Stanzer Siedlung Stampfle: „Verkehrslärm raubt Lebensqualität“
Anrainer in der Stanzer Siedlung Stampfle steigen auf die Barrikaden: Belastung und Belästigung sind seit Eröffnung der Perjentunnelröhre II unerträglich geworden. Asfinag tauscht Fahrbahnplatte nach Ostern.
Von Helmut Wenzel
Stanz bei Landeck –Ein Meilenstein in der Verkehrsinfrastruktur des Bezirkes, mehr Sicherheit auf der S 16 (Arlbergschnellstraße) und endlich Entlastung für den Talkessel Landeck-Zams: Das verkündeten die Festredner am 15. Dezember zur Eröffnung der Tunnelröhre Perjen II. In seiner Rede hatte LH Günther Platter die Asfinag aufgefordert, den Lärmschutz in Tirol auszubauen. Weil Belastungsgrenzen überschritten worden sind, so Platter.
An diese Erklärung des Landeshauptmannes erinnern sich jetzt die Bewohner der Siedlung Stampfle. Und sie beschweren sich gegenüber der Asfinag heftig „über deutlich höhere Lärmbelastungen seit der Tunnelfreigabe“ und über einen „empfindlichen Verlust an Lebensqualität“.
Zahnarzt Alexander Rinner wohnt in einem Haus kaum 70 Meter vom westlichen Tunnelportal entfernt. Er schildert: „In der Nacht macht es ,klack, klack, klack‘. Wir können die Autos zählen, die durch den Tunnel fahren. Vom Schlafzimmer aus hören wir auch die Beschleunigung der Fahrzeuge. Besonders heftig ist die Lärmdosis, wenn Lkw über die neue Brücke fahren.“ Oft wache er schon um 4 Uhr in der Früh auf – „vom Brummen der zahlreiche Schwerfahrzeuge, die ab dieser Zeit unterwegs sind. Meine Frau und ich haben Schlafstörungen.“ Die Lärmschutzfenster, die Rinner eingebaut hat, würden ihren Zweck nur bedingt erfüllen: „Das ,Klack‘-Geräusch überträgt sich als Körperschall, den wir als unerträglich empfinden. Wir haben den Lärm und Staub bei den Bauarbeiten erduldet, aber jetzt ist es genug. Unsere Lebensqualität ist dramatisch gesunken.“
Wegen der Lage seines Ökohauses sei er am schwersten von der neuen Lärmquelle betroffen, sagte am Freitag ein weiterer Anrainer, der anonym bleiben will. „Ich hätte es früher nicht für möglich gehalten, dass mir der Verkehrswahnsinn so heftig auf den Puls geht“, schilderte der Mann im TT-Gespräch. Die Lebensqualität für seine Familie sieht er ebenfalls schrumpfen. „Weil ja noch mehr Verkehr zu erwarten ist. Wenn am Brenner die Lkw-Frequenz limitiert wird, dann wird die Ausweichroute auch über das Oberinntal und Stanzertal führen.“
Ein gemütlicher Huangart oder ein Mittagessen am Balkon und auf der Terrasse seien ebenfalls nicht mehr möglich. „Je nach Winddrehung riechen wir auch die Abgase von der S 16.“ Demnächst würden ja auch noch die Motorradfahrer ihren Beitrag zum gesundheitsschädlichen Lärm leisten. Besucher, die zu ihm auf einen Kaffee kommen, würden feststellen: „Hallo, bei euch ist ja ziemlich viel Lärm um das Haus.“
Der Mann überlegt ernsthaft, sein Haus zu verkaufen und wegzuziehen. Gutachter hätten allerdings einen Wertverlust seiner Immobilie in Höhe von 35 Prozent geschätzt. „Wir fragen uns, ob die Asfinag eine nachhaltige Lärmschutzlösung für unsere Siedlung realisieren kann. Wenn nicht, zahlt uns die Asfinag dann den Wertverlust?“
Für die Asfinag gibt Perjentunnel-Projektleiter Richard Loidl zumindest eine kurzfristige Zusage: „An der Sanna-brücke vor der Tunneleinfahrt ist eine Bodenplatte etwas zu hoch. Wir werden diese Platte im Zuge einer Tunnelsperre nach Ostern austauschen.“ Damit sollte, so Loidl, auch das „Klack-Geräusch“ nicht mehr hörbar sein. Ob es eine machbare, nachhaltige Lärmschutzlösung für die Siedlung gibt, könne er vorerst nicht sagen. Nur so viel: „Lärmschutzwände würden in diesem Fall nicht den gewünschten Effekt haben.“ Als weitere Maßnahme werde die Asfinag Lärmmessungen im Umfeld des Tunnelportals durchführen – im kommenden Frühjahr.
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