Oberhaupt der evangelischen Kirche Ungarns kritisiert Orban

Budapest (APA) - Der leitende Bischof der evangelisch-lutherischen Kirche in Ungarn, Tamas Fabinyi hat scharfe Kritik an der rechtskonservat...

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Budapest (APA) - Der leitende Bischof der evangelisch-lutherischen Kirche in Ungarn, Tamas Fabinyi hat scharfe Kritik an der rechtskonservativen Regierung von Ministerpräsident Viktor Orban geübt. Deren politische Kampagnen würden das in den Menschen schlummernde Böse zum Vorschein bringen, sagte Tamas Fabinyi der regierungskritischen Wochenzeitung HVG (Donnerstagsausgabe) laut Kathpress.

„Jahre, wenn nicht Jahrzehnte müssen vorübergehen, um die schädliche Auswirkung zu bekämpfen“, sagte Fabinyi etwa mit Blick auf die Kampagne gegen den ungarischstämmigen US-Milliardär und Holocaust-Überlebenden George Soros.

Fabinyi verwies auch auf das jüngst in Kraft getretene Gesetz, das obdachlose Menschen aus der Öffentlichkeit verbannt. Obdachlose würden von manchen Menschen ohnehin als „Freiwild“ betrachtet und durch das Gesetz zusätzlich kriminalisiert, warnte der Bischof. „Dies ist schon deshalb gefährlich, weil ein Halbwüchsiger auf den Gedanken kommen kann, auf jeden auf der Straße liegenden Menschen mit dem Fuß stoßen zu dürfen und zu glauben, er habe damit kein Verbrechen begangen.“

In dem Artikel kommen auch der Abt der Benediktinerabtei Pannonhalma, Erzabt Cirill Hortobagyi, und sein Vorgänger Alterzabt Asztrik Varszegi zu Wort. Hortobagyi wies darauf hin, dass die Kirchen in Ungarn von der Regierung gefördert würden. „Dort, wo gegen Förderung Loyalität erwartet wird, können die Kirchen in eine schwierige Lage kommen“, fügte Bischof Varszegi hinzu.

Die beiden betonten, dass sich die Benediktiner in jeder wichtigen gesellschaftlichen Frage zu Wort meldeten. Die Abtei habe im Jahr 2015 ihre Tore für Flüchtlinge geöffnet, weil die Benediktiner seit Jahrhunderten und unabhängig vom herrschenden politischen System für Schutzlose eintreten und sie aufnehmen. Das habe für vor Napoleons Truppen Flüchtende genauso gegolten wie im 20. Jahrhundert für verfolgte Juden und sogar für bedrohte Kommunisten.

Ohne eine starke Zivilgesellschaft sei ein Land „schwach und gebrechlich“, sagte Hortobagyi. Die Klostergemeinschaft in Pannonhalma ist auch Trägerin eines Gymnasiums mit 340 Schülern samt Internat. In der Erziehung würde dort Wert darauf gelegt, dass die Schülerinnen und Schüler nicht auf Basis von Empörung und Gefühlen Menschen verurteilen. „Die Schüler sollen lieber im wahren Sinne des Wortes als Zivilbürger auftreten“, sagte Hortobagyi.


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