KFV: „Ältere Autofahrer haben kein höheres Unfallrisiko“

Das Kuratorium für Verkehrssicherheit spricht sich gegen verpflichtende Kontrolluntersuchungen für Lenker ab einem bestimmten Alter aus.

Die Gesellschaft in Österreich wird älter – und Mobilität bleibt auch im hohen Alter ein Thema.
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Von Nikolaus Paumgartten

Innsbruck –Der Autounfall des 97 Jahre alten Prinz Philip hat vergangene Woche zu einer Debatte in Großbritannien über das Autofahren im fortgeschrittenen Alter geführt. Und auch hierzulande kommt es immer dann zu derartigen Diskussionen, wenn ältere Menschen in Verkehrsunfälle verwickelt sind. Letztlich geht es um die Frage, ob Senioren ein höheres Unfallrisiko haben. Beim Autofahrerclub ÖAMTC beantwortet man das mit einem „Nein“. Im Gegenteil: So würden Autofahrer im höheren Alter mehr Erfahrung und weniger Risikofreude mitbringen. Sie würden zudem ihre Belastungsgrenzen gut kennen und lange Fahrzeiten sowie Fahrten bei Schlechtwetter und widrigen Straßenverhältnissen vermeiden.

Armin Kaltenegger, Bereichsleiter für Recht und Normen beim Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV), hat sich eingehend mit der Frage der Verkehrssicherheit von Senioren beschäftigt. Und obwohl in den vergangenen Jahren die Unfallzahlen der Senioren aufgrund der demografischen Entwicklung in der Gesellschaft leicht zugenommen haben, kommt auch er zum Schluss, dass ältere Verkehrsteilnehmer nicht unfallanfälliger sind. „Lenker zwischen 27 und 80 Jahren haben in etwa das gleiche Unfallrisiko“, sagt Kaltenegger. Die Altersgruppe darunter (15 bis 27 Jahre) hingegen sei aufgrund von Ablenkung, Fahrten unter Alkoholeinfluss und dem Spaß an der Geschwindigkeit deutlich gefährdeter. „Allerdings“, räumt Kaltenegger ein, „steigt auch am anderen Ende der Altersstatistik – bei Lenkern über 80 Jahren – das Unfallrisiko.“ Gründe hier sind altersbedingte Einschränkungen im körperlichen, kognitiven und motorischen Bereich. Immerhin teilweise wettgemacht würden diese Mängel durch geringeren Egozentrismus, Verzichtsfähigkeit, stabile Verhaltenskontrolle und eine defensivere und weniger dynamische Fahrweise im Alter.

Regelmäßigen, verpflichtenden gesundheitlichen Kontrolluntersuchungen ab einem bestimmten Alter, wie es sie in einigen Staaten der EU gibt, kann Verkehrsexperte Kaltenegger wenig abgewinnen. „Weil es keinen Konsens gab, hat die EU damals den Mitgliedsstaaten diese Einführung freigestellt. Die Sinnhaftigkeit ist aber zweifelhaft und wissenschaftlich nicht belegt“, meint der Experte. Mittlerweile seien sogar Staaten davon wieder abgekommen. Kaltenegger plädiert dafür, Senioren in einer Art Mehrstufenplan beim Älterwerden als Verkehrsteilnehmer zu begleiten. Das so genannte SOK-Modell sieht Kompensationsmöglichkeiten für fahrzeuglenkende Senioren durch Selektion, Optimierung und Kompensation vor. Selektion: Vermeidung von Nacht-, Stadt- bzw. Autobahnfahrten, Verzicht auf Überholmanöver; Optimierung: Besuch von Trainings, Verwendung von Brille oder Hörgerät, Anschaffung eines Automatikautos; Kompensation: Reduktion der Geschwindigkeit, Erhöhung der Sicherheitsabstände.

Nicht zuletzt könne man aber mit der richtigen Verkehrspolitik der Tatsache Rechnung tragen, dass die österreichische Gesellschaft älter wird – etwa durch den Ausbau des öffentlichen Verkehrs, meint Kaltenegger.


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