Der erste gedruckte, noch fensterlose Adventskalender ging Anfang des 20. Jahrhunderts auf einen Münchner Verleger zurück. Um 1920 erschienen die ersten Kalender mit Türchen zum Öffnen. In der NS-Zeit verbot Adolf Hitler die Adventkalender wegen der herrschenden Papierknappheit und um diese christliche Tradition aus der Erinnerung der Menschen zu verbannen. Danach feierten sie eine Renaissance.

★ 22. Ziemlich viel Zaster — Österreicher und Weihnachtsgeschenke: Im Schnitt planen Herr und Frau Österreicher heuer, rund 542 Euro für Geschenke auszugeben. Geht es nach einer Studie der KMU Forschung Austria werden demnach rund 560.000 Tiroler Geschenke kaufen und jeweils um die 370 Euro ausgeben. Das macht in Summe 207 Mio. Euro Umsatz aus, knapp zwölf Prozent davon fließen über Online-Shops.

★ 23. Massenrekorde statt Massenkonsum: Weihnachten ist nicht nur Massenkonsum, das Guinness-Buch der Rekorde listet auch jede Menge Massenrekorde auf: 2014 versammelten sich in Bangkok (Thailand) 1762 Weihnachtselfen, 2015 kamen 3473 Menschen in Weihnachtspulli in Kansas (USA) zusammen und in Indien trugen vor vier Jahren gleichzeitig 18.112 Menschen ein Weihnachtsmannkostüm.

★ 24. Herkunft des Adventskranzes: Mitte des 19. Jahrhunderts gab es in einem Hamburger Jugendheim den wohl ersten Adventskranz. Erfunden hat ihn der Erzieher Johann Hinnrich. Er betreute in Armut lebende Kinder, die täglich fragten, wann Weihnachten sei. Darum stellte er ein großes Wagenrad auf und bestückte es mit Kerzen. Jeden Abend entzündete er beim Geschichtenerzählen eine weitere Kerze. Im Laufe der Zeit gab es für Adventsonntage vier dickere Kerzen und das Rad wurde mit Tannenreisig geschmückt. Der Brauch verbreitete sich schnell im protestantischen Norddeutschland. Im katholisch geprägten Süden und auch in Österreich wurde er erst nach dem Zweiten Weltkrieg heimisch.

Adventskranz nach J.H. Wichern mit 24 Kerzen am Domplatz in Klagenfurt.
© Naturpuur / Wikipedia

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