Nach der Abfahrt ist für Vonn Schluss: “Macht mich sehr traurig“

Das Rätseln hat ein Ende: Lindsey Vonn erklärte am Dienstag noch ein letztes Rennen, die WM-Abfahrt am Sonntag, zu fahren — mit gerissenem Kreuzband und wenig Groll wegen des verpassten Stenmark-Rekords.

Lindsey Vonn blickt in eine offene Zukunft: Noch ein Rennen will sie bestreiten, dann beginnt ein neuer Abschnitt.
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Aus Aare: Michael Smejkal

Aare — Was dem alpinen Skisport ab der kommenden Woche fehlen wird, das bekam man am ersten WM-Tag in Aare gleich einmal ganz eindrücklich gezeigt. Das vorletzte Antreten in ihrer Karriere geriet unfreiwillig wieder einmal zur großen Lindsey-Vonn-Show: Erst mit einem spektakulären Abflug im Super-G, dann mit einer Pressekonferenz, bei der sie einmal mehr die Alleinunterhalterin gespielt hat, aber auch ihre ganz traurigen Seiten präsentiert hat: „Mein Abschied vom Skisport wird vollkommen sein. Es würde mich zu traurig machen, da noch einmal zurückzukommen. Denn ein Leben ohne Skisport ist deprimierend für mich.“

Was überraschend kam: Vonn bestätigte so ganz beiläufig, dass sie sich bei ihrem Trainingssturz im November einen Kreuzbandriss zugezogen hat. „Ja, ich habe es mir komplett zerstört und ich muss es nach meiner Rückkehr wiederherstellen lassen. Es wird meine siebente Knieoperation werden und ich hoffe wirklich, dass es die letzte ist.“

Spektakulär wie so oft: Lindsey Vonn war beim WM-Super-G gestürzt und im Fangnetz gelandet, sie kam aber mit einem blauen Auge davon.
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Dass sie sich in den letzten Wochen trotz starker Schmerzen, trotz Zweifeln und trotz eines weiteren Kreuzbandrisses zurückkämpfen und nicht gleich aufgeben wollte, das hat sie mit ihrem Hunger nach Erfolgen und ihrer Liebe nach Adrenalin erklärt. Und natürlich habe die Jagd nach dem Siegesrekord von Ingemar Stenmark (86 Weltcupsiege) eine Rolle gespielt. „Das war immer ein Antrieb, aber jetzt werde ich als die Frau aus dem Skisport ausscheiden, die nur 82 und nicht eben die 87 Siege hat, die sie immer wollte.“

Wobei ihr die jüngste Siegesserie von Mikaela Shiffrin da durchaus in die Karten spielt. „Denn es ist ohnedies gleich, wie viel ich gewinne, sie wird alle Rekorde brechen, wenn sie gesund bleibt.“ Und dann schob Vonn einen fein formulierten Satz nach, der zu denken gab: „Sie sollte aber auch Spaß daran haben.“ Dass sie kein wirklich inniges Verhältnis zu dem neuen US-Skistar hat, das konnte sie auch nicht verbergen: „Ich kenne sie kaum. Sie macht ihr Ding, ich mache mein Ding.“

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"Ein Leben ohne Skisport ist deprimierend", bekennt die 34-Jährige.
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Einmal wird Lindsey Vonn trotz ihres Sturzes und des blauen Auges noch antreten, am kommenden Sonntag in der Damen-Abfahrt. „Ich fühle mich, als hätte mich ein 18-Tonner gerammt, aber das ist okay so, bis Sonntag bin ich wieder fit.“ Ob es gescheit sei, dass sie sich neuerlich auf eine Speedstrecke begibt, diese Frage stellt sich ihr offenbar nicht. „Hey, schreibt mich nicht ab“, meinte Vonn, „vielleicht passiert ja am Sonntag doch noch ein Wunder.“

Auch wenn es nicht passiert, so steht der weitere Fahrplan fest: „Erst das Rennen fahren und dann eine große Party feiern.“ Die wird sie mit Aksel Lund Svindal feiern, der am Samstag ebenfalls sein letztes Rennen bestreitet und der „mich immer inspiriert und mit Respekt behandelt hat“. Vonn hat immer wieder mit den norwegischen Abfahrern trainiert.

Erfolg zur Selbstbestätigung — das wird auch in ihrem weiteren Leben als Geschäftsfrau eine wichtige Rolle spielen. „Ich plane ein paar Projekte, von denen erzähle ich euch später“, sagte sie. „Mein Wunsch wird sein, dass man eines Tages über mich sagt: Zuvor war sie auch schon eine erfolgreiche Skifahrerin.“

Ach ja, und natürlich kein Vonn-Termin ohne einige Anzüglichkeiten — wenn auch auf Nachfrage. Was sie denn zuerst machen werde, wenn sie kommende Woche zurück in die USA reist? „Meinen Freund anrufen (den Eishockey-Star P.K. Subban, Anm.).“ Der Rest sei „inappropriate“ — also nicht angebracht für diesen Rahmen.


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