Noel nach Kitz-Sieg bescheiden: „Kann nicht fahren wie Marcel“

Nach seiner Triumph-Fahrt am Ganslernhang wurde Clement Noel mit Lob überschüttet. „Er ist definitiv die Zukunft dieser Disziplin“, sagte Landsmann Pinturault

Die Top drei im Slalom: Marcel Hirscher mit den beiden Franzosen Clement Noel und Alexis Pinturault.
© APA

Kitzbühel – Das neue Ski-Siegergesicht Clement Noel wird derzeit mit Lob überschüttet. Für den 21-jährigen Wengen- und Kitzbühel-Gewinner ist aber immer noch Marcel Hirscher der beste Slalom-Artist der Gegenwart. „Ich denke, er ist der Schnellste und kann einen wirklich beeindrucken“, sagte der Franzose. Ein Vorbild sei Hirscher nicht. „Ich kann nicht fahren wie Marcel.“

Noel gewann am Samstag eine Woche nach dem Torlauf-Klassiker in Wengen auch auf dem Ganslernhang. Vom schließlich zweitplatzierten Hirscher bekam er viel Lob zu hören. „Er fährt eine kürzere Linie als jeder andere im Moment“, erklärte der Österreicher. Manuel Feller, in der Vorwoche Zweiter hinter Noel, hatte in Wengen gemutmaßt, der Franzose fahre wahrscheinlich den schnellsten Schwung derzeit. „Er ist definitiv die Zukunft dieser Disziplin“, sagte Noels Landsmann Alexis Pinturault, der in Kitzbühel auf dem dritten Platz landete.

Noel: „Ich versuche schnell zu sein“

„Das ist schön, wenn man das von arrivierten Läufern hört“, zeigte sich Noel geehrt. „Ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll. Ich versuche, schnell zu sein in den nächsten Rennen.“ Der Junioren-Weltmeister 2018 wisse seit Längerem, dass er prinzipiell schnell sein kann. „Ich weiß, dass ich einer der besten in einem Rennen sein kann, aber ich muss konstanter werden und das regulär in jedem Rennen machen.“ Er wolle seinen Lauf fortsetzen, betonte Noel, „aber das ist eben nicht leicht“.

Hirscher meinte, der Franzose sei „technisch brillant“. Er setze die Ski ganz nahe zur Stange. „Da heißt es anhalten, weil der weitere Weg ist immer Zeitverlust“, erläuterte Hirscher. Noel und andere junge Talente „fahren im Endeffekt einige Meter weniger auf die ganze Renndistanz. Die fahren eine recht coole Linie“.

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Der Mann mit dem aktuell schnellsten Slalom-Schwung, Clement Noel.
© gepa

Vorbilder habe er in Sachen Fahrstil keine, erklärte Noel. „Ich habe keinen bestimmten Namen. Ich schaue bei allen, was sie schnell macht oder nicht schnell macht, und versuche, mich davon inspirieren zu lassen“, sagte der 1,91-Meter-Mann. „Ich kann nicht fahren wie Marcel, er ist kleiner und wirklich kräftig. Er ist beeindruckend, weil seine Füße so schnell von einer Seite auf die andere gehen. Das kann ich nicht machen. Ich muss mit meinen Qualitäten schnell sein.“

Grange und Lizeroux als Inspiration

Als Kind habe er viele Rennen von Jean-Baptiste Grange und Julien Lizeroux verfolgt. „Natürlich weil sie Franzosen sind und weil sie wirklich schnell waren zu der Zeit, etwa um 2009 und 2010 herum“, erzählte Noel. „Sie sind eine echte Inspiration für mich, aber ich denke nicht, dass ich wie die beiden Ski fahre. Ich weiß, dass jeder anders ist.“

Hirscher sei für ihn allerdings die Nummer eins im Slalom. „Er ist der konstanteste über alle Rennen“, meinte Noel. „Wenn er eine nicht so gute Performance in einem Lauf hat, wird er im nächsten Lauf oder am nächsten Tag der Schnellste sein, weil er sich nicht damit abfinden kann, Fünfter oder Sechster zu sein.“ In Schladming hat Hirscher am Dienstag im Nightrace die nächste Gelegenheit, schneller als Noel zu sein. (APA)


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