Asylberechtigte für duale Ausbildung gewinnen

Zum dritten Mal fand gestern die Berufsmesse für Asylberechtigte in Innsbruck statt. Heuer lag der Schwerpunkt erstmals auf den Lehrlingen.

Insgesamt absolvieren bereits 170 Asylberechtigte in Tirol eine Lehre.
© IKM, A. Steinacker

Innsbruck –Im Innsbrucker Rathaus fand gestern zum dritten Mal die Berufsmesse chance:reich statt. Die Kooperation der Stadt Innsbruck mit der Wirtschaftskammer Tirol (WK), dem Arbeitsmarktservice (AMS) Tirol und dem Land Tirol soll gezielt Tiroler Unternehmen und Asylberechtigte zusammenbringen. Dabei lag der Schwerpunkt erstmals auf den Lehrlingen.

Nach gezielten Vorbereitungen und einer Vorauswahl trafen 57 junge Asylberechtigte und 12 interessierte Unternehmen zusammen. Die an der Messe teilnehmenden Firmen kommen aus den Bereichen Produktion, Dienstleistungen, Bau, Tourismus und Handel. „Für mich stellt die Eingliederung von geflüchteten Menschen in den Arbeitsmarkt eine Win-win-Situation dar“, betont die zuständige Landesrätin Gabriele Fischer. Die Möglichkeit, einer Beschäftigung nachzugehen, sei nicht nur zur beruflichen, sondern auch für die soziale Integration besonders wichtig. Sie würden die Chance auf eine qualifizierte Ausbildung verdienen, um sich am Arbeitsmarkt etablieren zu können, meinte auch die ressortzuständige Stadträtin Elisabeth Mayr. Dass die Integration der Asylberechtigten in den Arbeitsmarkt auch für die Wirtschaft wichtig sei, unterstrich besonders WK-Vizepräsident Manfred Pletzer. „Wir haben inzwischen einen veritablen Facharbeitermangel“, so Pletzer. Eine wichtige Maßnahme, um diesem Problem entgegenzuwirken, sei die verstärkte Nutzung von Zuwanderungspotenzialen. Und hier sei auch ganz besonders die Lehre wichtig.

„Viele Asylberechtigte drängen allerdings in weniger qualifizierte Jobs. Hier möchten wir verstärkt entgegenwirken“, meint Mayr. Es gehe darum, den jungen Menschen das duale Ausbildungssystem und die damit verbundene Chance näherzubringen. Ein Problem, das auch AMS-Chef Anton Kern bestens kennt. „Dabei geht es darum, dass diese Menschen zum einen doch so schnell wie möglich auf eigenen Beinen stehen möchten und zum anderen oft auch genug verdienen möchten, um ihre daheim zurückgebliebenen Familien zu unterstützen.“

Derzeit sind laut AMS 785 Asyl- und subsidiär Schutzberechtigte in Tirol als arbeitslos vorgemerkt. 65 sind als Lehrstellen suchend beim AMS gemeldet. In Ausbildung (Deutschkurse) befinden sich 293 Personen. Auffallend dabei: Der Großteil lebt in Innsbruck und Umgebung und rund 80 Prozent sind unter 30 Jahre. „Wenn wir nur 10 Prozent dieser Menschen in eine Lehre bringen, ist schon sehr viel gewonnen“, sagt Kern. Aktuell absolvieren 170 Asylberechtigte in Tirol eine Lehrausbildung. (hu)

WK-Vizepräsident Manfred Pletzer, Stadträtin Elisabeth Mayr, Landesrätin Gabriele Fischer und AMS-Chef Anton Kern (v. l.) begrüßen die Möglichkeit, junge Asylberechtigte für eine Lehre gewinnen zu können.
© Müllner

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