Nordische WM: Seefeld - Das gehobenere Allround-Mekka

Seefeld (APA) - Rund 3.340 Einwohner - und ein „Wintertraum“. Mit letzterer Beschreibung versieht der Bürgermeister von Seefeld in Tirol, We...

Seefeld (APA) - Rund 3.340 Einwohner - und ein „Wintertraum“. Mit letzterer Beschreibung versieht der Bürgermeister von Seefeld in Tirol, Werner Frießer, „seinen“ Ort. Der Name der Gemeinde auf dem Hochplateau nahe Innsbruck klingt über die Landes- und Staatsgrenzen hinaus. Der Austragungsort der am Mittwoch beginnenden Nordischen Ski-WM ist ein Synonym für gepflegt-gehobeneren Tourismus auf Tiroler Art.

Während Top-Winterdestinationen wie Ischgl und Sölden quasi die dauerpubertären, hyperaktiven Brüder des heimischen Tourismus darstellen - und damit auch international die Massen anziehen, ist Seefeld gleichsam der etwas gesetztere Onkel, der dennoch aktiv und erfolgreich geblieben ist. Es ist etwas Exquisites, das mit dem Namen Seefeld mitschwingt - bis heute. Betuchte Urlauber, die sich vom Fünf Sterne-Tempel in Pferdeschlitten durch den verschneiten Winterwald kutschieren lassen - (veraltete) Klischeebilder über Seefeld, die aber auch ein Körnchen Wahrheit enthalten.

„Wir sind ein Ort, der abseits des Spitzensports vor allem auch sehr stark junge Familien und das sogenannte ‚Golden Age 50 plus‘ anspricht“, erklärte Bürgermeister Frießer, seines Zeichens auch OK-Chef der Weltmeisterschaft, im Gespräch mit der APA. Und verhehlte nicht, dass es sich dabei großteils um eine zahlungskräftige Klientel handelt.

Den Seefelder „Wintertraum“ mache es aus, dass man ihn „in allen Facetten“ genießen könne, so Frießer. Das Angebot auch abseits der Skipisten ist vielfältig und führend in Tirol: Langlaufen, Schlittschuhfahren, Schneeschuhwandern, Rodeln und verschiedenste Snowfun-Sportarten - gegen Freizeit-Langeweile gibt es eine breite Palette an probaten Mitteln.

Eine Besonderheit von Seefeld, Austragungsort der nordischen Disziplinen während der Olympischen Winterspiele 1964 und 1976: der Sommertourismus fällt gegenüber dem „großen Bruder“ im Winter nicht ab. Die Gemeinde gilt als einer der wenigen österreichischen Urlaubsorte mit einer ausgeglichenen Winter- und Sommersaison. „Wir haben den großen Vorteil, dass wir auf einem Plateau liegen und extrem viele Sonnenstunden haben“, strich der Bürgermeister einen der Vorzüge des Ortes hervor.

„Tennis- und Golfanlagen sowie Rad-und Mountainbikestrecken sorgen zudem für den ureigenen Mix. Einen „Ort für Egoisten“ habe die frühere Sacher-Chefin und jetzige Besitzerin des Seefelder Hotels „Astoria Resort“, Elisabeth Gürtler, die Gemeinde einmal etwas scherzhaft genannt, sagte Frießer: „Sie hat damit gemeint: Jeder in den Familien kann seine eigenen Interessen verfolgen und seinen Lieblingsaktivitäten nachgehen. Und trotzdem als Familie zusammen den Urlaub verbringen“.

Die Nordische WM finde jedenfalls in der Bevölkerung fast ausschließlich Zustimmung, berichtete Frießer. Es war nicht gerade große Überzeugungsarbeit nötig. Kein Wunder, denn: „Es lebt eigentlich fast der ganze Ort vom Tourismus“. Zudem hätten die Einheimischen gesehen, welch große Investitionen im Vorfeld der WM getätigt worden seien. 60 Millionen Euro wurden insgesamt investiert, so etwa in den neuen Bahnhof. Sechs Millionen davon habe die Gemeinde Seefeld getragen.

Investitionen, die sich weit über die Weltmeisterschaft hinaus rechnen werden, zeigte sich der Ortschef überzeugt. Und führte als Beispiel die Nordische WM 1985 in Seefeld an. In den Jahren darauf habe man die „sechs erfolgreichsten Tourismusjahre“ verzeichnet. Der Unterschied zur Jetztzeit: Diesmal gehe man von einem noch nachhaltigeren Wachstum aus, auch in der gesamten Region.

8.100 Gästebetten weist Seefeld auf, in der gesamten Olympiaregion sind es rund 15.000. Vier Fünf-Sterne-Hotels und dutzende Vier-Sterne-Hotels stehen insgesamt zur Verfügung - eine der höchsten 4- und 5-Sterne-Hoteldichten in Österreich. Gemessen an den gesamten Wohnsitzen weist Seefeld nicht weniger als 24 Prozent Freizeitwohnsitze aus.

Und was kennzeichnet die Bewohner des mitten im Herz der Alpen liegenden Plateaus, einer Hochebene, abgeschirmt von schroffen Bergen und zwei mächtigen Flüssen - dem Inn in Tirol und der Isar in Bayern? Wie ist der Seefelder denn so, Herr Bürgermeister? „Der Seefelder ist typisch tirolerisch, gastfreundlich. Aber vielleicht ein bisschen weltoffener“.

(Themenbilder aus Seefeld vom 31. Jänner 2019 sind im AOM abrufbar)