Gefesselt, misshandelt: Fünf Verletzte bei Überfall in Wiener Kirche

Bei den fünf Verletzten handelt es sich um Ordensbrüder. Einer von ihnen erlitt schwere Blessuren am Kopf. Ein sechster Ordensbruder war in einer Büroräumlichkeit gefesselt worden. Der Überfall zog sich über mehrere Stunden. Das Motiv war zunächst unklar, Terror schließt die Polizei jedoch aus. Die Täter sind flüchtig.

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Einsatzkräfte vor dem abgeschirmten Tatort. Noch könne laut Polizei nicht ausgeschlossen werden, dass sich die Täter noch in dem Gebäude befinden.

Wien – Bei dem Überfall auf die Klosterkirche Maria Immaculata in Wien-Floridsdorf ist ein sechster Ordensbruder in einer Büroräumlichkeit gefesselt worden. Anders als die fünf bisher bekannten Opfer der Attacke blieb der Geistliche aber unverletzt, teilte die Polizei am späten Donnerstagabend mit.

Fünf Ordensbrüder waren bei dem Überfall verletzt worden, ein 68-Jähriger dabei schwer. Zuerst soll einer der insgesamt zwei Täter dieses Opfer alleine in der Kirche angetroffen haben und es mit einer Schusswaffe bedroht, gefesselt und traktiert haben. Die Polizei ging von zwei Tätern aus, nach denen am Abend noch gefahndet wurde.

Laut Polizeisprecher Harald Sörös soll der etwa 1,80 Meter große Täter, der laut Zeugenaussagen Deutsch mit Akzent sprach, gegen 13.30 Uhr in die Kirche der Schulbrüder in der Anton-Böck-Gasse gekommen sein. Dort soll er den 68-jährigen Ordensbruder dann mit einer Pistole gezwungen haben, sich auf den Boden zu legen. Der Geistliche wurde in weiterer Folge auch misshandelt und dabei schwer verletzt. Auch ein weiterer Angehöriger der Ordensgemeinschaft, der dann ebenfalls in die Kirche kam, wurden erneut mit Schlägen traktiert und ebenfalls gezwungen, sich hinzulegen.

© APA/Punz

Durchsuchung des Areals ohne Ergebnis

Die weiteren Ordensbrüder wurden von der Exekutive dann im angrenzenden Pfarrhaus gefunden. Alle von ihnen wurden zum Teil gefesselt und zum Teil auch geknebelt, ehe gegen 16.15 Uhr die Polizei verständigt wurde, welche die Verletzten dann aus ihrer Lage befreite.

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Die Exekutive begann daraufhin mit der Durchsuchung des Areals der Klosterkirche und des angrenzenden Pfarrhauses durch Beamte der Sondereinheit Wega, sie wurde gegen 19.20 Uhr jedoch ergebnislos beendet. Vor dem Tatort im Bezirksteil Strebersdorf wurde das Gebiet zuvor großräumig abgesperrt, ein Hubschrauber kreiste über dem Strebersdorfer Platz. Die Berufsrettung war mit dem Katastrophenzug an Ort und Stelle. Rettungssprecher Andreas Huber erläuterte gegenüber der APA, dass dem 68-Jährigen bei dem Überfall schwere Kopfverletzungen zugefügt worden waren, er aber beim Eintreffen der Rettung ansprechbar war. Bei den übrigen vier Geistlichen im Alter zwischen 56 bis 66 Jahren wurden bei der Erstversorgung zumindest Prellungen festgestellt. Alle fünf wurden in umliegende Krankenhäuser eingeliefert.

Pistole aus Safe entwendet

Während die Einsatzkräfte die Täter in Bereich der Kirche nicht mehr antrafen, wurde im Pfarrhaus ein offener Safe entdeckt, aus dem eine Pistole vom Kaliber 9mm entwendet worden war, berichtete Polizeisprecher Sörös. Was die Tatwaffen anbelangt, so könne es sich hierbei um Werkzeuge gehandelt haben, mit denen die Opfer verletzt wurden, von der Schusswaffe wurde laut Sörös jedenfalls nicht Gebrauch gemacht.

Ob das Motiv für die Tat ausschließlich Raub war, stand am Donnerstagabend noch nicht fest. Es gab jedoch Indizien, die darauf hindeuteten. Eine Terrorattacke schloss Sörös jedoch dezidiert aus.

Täter spionierte Küche möglicherweise aus

Ein Zeuge, der seit sieben Jahren als Haustechniker im vis-a-vis gelegenen De-La-Salle-Gymnasium arbeitet, berichtete von einem Gespräch mit einem Geistlichen nach dem Überfall: Dieser habe demnach ihm gegenüber behauptet, er habe einen der Täter bereits Tage zuvor in der Kirche gesehen. Womöglich wollte der Mann die Gegebenheiten auskundschaften. Diese Angaben wurden seitens der Polizei jedoch nicht bestätigt.

Kardinal Christoph Schönborn sagte laut Kathpress, er sei „tief betroffen“ vom Überfall: „Kirchen sind Orte des Friedens und der Zuwendung – das macht uns die Weihnachtszeit in besonderer Weise bewusst.“ Unmittelbar nach Beendigung des Großeinsatzes der Polizei machte sich der Kardinal auf den Weg, um die Ordensbrüder im Schulzentrum zu besuchen. (APA)


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